Wenn Computer für Rentner zu alt sind

Die PC-Kurse an der Goetheschule sind bei Rentnern nicht mehr gefragt. Die Anbieter fürchten: Ihre Kunden sind zu modern geworden.

Florian Hirche hat ein Problem. Der 15-Jährige führt ein Unternehmen, dem die Aufträge fehlen. Das Konzept seiner Schülerfirma Goethe-Media: Computerunterricht für Senioren. Seit dem letzten Kurs, der in diesem Frühjahr stattfand, gebe es allerdings schlichtweg nicht mehr genügend Anmeldungen für neue Lehrgänge, berichtet er.

Dabei handele es sich um ein erprobtes Geschäftsmodell: Die Mitarbeiter der Schülerfirma - im Moment sind es vier Jungen im Alter von 15 bis 18 Jahren - bringen nicht mehr ganz so jungen Menschen den Umgang mit moderner Computertechnik bei. Die "Schüler" sind zwischen Anfang 60 und 75 Jahre alt und Rentner, so Florian. Der älteste Kursteilnehmer, an den er sich erinnern könne, sei 82 gewesen, die beiden jüngsten 55.

Zu ihren besten Zeiten habe die Schülerfirma acht Grund- und Aufbaukurse mit jeweils 15 Teilnehmern parallel veranstaltet. Zuletzt waren im Frühjahr fünf Senioren wie geplant achtmal zum jeweils anderthalbstündigen Unterricht im Rahmen der Kursreihe "Senioren ans Netz" erschienen. Die Inhalte des Unterrichts waren Grundlagen im Umgang mit dem PC: Wie lässt sich eine Computer-Maus führen? Welche Grundzüge im Umgang mit der Tastatur sollte man kennen? Wie lässt sich im Word-Programm ein Brief schreiben, wie mit dem Excel-Programm eine Tabelle anlegen? Im Aufbaukurs würden die Senioren dann gewonnene Kenntnisse vertiefen, E-Mails schreiben und Bilder bearbeiten. Die Gymnasiasten können sie im Videoschnitt und im Umgang mit Smartphone-Apps unterweisen, beispielsweise im Umgang mit dem Kurznachrichtenprogramm Whats-App - wenn die Senioren denn wiederkämen. Doch die drei Anmeldungen, die derzeit vorlägen, rechtfertigten keinen Kurs. Schließlich investierten die Goethe-Schüler viel Zeit, sagt Hirche. Auch müsse ihr Lohn in einem sinnvollen Verhältnis zu den erwirtschafteten Kursgebühren stehen - bei einer guten Kursbelegung springe für jeden Goethe-Media-Mitarbeiter ein recht ansehnliches Taschengeld heraus. Genaueres verrät der Schüler nicht.

Das Problem, sagt er, sei die mangelnde Werbung der Schülerfirma in den vergangenen Jahren. Aber auch die technische Ausstattung der Goethe-Media sieht er als Hürde: "Viele Senioren haben inzwischen modernere Technik als wir, beispielsweise Tablets. Ohne firmen- eigene Tablets können wir ihnen den Umgang damit schlecht beibringen." Die Idee, dass die Senioren die Technik zum Unterricht mitbringen könnten, gehe nicht auf. Der Tablet-Markt sei sehr groß. "Dadurch hätten wir zig verschiedene Modelle und Betriebssysteme. Wir müssten Einzelunterricht geben." Das aber rechne sich nicht.

In der Theorie hat der Schüler, der einmal Pilot werden möchte, eine Lösung für das Problem: Ihm schwebt "ein neues Marketing" vor, zu dem Flyer und Aushänge in der Stadt gehören. Dann, so der Firmenchef, kommen wieder mehr Kunden, die Einnahmen steigen, und Goethe-Media könne Tablets erwerben. Damit und mit aktualisierter Werbung würden die Senioren wieder zum Lernen kommen, hofft er.

Anmeldungen für die Senioren-Kurse werden unter 0371 520700 angenommen.

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