Weihnachtsmarkt-Bilanz: Neue Debatte um Öffnungszeiten

Die Stadtverwaltung hat angekündigt, die Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes im nächsten Jahr zu verkürzen. Trotz eines schleppenden Geschäfts in diesem Jahr sorgt das bei den Händlern für Diskussionen.

Für den zuständigen Bürgermeister ist die Sache klar. Die Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes werden sich im nächsten Jahr ändern, kündigt Miko Runkel an. Im Marktkalender der Stadt für 2019, der bereits im Amtsblatt veröffentlicht wurde, sind die Details nachlesbar: Bis 21 Uhr werden die Buden und Stände künftig nur noch freitags und samstags öffnen, den Rest der Woche ist 20 Uhr Schluss. Damit reagiere man auf die Äußerungen der Händler von diesem Jahr, so Runkel zur "Freien Presse", "im übrigen auch von den Glühweinverkäufern", wie der Bürgermeister betont.

Doch ganz so einheitlich ist das Stimmungsbild der Händler nicht, wie eine Umfrage der "Freien Presse" am letzten Tag des Weihnachtsmarktes in diesem Jahr ergab. Für den Gastronomen und Caterer Uwe Münch zum Beispiel, seit etwa 15 Jahren unter den Gastronomen auf dem Weihnachtsmarkt, hat die geplante Veränderung der Öffnungszeiten zwei Seiten. "Sicher kommt ein früheres Schließen während der Woche einigen Händlern entgegen. Anderen, vor allem denen, die Essen und Trinken anbieten, wird es wohl weniger gut gefallen", sagt er.

Münch könnte sich hingegen noch weitere Änderungen vorstellen. "Beispielsweise könnte sonntags erst ab 11 Uhr geöffnet werden, was all denen, die in die Kirche gehen möchten, die Gelegenheit dazu verschaffen dürfte", begründet er. Auch sei es vielleicht eine Überlegung wert, an bestimmten Tagen mit einem speziellen Programm bis 22 oder gar 23 Uhr öffnen zu können. Das habe er in anderen Großstädten schon so erlebt. Über das Geschäft in diesem Jahr sagte er hingegen, dass es wohl wetterbedingt einer der schlechtesten Märkte seit Jahren gewesen ist. Doch es stimme eben auch, dass es zuvor viele gute Jahre gegeben habe.

Für Ute Eckes vom Weingut Willibald Eckes ist eine kürzere Tagsöffnungszeit nicht so schlimm. "Ich fände das positiv, weil erfahrungsgemäß zumindest in der Woche das Geschäft mit dem Glühwein nach 20 Uhr abebbt", so Eckes. Zum Umsatz in diesem Jahr sagt sie, dass er gemessen am schlechten Wetter dennoch recht gut gewesen sei.

Für Dominique Prokop von City Drinks, wo auch Glühwein ausgeschenkt wird, spricht einiges für und anderes gegen veränderte Öffnungszeiten. Gerade freitags und samstags könne er sich vorstellen, auch bis 22 Uhr zu öffnen. Die Geschäfte in diesem Jahr sieht er vor dem Hintergrund der vielen Regentage beeinträchtigt. "Bei besserem Wetter hätten wir natürlich mehr verkauft", ist er sich sicher.

Danny Werler, der an seinem Stand Süßwaren anbietet, sind kürzere Öffnungszeiten in der Woche keine schlechte Sache. Für die Angestellten sei die kürzere Arbeitszeit besser, begründet er. Die Geschäfte während des Weihnachtsmarktes bezeichnet er als zufriedenstellend. "Bei uns lief es trotz des Regens nicht besser oder schlechter als in anderen Jahren", so Werler.

Oliver Weickert, der an seinem Stand auch Feuerzangenbowle anbietet, findet die Verkürzung der Öffnungszeiten richtig. 20 Uhr zu schließen sei sinnvoll, sagt er. In diesem Advent habe sein Geschäft unter den Regentagen gelitten. Doch das sei eben auch unternehmerisches Risiko, dass jeder Geschäftsmann einplanen müsse, erklärt er.

