Welchen besonderen Job VMS-Mitarbeiter Karl Marx am Bahnübergang 10,5 erledigt

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Die Bahnschranke am Bahnhof Einsiedel arbeitet vollautomatisch. Warum steht trotzdem Tag für Tag ein Angestellter daneben?

Chemnitz.

Das Chemnitzer Modell, mit dem man von der Innenstadt mit der Straßenbahn direkt in viele Orte der Region fahren kann, ist eine schöne Sache. In diesem Jahr ist die Linie nach Aue-Bad Schlema hinzugekommen. Sowohl diese C13 als auch die C14 nach Thalheim fahren durch den Chemnitzer Vorort Einsiedel. Mancher Fahrgast hat sich schon gewundert, warum an der Schranke nahe dem Bahnhof Einsiedel stets ein Mann in orangefarbener Warnweste steht.

Die Schranke an der Einsiedler Hauptstraße ist wie praktisch alle Schrankenanlagen der Strecke vollautomatisch. Und es ist sogar eine Vollschranke über die ganze Straßenbreite.

"Ich bin kein Schrankenwärter", betont Karl Marx, einer der Männer in Orange, die für den Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) den Übergang betreuen. Was aber ist dann seine Aufgabe? "Bevor die Bahn kommt, überprüfe ich, ob sich tatsächlich nichts auf den Gleisen befindet. Dann drücke ich den Knopf im Schaltkasten. So weiß der Fahrdienstleister, dass die Bahn gefahrlos losfahren kann, und er gibt die Anweisung dafür."

Das klingt vernünftig und dennoch wie aus der Zeit gefallen. Viermal in der Stunde auf die Straße schauen und einen Knopf drücken - ist das nicht eine Vergeudung von Arbeitskraft?

In der internen Nummerierung des VMS ist der Bahnübergang (BÜ) die 10,5 auf dieser Linie. Das Unternehmen teilt mit: "Es gab schon mehrere Vorfälle am BÜ 10,5 in Einsiedel, bei denen die damals vorhandenen Halbschranken in Richtung Altenhainer Allee beim Abbiegen umfahren wurden." Deshalb hat das Eisenbahnbundesamt Vollschranken angeordnet. Obwohl diese sicherer sind, macht sich gerade hier die Überwachung notwendig. Es könnte ja sein, dass ein Fahrzeug aus irgendeinem Grund auf den Schienen stehen bleibt und dann wegen der Vollschranken nicht entkommen kann. Es ist der einzige Übergang auf den Linien C13 und C14, der so aufwendig betreut werden muss.

Jeden Tag ist eine Person vor Ort, in der Woche kommt die erste Bahn gegen halb fünf am Morgen vorbei, abends gegen viertel zwölf die letzte.

Geht diese Sicherung nicht auch technisch zu lösen? Im Prinzip ja. Möglich ist eine Videoüberwachung oder eine sogenannte Gefahrenraumfreimeldeanlage, die mit Radar arbeitet. Warum wird das nicht eingesetzt?

"Aktuell funktioniert das mit einer Personenüberwachung, da es seitens der Deutschen Bahn keine Bahnzulassung, weder für eine Gefahrenraumfreimeldeanlage noch für eine Videoüberwachungsanlage, gibt", sagt der VMS dazu. "Die Bahn arbeitet seit geraumer Zeit an den Zulassungsverfahren für beide Anlagen." Wann das aber abgeschlossen sein wird, ist noch unklar.

Bis dahin werden Karl Marx und seine Kollegen täglich bei Sonne, Regen und Schnee, Hitze und Frost am Bahnübergang 10,5 stehen und aufpassen, dass die Bahnen nach Aue und Talheim ohne Gefahr ihre Fahrt fortsetzen können.

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.