Weniger Kunden und Händler - Wochenmarkt braucht Frischekur

Dienstags und donnerstags bieten Unternehmen in Burgstädt ihre Waren an. Doch der Umsatz ist rückläufig. Ist das Angebot ein Auslaufmodell?

Burgstädt.

Es regnet, der Wind peitscht den Besuchern des Wochenmarktes ins Gesicht. An den sechs Verkaufsständen bleiben an diesem Tag auf dem Markt in Burgstädt nur vereinzelt Passanten stehen. Es ist augenscheinlich: Der Wochenmarkt hat schon bessere Zeiten gesehen.

Gärtner Gerald Reimelt aus Königshain bot schon zu DDR-Zeiten seine Waren auf dem Markt an. "Die Burgstädter sind ein nettes Völkchen und wir Händler sind wie eine große Familie", sagt der 67-Jährige. Der Kundenrückgang schmerze ihn und auch Gärtnereikollegen Gerd Knorr aus Limbach-Oberfrohna. Von der Landfleischerei Memmendorf ist Dana Sawicki angereist. Den Besucherschwund führt sie auf fehlende Parkmöglichkeiten und die Ansiedlung von Kaufland und Edeka zurück. Andrang herrscht bei Petra Flaubert von der Hartmannsdorfer Fischräucherei Rienow. Das sei nicht immer so, aber Fisch sei auf allen Märkten gefragt, sagt sie.

Elfriede Andrä vom gleichnamigen Geflügelhof aus Breitenborn bei Rochlitz bietet frische Eier an und wirbt für die Weihnachtsgeflügelbestellung. Seit 1992 ist sie mit ihrem Mann regelmäßig in Burgstädt. Inzwischen ist sie Rentnerin, die beiden Söhne führen das Familienunternehmen weiter. Trotzdem steht sie noch am Stand. "Wir Alten machen das ehrenamtlich", sagt die 77-Jährige. Denn der Geflügelhof habe in Burgstädt seine Stammkundschaft. Aber der Umsatz sei stetig zurückgegangen, deshalb unterstütze sie ihre Kinder. Das abnehmende Interesse begründet sie mit den Supermärkten, die in Burgstädt wie "Pilze aus dem Boden geschossen sind".

Das sieht Marktmeister Dietmar Teubel ebenso: "In den 1990er-Jahren hat es noch 15 bis 20 Händler pro Markttag gegeben." Doch es sei eine Überalterung zu beobachten - sowohl bei den Händlern, als auch bei Kunden. Es finde sich kein Nachwuchs und junge Leute setzten auf andere Einkaufsmöglichkeiten wie das Internet. Von Jahr zu Jahr seien seiner Meinung nach die Bedingungen am Markt schlechter geworden. Das Parken sei problematisch, die Standfläche sei durch Umbauten wie das Brunnen-Ensemble verringert worden, der Stadtbus halte nicht in der Nähe. "Fehlt der Umsatz, bleiben die Händler weg - und damit auch die Kunden", sagt Teubel. Nur noch ältere Anwohner kämen.

Und die sind froh, dass es diese Einrichtung noch gibt. "Wir kaufen frische Fleisch- und Wurstwaren sowie Fisch", sagt eine 80-Jährige, die mit ihrem Mann aus der Nähe von München nach Burgstädt gezogen ist. Aber sie vermisst ein breiteres Angebot. Günstige Preise und individuelle Beratung nennt eine 73-Jährige als Vorteile des Marktes. Eine 84-Jährige war an diesem Tag allerdings umsonst auf dem Markt, um gekaufte Pantoffeln an einem Stand umzutauschen. "Ich weiß nicht, wann der Händler da ist, das ist so ungewiss." Da sei es kein Wunder, wenn die Kunden ausblieben.

Ist der Wochenmarkt Auslaufmodell oder Trend? Bert Rothe von der Industrie- und Handelskammer (IHK) sagt: "Die Attraktivität ist von vielen Faktoren wie Lage, Öffnungstagen, Anzahl der Händler, Sortiment, Qualität und Frische der Waren, Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten abhängig." Ein Wochenmarkt habe nicht nur eine Handelsfunktion, sondern auch soziale Komponenten wie der Treffpunkt gerade für ältere und alleinstehende Menschen zu sein. "Aber schlussendlich entscheiden die Kunden über Erfolg und Misserfolg."

Das wissen auch die Stadt Burgstädt und die Deutsche Marktgilde, die laut Niederlassungsleiterin Katrin Schiel in 30 Städten der Region Wochenmärkte organisiert. Das Unternehmen betreibt deutschlandweit in sieben Niederlassungen etwa 120 Wochenmarktstandorte mit etwa 250 Markttagen wöchentlich. Die Marktgilde sieht den Wochenmarkt aber nicht als Auslaufmodell. Vielmehr müsse dem Kunden- und Händlerrückgang mit attraktiven Angeboten entgegengewirkt werden. In Burgstädt habe sie beobachtet, dass durch die Ansiedlung von Supermärkten am Stadtrand die Innenstadt lebloser geworden sei. Aufgrund Personalmangels, fehlender Unternehmensnachfolge und einer Überalterung der Bevölkerung gebe es einen Kunden- und Händlerrückgang. "Wir müssen nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten agieren", sagt Schiel. Entweder müssten der Wochenmarkt schließen oder neue Konzepte her, fügt sie an.

Die Stadt habe signalisiert, dass sie die monatliche Miete kürzen wolle, um die finanziellen Belastungen zu verringern, so Schiel. Außerdem wolle die Marktgilde ab Januar 2019 dem Gewerbe- und Handelsverein beitreten, um besser für den Markt werben zu können, beispielsweise durch kostenlose Banner in der Stadt. Zudem sei vorstellbar, zum Fest im Park Wettinhain anlässlich des 130-jährigen Bestehens einen Frühjahrs- und Pflanzenmarkt zu organisieren. Einkaufen unter freiem Himmel werde es auch in 20 oder 50 Jahren noch geben, so Schiel. Ordnungsamtsleiterin Cornelia Müller verweist auf die nächste Stadtratssitzung am 10. Dezember. Dann soll das Thema auf der Tagesordnung stehen.

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