Was Versorger Eins zum Vorbild macht

Ausgerechnet den Betreiber eines großen Braunkohlekraftwerks hat die Umweltallianz Sachsen ausgezeichnet. Doch selbst Grüne finden das gut.

Brühl.

Wenn die Sonne scheint, dann sorgt das zwischen Mühlen-, Georg-, und Karl-Liebknecht-Straße auch für warme Stuben. Und das nicht nur bei jenen, die durchs Wohnungsfenster gen Süden blicken. Um die Ecke, auf einem mit allerlei Hochbehältern und einem Wirrwarr an Rohrleitungen versehenen Gelände des Energieversorgers Eins am Ufer der Chemnitz, wird seit zwei Jahren Sonnenenergie zur Wärmeversorgung des Viertels am Brühl genutzt.

Und nach dem besonders heißen Sommer in diesem Jahr steht fest: Die dort installierte Solarthermieanlage funktioniert weit besser, als zu erwarten war. "Wir hatten zehn Prozent mehr Ertrag", bilanziert Ulf Uhlig, Abteilungsleiter bei I-Netz, der Netzbetreibergesellschaft der Eins. Mittlerweile gilt die Anlage als Vorzeigeprojekt. Das energetische Quartierskonzept für den Brühl wird vom Bundesbauministerium gefördert - als eines von zwölf Vorhaben für "energetische Stadtsanierung", die längerfristig begleitend erforscht werden sollen.

Es sind Projekte wie dieses, die dazu beitragen, dass sich das Image des einst aus den Stadtwerken und dem Versorger Erdgas Südsachsen hervorgegangenen Unternehmens Eins auch in Umweltfragen gewandelt hat. Seit Donnerstag sind Eins und I-Netz nun von der Umweltallianz Sachsen ausgezeichnet als Unternehmen, die freiwillig Leistungen für die Umwelt erbringen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen und als Vorbild gelten können.

Die Umweltallianz ist eine seit 20Jahren bestehende Kooperationsvereinbarung zwischen Sachsens Ministerien für Umwelt- und Landwirtschaft sowie Wirtschaft, den Kammern und Verbänden der Wirtschaft sowie der Land- und Forstwirtschaft. Ihr Ziel ist, vorbildliche freiwillige Umweltleistungen von Unternehmen sichtbar zu machen - und zur Nachahmung anzuregen.

Die Bewerbung von Eins und I-Netz ist laut Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt nicht nur wegen des neuen Ansatzes in der Wärmeversorgung am Brühl auf Zuspruch gestoßen. Auch die Errichtung von zehn Photovoltaik- und sechs Windkraftanlagen in den zurückliegenden Jahren, das Engagement beim Auf- und Ausbau eines Netzes von Ladesäulen für Elektroautos sowie der Einsatz eines Batteriespeichers zum Ausgleich von Netzschwankungen auf dem Gelände des Heizkraftwerkes in Furth fielen ins Gewicht, heißt es. Letzter soll laut Eins-Chef Roland Warner dafür sorgen, dass es nicht gleich zu flächendeckenden Versorgungsausfällen kommt, wenn Wolken die Sonne verdecken oder der Wind eine Pause einlegt. "Da kommt es auf Sekunden an", verdeutlicht Warner.

Langjährige Kritiker der Eins hoffen derweil, dass die Auszeichnung andere Versorger anspornt - vor allem, was den Ausstieg aus der Braunkohleverfeuerung betrifft. Bis 2023 soll laut Warner ein erster Teil der Erzeugungskapazitäten von Eins auf umweltfreundlicheres Gas umgestellt werden, bis 2029 der Ausstieg komplett vollzogen sein. "Es ist klar, das so etwas nicht von heute auf morgen geht",sagt Susann Mäder, Vorsitzende von Bündnis 90/ Grüne in Chemnitz. "Aber es gibt Bewegung. Die Anerkennung dafür ist ein gutes und klares Zeichen." Ähnlich äußert sich ihr Parteifreund Bernhard Herrmann. "Es liegt im eigenen Interesse des Unternehmens, dass andere Versorger diesem Beispiel nun folgen", sagte er.

Hans-Joachim Wunderlich hingegen, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), ist vor allem davon begeistert, dass bei der Gestaltung der Energiewende durch Eins nicht nur umweltpolitische, sondern nicht zuletzt auch betriebswirtschaftliche Aspekte zum Tragen kommen. "Ich würde mir wünschen, dass das künftig auch im Bund wieder eine stärkere Rolle spielt", sagte er.