Für eine verkürzte Arbeitszeit am Abend könnten sich die Angestellten, die auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten, sicher erwärmen, vermutet Ronny Schäfer, der in der Inneren Klosterstraße Brot verkauft. Allerdings ist es aus seiner Sicht immer auch eine Frage des Wetters. "Wenn das stimmt, kommen mehr Leute und sie bleiben dann auch gern noch etwas länger", sagt er. Mit Blick auf dass diesjährige Geschäft schätzt er ein, dass der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 40 Prozent zurückgegangen sei.

Bewertung des Artikels: Ø 2.9 Sterne bei 7 Bewertungen
2Kommentare
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  • 4
    5
    ArndtBremen
    27.12.2018

    @Dickert. Dieser Ordnungsbürgermeister Runkel sucht wohl krampfhaft nach einer Existenzberechtigung und sorgt sich um den Weihnachtsmarkt. Wenns mit der Sicherheit in der Stadt schon nicht klappt....

  • 9
    0
    Dickert
    26.12.2018

    Wenn man die ersten Zeilen dieses Artikels liest bekommt man glatt Fernweh! Fernweh nach einer Stadt in der sich das Leben tatsächlich lebenswert anfühlt. Chemnitz verliert diesen ersten Zeilen nach ab 2019 jedenfalls wieder etwas von einer noch gar nicht so lange gewonnenen Lebensqualität, welche sich die Einwohner der Stadt in einer Leberumfrage der FREIEN PRESSE zu den Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes in einer demokratischen Entscheidung errungen haben. Wird diese demokratische Entscheidung jetzt wieder von einer Amtsperson oder deren Vorschlag im Stadtrat rückgängig gemacht, ist das der Stadtentwicklung nicht unbedingt zuträglich, sollte man meinen. Wir nennen uns "Chemnitz - Stadt der Moderne", wollen mit Innovation glänzen und zur "Kulturhauptstadt" werden, schränken aber ab 20:00 Uhr das öffentliche Leben zu einer Zeit ein, die gerade in unserer Region mit vielen Traditionen verbunden ist. Der Besuch des Weihnachtsmarktes gehört eben auch dazu. Fazit: Vorwärts, wir gehen zurück!
    Was ist das für ein Lebensgefühl, wenn 20:00 Uhr alle Läden am Markt schließen und man zur Weihnachtszeit nach Ladenschluss direkt auf einen geschlossenen, dunklen Weihnachtsmarkt tritt. Viele Chemnitzer arbeiten inzwischen bis 18:00 Uhr oder länger und haben dann wenig Zeit noch einen Einkauf zu tätigen und vielleicht eben auch das Gefühl von Weihnachten auf dem Weihnachtsmarkt zu genießen. Eine verkürzte Öffnungszeit wirkt sich negativ auf die anliegenden Händler und Ladenbesitzer aus, kurbelt aber das Onlinegeschäft weiter an. So kann man die Attraktivität der Innenstadt auch zerstören. Zur Diskussion steht ein Zeitraum von überschaubaren vier, maximal fünf Wochen. Der allgemeine Tenor wird dennoch ein anderer sein.
    Bringt man nun das Wetter ins Spiel, ja, so macht es bei Regen nicht unbedingt so viel Freude den Weihnachtsmarkt zu besuchen wie bei trockenem Winterwetter oder eben im Idealfall bei Schnellfall und entsprechender Weihnachtsromantik. Gut, hierauf haben wir glücklicherweise keinen Einfluss. Das Wetter allein wird aber in 2018 nicht den Ausschlag für vermeintlich rückläufige Umsätze gegeben haben. Nachwirkungen der Ereignisse Ende August in unserer Stadt sollte man hier ebenfalls nicht außer Acht lassen.
    Wenn man an der Öffnungszeit unbedingt Änderungen vornehmen will und die Arbeitszeit der Händler auf dem Weihnachtsmarkt im Focus stehen, so sind die Meinungen nach einer späteren Öffnung des Marktes interessant. Macht es wirklich Sinn schon 10:00 Uhr zu öffnen oder reicht nicht auch 11:00 Uhr?
    Insgesamt ist es traurig, dass die drittgrößte Stadt in Sachsen derartige Überlegungen anstrengt und sich somit einmal mehr in den Schatten von Dresden und Leipzig stellt. Und das für den überschaubaren Zeitraum der Adventszeit. Wirklich schade!



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