Was sich Hartmannsdorfer für die nächsten zehn Jahre wünschen

Fast jeder Teilnehmer einer Umfrage hat angegeben, dass er gern im Dorf lebt. Bei einer Bürgerwerkstatt wurden aber auch Schwächen sichtbar.

Hartmannsdorf.

Wollen Sie die Zukunft Hartmannsdorfs mitgestalten? Was sind Ihre Ideen? Mit diesen Fragen lud die Gemeinde und die Westsächsische Gesellschaft für Stadtentwicklung (WGS) die Hartmannsdorfer erstmals zu einer Bürgerwerkstatt ein. Gekommen waren rund 40 Einwohner, ein Großteil aus Verwaltung und Gemeinderat. Ziel war es, eine Handlungsstrategie für die nächsten zehn Jahre zu erhalten, sagte Katharina Richter von der WGS. Grundlage bildete eine Bürgerbefragung, ergänzte Bürgermeister Uwe Weinert (CDU), der sich mit dem Ergebnis zufrieden zeigte: Denn 99,8 Prozent der Teilnehmer wohnt gern in Hartmannsdorf.

Die Teilnehmer mussten an verschiedenen Stationen Fragen beantworten und Ideen unterbreiten. So wurde auf einem großen Stadtplan eingezeichnet, wo sich die Lieblingsorte befinden: Die meisten Punkte wurden auf dem Gelände des Freibades und des Sportplatzes sowie in Wäldchen rund um den Ort - beispielsweise Steinkuppe und Steinbruch - markiert. Gleichzeitig stand die Frage: Was soll verbessert werden? So gibt es Ideen, die Knotenpunkte Chemnitzer/Leipziger Straße, am Recenia-Altenheim sowie Leipziger/Geschwister-Scholl-Straße (an der ehemaligen B 95) umzugestalten - durch verkehrsberuhigte Abschnitte bis zur Schule, Parkbuchten bei Recenia zum Beispiel.

Im zweiten Schritt wurden an drei Tischen Themen diskutiert: lebenswertes Hartmannsdorf, nachhaltiger Verkehr und Wohnen für alle Generationen. Hartmut Böhm vermisst beispielsweise neue Formen der Betreuung für Demenzkranke. Der 57-Jährige hat eine pflegebedürftige Mutter. In Hartmannsdorf gebe es keine Tagespflege. "Meine Mutter muss unter Leute", sagte er. Seine Frau Mandy wünscht sich mehr Kulturveranstaltungen, auch im Miteinander der Vereine, ergänzt die 49-Jährige.

Ihre Wünsche spiegeln sich auch an einer Tafel wider: Ideen für Wohngruppe für Demenzkranke, Generationentreff von Jung und Alt und mehr Nachbarschaftshilfe. Außerdem werden geeigneter Wohnraum für Familien und Bauflächen für Eigenheime gebraucht. Ein 58-jähriger Hartmannsdorfer überlegt, das Eigenheim zu verkaufen, "weil die Kinder aus dem Haus sind, wir im Alter nicht mehr alles bewirtschaften können", sagte er. Noch seien es Gedanken, nichts Konkretes, fügt er hinzu. Bisher habe er vergebens nach kleineren barrierefreien Wohnformen gesucht.

Der nachhaltige Verkehr beschäftigt viele Einwohner. Gelobt werden das Angebot des Plus-Busses - also mehr Taktzeiten vor allem abends und am Wochenende - sowie die Verbesserungen durch das Chemnitzer Modell (Straßenbahn von Chemnitz über Hartmannsdorf nach Limbach-Oberfrohna), "das schneller kommen sollte", "vorhandene Bahnschienen nutzen sollte" und "bezahlbar sein soll", so die Aussagen. Per Bahn sollte auch das Gewerbegebiet Hartmannsdorf mit solchen Großbetrieben wie Komsa und Diamant erreicht werden. Die Forderung: Eine Bahn verkehrt vom Gewerbegebiet über den Chemnitzer Berg (Chemnitzer Straße) bis zum Chemnitz-Center und in die Innenstadt von Chemnitz.

Die meisten Kritikpunkte gab es beim gegenwärtigen Radwegenetz. "Es kamen die meisten Verbesserungsvorschläge", sagte Richter von der WGS in der Auswertung. "Radfahren auf der Ortsdurchfahrt ist kreuzgefährlich", sagte ein Teilnehmer. So wird ein durchgängiger Radweg beginnend vom Kreisverkehr an der B 95 durch das Dorf gefordert, auch die Nachbarorte Limbach-Oberfrohna, Wittgensdorf, Chemnitz und Burgstädt sollten gefahrlos durch dieses Wegenetz erreicht werden. Zudem stand der Vorschlag eines Schnellradweges im Raum. Radschnellverbindungen sind Verbindungen im Radverkehrsnetz einer Gemeinde oder Stadt-Umland-Region, die wichtige Zielbereiche mit entsprechend hohen Quell- und/oder Zielverkehren über größere Entfernungen verknüpfen und durchgängig ein sicheres sowie attraktives Befahren bei hohen Geschwindigkeiten ermöglichen sollen, heißt es in der Definition.


Bürgerbefragung: Tops und Flops im Dorf

Von den rund 4450 Einwohnern haben sich 173 an einer Bürgerbefragung beteiligt. Davon waren 55 Prozent weiblich, 45 Prozent männlich. Ein Drittel der Teilnehmer lebt mehr als 50 Jahre in Hartmannsdorf, 15 Prozent weniger als fünf Jahre. 55 Prozent der Beteiligten haben einen Voll- oder Teilzeitjob, 41 Prozent sind Rentner.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer wollen nicht wegziehen, weil der Ort lebenswert und die Heimat ist, weil Freunde und Bekannte dort wohnen, weil sie ein Eigenheim haben. Auf einen Nenner gebracht: Es gibt alles im Ort, was man zum Leben braucht.

Jeder Vierte der Teilnehmer hat über einen Wegzug nachgedacht. Als Gründe wurde fehlende altersgerechte, attraktive Wohnungen und Baugrundstücke für Eigenheime, das Arbeitsangebot in einer anderen Region oder kein Erfolg bei der Suche nach freiem Haus oder Baugrund angegeben.

Tops: Gelobt werden der Zustand und die Pflege der Grünflächen, das Wohnumfeld, Kitas, Schulen, Sauberkeit/Ordnung, Sicherheit, Gemeindeverwaltung, Gastronomie und medizinische Versorgung.

Flops: Als verbesserungswürdig werden Busanbindung, soziale Einrichtungen/Treffpunkte, Zustand der Gehwege, Einkaufsmöglichkeiten (besonders in allen Ortsteilen), Barrierefreiheit und der Sanierungsgrad der Gebäude angegeben. (bj)

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