Werkzeugmaschinenbauer Union Chemnitz steht offenbar vor dem Aus

Der Traditionsbetrieb soll im November geschlossen werden. 130 Mitarbeiter sind betroffen. Betriebsrat und Gewerkschaft wollen sich damit nicht abfinden.

Chemnitz.

Nach gut 167 Jahren sollen bei dem ältesten existierenden Werkzeugmaschinenbauer Europas die Lichter ausgehen. Wie Betriebsrat und IG Metall am Freitag bestätigten, habe die Geschäftsführung der Union-Werkzeugmaschinenfabrik überraschend angekündigt, das Werk zum 30. November zu schließen. Das Management habe zu Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan aufgefordert, sagte der Betriebsratsvorsitzende Uwe Friemel.

"Offensichtlich passen wir nicht mehr zum Portfolio der Unternehmensgruppe. Das werden wir aber hinterfragen und möchten um eine andere Lösung mit dem Arbeitgeber streiten", so Friemel. Die Union Werkzeugmaschinen GmbH Chemnitz gehört seit 2011 zur Herkules-Gruppe mit Sitz im nordrhein-westfälischen Siegen. Auch der Chemnitzer IG-Metall-Bevollmächtigte Mario John kündigte an, um jeden Arbeitsplatz kämpfen zu wollen. Eine Begründung dafür, weshalb der Standort dichtgemacht werden soll, wurde nicht vorgelegt. Von Unternehmensseite war am Freitag niemand zu erreichen.


Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) zeigt sich betroffen von der Nachricht. "Es ist kein guter Tag für Chemnitz, wenn absehbar ist, dass damit 160 Jahre Werkzeugmaschinenbau der Union hier am Standort zu Ende gehen", erklärte die OB. Sie bot der Belegschaft die Unterstützung von Stadt und Wirtschaftsförderung bei der Suche nach neuen Jobs an. Zudem wolle sie sich an die Geschäftsführung der Gruppe wenden, teilte Ludwig mit. Der IG Metall zufolge will die Herkules-Gruppe offenbar die Fertigung von Produkten, die bislang in Chemnitz angesiedelt war, an zwei andere Standorte verlagern - Meuselwitz in Thüringen und Siegen in Nordrhein-Westfalen.

Die wirtschaftliche Situation bei der Union war in den letzten Jahren nicht immer zufriedenstellend. 2017 - auf das Jahr bezieht sich der zuletzt veröffentlichte Geschäftsbericht - stand unterm Strich ein Verlust von 5,3 Millionen Euro zu Buche, ein Jahr zuvor betrug das Minus 3,8 Millionen Euro. Und auch für 2018 war ein negatives Ergebnis erwartet worden. Für das Jahr hatte die Firma dem Bericht zufolge aber mit einer steigenden Anzahl von Auftragseingängen aus Russland und den USA gerechnet. Aus firmennahen Kreisen hieß es am Freitag, derzeit sei die Auslastung der Fertigung gut. Ihren Umsatz erzielte die Union vor allem mit Kunden aus Deutschland, Russland und China.

Derzeit beschäftigt die Union laut Betriebsrat 130 Mitarbeiter, darunter elf Auszubildende. Bereits in den letzten Jahren war Personal abgebaut worden. Bei der Übernahme durch Herkules standen noch 180 Mitarbeiter in Lohn und Brot. Die Union produziert Horizontal-Bohr- und -Fräsmaschinen. Werkstücke bis zu 40 Metern Länge, zehn Metern Höhe und 250 Tonnen Gewicht können hiermit bearbeitet werden. Zur Herkules-Gruppe gehören mehrere Werkzeugmaschinenfabriken im In- und Ausland mit insgesamt mehr als 1500 Beschäftigten.

Die Historie der Chemnitzer Firma reicht bis ins Jahr 1852 zurück. Nach der Wende wurde die Union nach gescheiterten Privatisierungsversuchen ab 1996 als Mitarbeitergesellschaft geführt. Später wurde sie verkauft, zuletzt an Herkules.

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16Kommentare
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    2PLUTO6
    28.06.2019

    Da bleibt mir nur eins zu sagen, "Deutschland schafft sich ab"!!!

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    Lesemuffel
    24.06.2019

    Richtig, Marresch, alles Unternehmen, die es schon in anderer Organisation oder als Ableger/Werkbank westdeutsche oder ausländischer Unternehmen gab. Schönschreiben ist out. Lesen Sie mal etwas über den Saldo der Industriearbeitsplätze. Da bricht Ihr Wolkenkuckucksheim auseinander.

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    Mike1969
    24.06.2019

    @Frau Ludwig: "Sie bot der Belegschaft die Unterstützung von Stadt und Wirtschaftsförderung bei der Suche nach neuen Jobs an."

