Weihnachtsmarkt eröffnet - Das sind die Neuen in diesem Jahr

Für etwa jeden sechsten Anbieter ist der Markt eine Premiere. Einer von ihnen kommt aus Südtirol, einer wirft Schneebälle und einer ist im richtigen Leben Gärtner.

Das Votum ist eindeutig ausgefallen. Zur Eröffnung des Chemnitzer Weihnachtsmarktes am Freitag fragte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig die Gäste vor der Bühne - wegen des Regens waren es nicht ganz so viele wie sonst, aber gut gefüllt war der Platz schon -, ob der Markt in Zukunft ein paar Tage früher öffnen sollte, wie in anderen Städten. Oder soll es bei der traditionellen Eröffnung am Freitag vor dem 1. Advent bleiben? So gut wie keine Hand hob sich für eine frühere Öffnung. Für den traditionellen Eröffnungstag hingegen gingen gefühlt alle Hände nach oben. Das Thema wäre also geklärt.

In den vergangenen Wochen wurden 173 Buden aufgebaut, 232Bewerbungen hatte es für die Standplätze gegeben. Die Stadt hat sich als Ziel gesetzt, jedes Jahr zehn Prozent neue Bewerber zuzulassen, damit der Markt genug Abwechslung bietet. Tatsächlich sind in diesem Jahr 17 Prozent der Händler neu auf dem Weihnachtsmarkt, also fast jeder Sechste, hieß es aus dem Amt für Marktwesen. Dazu gehören 18neue Speisen- und Getränkeanbieter sowie 11 Kleinhandelanbieter. Auch der Betreiber der Spülstelle für die Tassen ist ein neuer.

Zu den Neuen gehört Werner Stocker. Der 34-Jährige aus Südtirol ist seit drei Jahren mit einem Stand auf dem Plauener Weihnachtsmarkt vertreten. Jetzt bietet er seine Raclette-Brötchen auch in Chemnitz an, auf dem Rosenhof. Brötchen heißt das in Südtirol indes nicht. "Vinschgerle heißen die bei uns", sagt Stocker. Sie werden mit geschmolzenem Käse und gegrilltem Speck gefüllt. Kostenpunkt: 5 Euro. Ebenfalls im Angebot: Strauben. Das ist eine Süßspeise, gebacken in heißem Fett, serviert mit Preiselbeermarmelade. Alle fünf Mitarbeiter hat Stocker aus Südtirol mitgebracht. Das Personal vor Ort zu suchen, wäre günstiger, räumt er ein. "Aber es muss doch authentisch sein, die Leute wollen den Dialekt hören", sagt Stocker.

Eine komplette Premiere war der gestrige Nachmittag für Marco Sehning. Der 40-Jährige aus Wildenfels verkauft mit seiner Frau und seiner Tochter seit einigen Jahren Knoblauchbrot auf dem Düsseldorfer Platz. Ihm war aufgefallen, dass es auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt noch keinen Stand gab, der Schneeballwerfen anbot. Er hatte das auf einem anderen Markt gesehen und beschlossen, das auch zu machen. Am Freitag zog er zum ersten Mal den Rollladen an seiner Bude hoch. Sofort stand das erste Kind davor und wollte Schneebälle - eigentlich sind es Bälle aus weißem Leder - werfen. Für 4 Euro können sieben Stück abgefeuert werden. Wer damit eine Reihe von sechs Lebkuchen oder Schneemännern trifft, kann sich einen Gewinn aussuchen. Wem das nicht gelingt, sammelt immerhin Punkte. Angestellte hat Sehning keine. Die zwei Stände werden ausschließlich von seiner dreiköpfigen Familie betrieben.

Ein echter Weihnachtsmarkt-Neuling ist Patrick Schwarz. Er steht in einer Bude, randvoll gefüllt mit erzgebirgischem Weihnachtsschmuck. Der Stand gehört zur Galerie Schmidt-Rottluff, die ihren Sitz am Markt im Rathaus hat. Zum ersten Mal bietet sie nun quasi um die Ecke auch Holzkunst direkt auf dem Neumarkt vor dem Ratskeller an. Schwarz gehört zur Familie. Er ist der Verlobte von Elisabeth Preis, die die Galerie mit ihrem Bruder führt. Gefragt, welche Figur denn sein Lieblingsstück ist, greift Schwarz zu einem Weihnachtsmann, der sich als Gärtner betätigt. "Ich bin im echten Leben auch Gärtner", sagt Schwarz lachend. Als Landschaftsgärtner habe er im Winter nicht so viel zu tun und könne auf dem Weihnachtsmarkt helfen. Auch dieser Stand wird vor allem von Familienmitgliedern betreut.

Bereits Anfang November hatte Bürgermeister Miko Runkel, verantwortlich für das Marktwesen, erklärt, dass vor allem die 30 Anbieter von erzgebirgischem Weihnachtsschmuck Probleme haben, Personal zu finden. Aufgrund der Öffnungszeit von 10 bis 21 Uhr benötige man zwei Schichten. In den Abendstunden machen aber die Stände mit Weihnachtsschmuck laut Runkel kaum noch Umsatz.

Der Weihnachtsmarkt hat täglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet, am 23. Dezember, dem letzten Öffnungstag, nur von 10 bis 20 Uhr. Täglich um 17 Uhr steht der Weihnachtsmann mit einer Gruppe des Fritz-Theaters auf der Bühne. Die Darsteller spielen ein Märchen, der Weihnachtsmann beschenkt Kinder.

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