Wasserschlacht im Park und Trachtentanz am Marx-Kopf

Vor der Stadthalle soll es am Samstagnachmittag nass werden. Doch das Spektakel ist keine reine Spaß-Veranstaltung.

Ob der Stadthallenpark Ähnliches schon erlebt hat? Am Samstagnachmittag soll die Grünanlage zum Austragungsort einer großen, öffentlichen Wasserschlacht werden. Mit Wasserpistolen, Eimern und Wasserballons wollen dort ab 15 Uhr zwei große Lager aufeinander losgehen - Kaßberg gegen Sonnenberg, lautet das offizielle Motto der Fehde. Wer in keinem der beiden Stadtteile zu Hause ist, darf trotzdem mitmachen - in einer der beiden Mannschaften, je nachdem, auf welcher Seite des Chemnitzflusses er oder sie zu Hause ist. Für Familien mit jüngeren Kindern wird es eine separate Fläche geben, kündigen die Organisatoren an.

Ausgedacht haben sich die Spaßveranstaltung eine Handvoll Kreative aus der Stadt, die unter dem Namen "Hedonistische Spaltpilze Chemnitz" auftreten. "Wenn schon Spaltung der Gesellschaft, dann konsequent", lautet ihr Credo. Das wiederum nimmt Bezug auf eine ebenfalls für Samstagnachmittag angemeldete Kundgebung "Deutsch und stolz darauf" auf der gegenüberliegenden Seite der Brückenstraße, am Marx-Monument. Beworben wird sie von einem Verein aus der Nähe von Dresden. Zu den angekündigten Rednern zählen unter anderem Stefan Hartung, NPD-Chef im Erzgebirgskreis, sowie Aktivisten aus dem Umfeld von Pegida und AfD, die in Chemnitz zum Teil bereits bei früheren Kundgebungen aufgetreten waren.

Überregional prominentester Vertreter dürfte der frühere Berliner Lehrer Nikolai Nerling sein. Nach der Verbreitung rechter Verschwörungstheorien war ihm im Frühjahr gekündigt worden. Mittlerweile produziert er als "Volkslehrer" Videos im Umfeld von Reichsbürgern, Rechtsextremisten und Holocaustleugnern. Für musikalische Umrahmung soll eine Volkstanzgruppe aus Dresden sorgen, die auch schon bei einer "Sonnenwendfeier" in Einsiedel zu erleben war. Wermag, dürfe zu der Kundgebung auch gern in Tracht erscheinen, so Nerling in einem seiner jüngsten Clips.

In der rechten Szene ist die Veranstaltung am Marx-Monument keineswegs unumstritten. Kritiker monieren, für diesen Tag, den 18.August, sei seit Längerem eine zentrale Aktion zur Erinnerung an den in der Neonazi-Szene glorifizierten Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß geplant. Alternativ-Angebote seien der Mobilisierung nicht sonderlich dienlich, heißt es in sozialen Netzwerken. Aber auch die Wasserschlacht im Stadthallenpark weckt Argwohn. Vertreter der Veranstaltung am Marx-Kopf haben rechtliche Schritte angedroht. Teilnehmer wollen Regensachen und Schirme einpacken.

Andere Chemnitzer wiederum fragen sich, ob eine Wasserschlacht in Zeiten anhaltender Trockenheit die passende Veranstaltung ist und wie nach dem Spektakel der Stadthallenpark wohl aussehen mag. Ordnungs- und Grünflächenamt der Stadt hätten vorsorglich Auflagen erlassen, heißt es aus dem Rathaus. Vor Ort solle "mit entsprechendem Augenmaß" überprüft werden, dass diese auch eingehalten werden. Nicht gestattet sei unter anderem aus hygienischen Gründen, den großen Springbrunnen an der Stadthalle zu nutzen und dessen Wasser zu verspritzen. Für eine angekündigte Performance "Schlauchboot und Flüchtlingsrettung" gebe es aber eine Ausnahmeregelung. Zudem sei der Veranstalter für die Einhaltung von Ordnung und Sauberkeit verantwortlich.

Die Aktion ist unterdessen nicht die einzige, mit der gegen die Veranstaltung der Rechten protestiert werden soll. Vorm Restaurantkomplex Terminal 3 an der Brückenstraße soll es zudem eine Plakatmeile geben, mit Flaggen, Bildern, Plakaten und Statements gegen rechte Ideologien, wie es in einer Ankündigung von Bündnis 90/Grüne heißt.

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