Wer vom Bauboom profitiert - und wer nicht

Kommunen kämpfen mit hohen Preisen. Die Firmen verweisen auf gestiegene Materialkosten. Welche Folgen hat das für die Gehälter der Mitarbeiter?

Limbach-Oberfrohna.

Die Außensportanlage am Albert-Schweitzer-Gymnasium, der Kunstrasenplatz am Jahnhaus, die neue Beleuchtung für die Straße des Friedens - es sind nur drei Beispiele für Bauprojekte in Limbach-Oberfrohna in den vergangenen Monaten, deren Kosten sich verteuert haben. Bei jedem der Fälle führte das Rathaus als Grund an, dass die Baukonjunktur boome und die Firmen hohe Preise fordern würden. Eine ähnliche Erfahrung hat die Gemeinde Niederfrohna bei der Umgestaltung des Lindenhofes gemacht, die ebenfalls teurer wird als geplant. Auch Privatleute berichten, dass Baufirmen für Dienstleistungen deutlich mehr verlangen als noch vor einigen Jahren. Sind die Kunden also die Leidtragenden, weil für die Branche in der Region goldene Zeiten angebrochen sind?

Zahlen des Statistischen Landesamtes relativieren diese These etwas. Demnach fiel der Gesamtumsatz des Bauhauptgewerbes im Landkreis Zwickau in den Monaten von Januar bis Mai 2018 um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zugleich sind die Perspektiven für die Firmen aber rosig: Das Volumen des Auftragseingangs stieg im selben Zeitraum um 16 Prozent. Besonders groß fiel das Plus beim Tiefbau aus. Zu diesem Bereich gehört unter anderem der Straßenbau. Zu beachten ist allerdings, dass das Landesamt nur Betriebe erfasst, die mindestens 20 Beschäftigte haben. Das sind im Landkreis 54 Firmen mit 2100 Mitarbeitern.

Eines der größten Bauunternehmen in Limbach-Oberfrohna ist KPM-Bau mit 45 Mitarbeitern. Die Firma errichtet vor allem mehrgeschossige Wohnhäuser in Chemnitz. Dort hat sie zudem gerade den insgesamt 6,2 Millionen Euro teuren Anbau für das Evangelische Schulzentrum fertiggestellt. Von goldenen Zeiten will Geschäftsführer Gunther Kermer zwar nicht sprechen. Aber schon seit zwei bis drei Jahren profitiere man von einer starken Konjunktur. "Einige Aufträge lehnen wir ab, weil wir sie nicht schaffen würden", berichtet Kermer. Er würde zwar gern weitere Mitarbeiter einstellen, doch sei es äußerst schwierig, geeignete Kräfte zu finden. Andere Baufirmen bestätigen, dass der Markt für Fachkräfte praktisch leer ist.

Nach Angaben der auch für den Landkreis Zwickau zuständigen Handwerkskammer Chemnitz ist der Fachkräftemangel einer der Faktoren, die zu höheren Baupreisen führen. Die neu geschaffene Möglichkeit für Beschäftigte, nach 45Jahren in der Rentenversicherung mit 63 Jahren abschlagsfrei in den Ruhestand gehen zu können, habe das Dilemma noch verstärkt, erklärt Handwerkskammer-Sprecher Robert Schimke. Als weitere Ursachen nennt er höhere Preise für Baumaterial, eine wachsende Bürokratie sowie den Umstand, dass aus Altersgründen ausscheidende Unternehmer keine Nachfolger finden und die Anzahl der Baufirmen dadurch sinkt.

Lutz Granz hat die gleichnamige Baufirma seines Vaters in Limbach-Oberfrohna übernommen und ist nun Chef von 35 Mitarbeitern. Auch er verweist darauf, dass die Lieferanten für Baumaterialien mehr Geld verlangten als noch vor einigen Jahren. Zugleich weist Granz Vorwürfe zurück, die von den Firmen geforderten Preise seien unverhältnismäßig. "Wir haben die Aufträge für die Turnhallen in Pleißa und Wolkenburg gewonnen, obwohl es Mitbewerber gab", verdeutlicht der Firmenchef. Öffentliche Aufträge werden stets an den günstigsten Anbieter vergeben, der zugleich alle Anforderungen erfüllt.

Kommen die höheren Einnahmen der Firmen auch bei den Mitarbeitern an? Laut Landesamt betrug der durchschnittliche Monatsbruttolohn im Bauhauptgewerbe im Landkreis Zwickau von Januar bis Mai 2340 Euro - ein Plus von gut drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kermer und Granz betonen, ihre Mitarbeiter fair zu bezahlen. Allerdings sind beide Unternehmen nicht tarifgebunden. Der jüngste Tarifabschluss sieht vor, dass Facharbeiter einen Stundenlohn von 19,35Euro erhalten. "Das könnten wir nicht erwirtschaften", stellt Granz fest. Wie hoch der durchschnittliche Stundenlohn in seinem Betrieb ist, will er nicht verraten.

Mirko Hawighorst, mitteldeutscher Regionalleiter der Industriegewerkschaft Bau, fordert die Firmen auf, die Löhne deutlich anzuheben. Die Ära des Billiglohns in Sachsen müsse endlich vorbei sein. "Die Unternehmen verdienen richtig Geld. Die Arbeitnehmer wollen jetzt etwas davon abhaben", sagt Hawighorst. Leider zahle nur ein geringer Teil der Baubetriebe in Südwestsachsen nach Tarif. Dabei profitieren laut dem Gewerkschafter auch die Unternehmen von hohen Löhnen. "Wenn nicht genug gezahlt wird, wandern Beschäftigte ab", erklärt Hawighorst. Denn qualifizierte Bauleute könnten sich ihren Arbeitgeber inzwischen aussuchen.

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