Allerdings: Ohne finanzielle Zuschüsse wäre wahrscheinlich auch die Solaranlage zur Wärmeerzeugung an der Georgstraße nie ans Netz gegangen. "Die damit verbundenen Investitionen hätten einen deutlichen Anstieg der Fernwärmepreise zur Folge gehabt", gibt Eins-Chef Warner zu bedenken. Mittlerweile versorgt die Anlage rund 250Gebäude. Ein Großabnehmer kommt demnächst dazu: Die neue Universitätsbibliothek in der Alten Aktienspinnerei am Schillerplatz.

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1Kommentare
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    bürgerenergie
    03.11.2018

    Schon interessant, diese "freiwilligen Selbstverpflichtungen" der Industrie, um die sich die Umweltallianz des freistaatlichen, sächsischen Umweltministeriums da bemüht.

    Und ausgezeichnet wird sogar ein Braunkohleverstromer ... wohl aber mehr für das Solarwärme- und Quatierskonzept am Brühl. Ein Vorhaben zu dem man trotz Fördermitteln (Herr Warner, eins, sagt es) nicht einmal konkrete, langfristige Wärmepreise benennen kann. Die dezentrale Energiewende eben doch keine Sache der eins energie? Junge, engagierte Mitarbeiter hätten hier langfristiges, erfolgreiches Engagement verdient!

    Weniger gab es die Auszeichnung der Umweltallianz wohl für den Kohleausstieg, der in der Tat ein paar Jahre eher stattfinden soll, als bei den Großen von RWE & Co. Die Grünen Stadträte begrüßen das, nie aber ohne den Verweis, dass auch dies den Herausforderungen des Pariser Abkommens noch nicht genügt. Aber das kann in Chemnitz noch werden.

    Ja, warum aber steigt die eins energie überhaupt aus der Kohle aus? Ja, bester Herr Wunderlich von der IHK, eben WEIL es die wirtschaftliche Lösung ist, sich von der unflexiblen und bei Sonne und Wind nicht einfach so abschaltbaren Kohleverstromung zu verabschieden. Denn "kleine Gaskraftwerke", die da in den nächsten Jahren entstehen werden, sind da einfach die bessere Lösung - wirtschaftlich und ökologisch zugleich. Das aber genau ist auch die große Linie im Bund. Was also soll daher die unkonkrete Anspielung von Herrn Wunderlich in Richtung Berlin?

    Warum aber soll es nun auch im Interesse der eins energie sein, dass auch andere, also die großen Energiekonzerne, aus der Kohle aussteigen? Leider bleibt auch diese Aussage im FP-Beitrag ohne Kontext stehen.
    Auch hier ist es eben (vorrangig) das wirtschaftliche Interesse. Wenn auch andere Kohlekraftwerke vom Netz gehen müssen, dann steigen die Börsenstrompreise, im selben Kontext sinken die EEG-Umlagen. Bei höheren Börsenpreisen aber kann die eins energie ihren Strom teurer verkaufen. Gut für den Betrieb und die Region.

    Aber was ist das eigentlich Lobenswerte beim Engagement der eins energie - von dem leider im Beitrag nichts steht? Es ist die Abscheidung von zig Kilogramm Quecksilber aus den Rauchgasen, die bei der eins energie positiv gelöst ist. Hier werden die Grenzwerte seit 1 - 2 Monaten wohl eingehalten. Eine Leistung, gegen die die großen Erzeuger zusammen mit dem Freistaat Sachsen noch meinen, wegen angeblich überzogener Anforderungen, klagen zu müssen. Leider ist bei dieser Klage auch die eins energie weiter mit dabei.
    Wann verabschiedet sich die eins energie also von der Klage? Herr Wunderlich, im Interesse des wirtschaftlichen Erfolgs sollten auch Sie die eins energie dazu auffordern. Und im Übrigen auch die Stadträte und Gesellschaftervertreter der Stadt, denen ökologische und wirtschaftliche Interessen des Regionalversorgers eins energie vorrangig sein sollten, gegenüber der Strukturwahrung der deutschen Kohlewirtschaft.

    Bisher legen nur die Grünen den Finger in die Wunde; und die haben mit ihren schon seit Jahren vorgetragenen Fragen zum Quecksilberausstoß im Hintergrund auch etwas bewirkt. Ebenso wie die Anfragen zum Kühlwasserbedarf aus den Flüssen der Region, zumal in diesen ewig langen Trockenzeiten, nicht ohne Wirkung bleiben werden.



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