    Das ist glaube ich nicht das Problem. UNION ist kein Lohnfertiger. Und die Mitarbeiter der UNION hatten dieses Unternehmen nach der Wende mit eigenem Geld gerettet. Wäre es nicht Sinnvoll dieses Unternehmen als selbst zu erhalten. Wo ist unsere Landesregierung, da diese sich in Dresden und Leipzig ständig bei solchen Notfällen zeigt. Wie immer es geht "nur" um Chemnitz und deren Menschen. Letzte Woche war Kretschmar in Chemnitz. War er auch bei UNION?

    Kurz gesagt, auch wenn ich nicht weiß ob dies eine gute Idee ist: "Verkauf an NILES-SIMMONS"! Ein Unternehmen, welches nachhaltig Maschinen bauen will und auch ein Chemnitzer Traditionsunternehmen …

  • 3
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    ArndtBremen
    23.06.2019

    @Maresch: In wieviel von den Ihnen aufsortierten Unternehmen wird denn Tarif bzw. annähernd Westlohn gezahlt???

  • 4
    9
    Interessierte
    22.06.2019

    Das ist auch Ihr Chemnitz , aber das interessiert Sie wohl nicht , Frau Blackadder ?

  • 7
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    Maresch
    22.06.2019

    @Lesemuffel. Lesen hilft tatsächlich in Verbindung mit Google und den Suchbegriffen "Anlagenbau" und "Maschinenbau".

    Hier ein paar Beispiele:

    https://www.starrag.com/de-de/p/karriere%2Fansprechpartner/starrag-gmbh-chemnitz-416.html (mit über 400 Mitarbeitern in Chemnitz)

    https://www.koenig-bauer.com/de/unternehmen/produktionsstandorte/radebeul/ (mit über 1300 Mitarbeitern)

    http://www.wesoba.de/

    https://www.me-sachsen.de/firmenportraits/fma-frankenberger-maschinen-und-anlagenbau-gmbh.html

    https://www.vsmgmbh.de/

    https://www.krauseundco.de/

    https://www.eks-schwarzenberg.de/

    http://www.eabzschopau.de/

    http://www.ps-elektroanlagenbau.de/

    https://www.cvm-chemnitz.de/

    https://www.cac-chem.de/cac/Home.aspx

    https://www.msr-chemnitz.de/

    https://www.astra-industrie.eu/de/anlagenbau-chemnitz

    http://www.3partner.de/

    https://www.mewaoelsnitz.de/

    https://www.fhr.biz/de/


    Vielleicht sollten Sie sich mit der Thematik auch mal befassen, bevor Sie falsche Behauptungen in die Welt setzen.

    Die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH nennt sogar die Zahl von 1000 Firmen in Sachsen mit 45.000 Mitarbeitern, die im Bereich Maschinen- und Anlagenbau mehr oder weniger spezialisiert agieren.

    https://standort-sachsen.de/de/branchen/maschinen-und-anlagenbau

  • 7
    6
    Lesemuffel
    22.06.2019

    Die Probleme relativieren und kleinreden ist nicht der richtige Weg, um die Abwanderung von Industriearbeitsplätzen zu lösen. Ich sehe hier in Sachsen tatsächlich weder 100 noch einen vergleichbaren neu geschaffenen Betrieb in der Größenordnung des Verlust der UNION. Bitte Beispiele nennen!

  • 19
    2
    Klemmi
    22.06.2019

    Der nächste Paukenschlag für die Region. Wie schon in einem vorherigen Kommentar passend zusammengefasst: „Verlängerte Werkbank“. Das Kapital fließt nach wie vor in den Westen, da vermeintliche Ostfirmen ohnehin zu ominösen Gruppen gehören, deren Sitz im Westen ist. „Der Osten müsse endlich aufholen...,der Osten müsse endlich auf Innovation setzten... „ Gebetsmühlenartig werden derartige Botschaften von Wirtschaftsinstitute jährlich hinausposaunt, nur sind derartige Forderungen bei dieser Situation nicht umzusetzen. Die Katze beißt sich in den Schwanz.
    Jetzt heißt es rausschlagen was nur geht. Für die Belegschaft, welche auch Wendegeschichte schrieben, wünsche ich alles Gute.

  • 9
    8
    Maresch
    21.06.2019

    @Lesemuffel. Wollen Sie etwa behaupten es gäbe im Osten keinen einzigen Betrieb im Bereich Anlagenbau und Maschinenbau, der in den letzen 30 Jahren gegründet wurde?

    Allein in Sachsen gibt es mindestens 100 solcher Betriebe!

    Wo leben Sie eigentlich?

  • 20
    8
    Lesemuffel
    21.06.2019

    Der Abbau der Industriearbeitsplätze geht ungebremst weiter. Wann und wo wurde im Osten eine neue Maschinen oder Anlagenbaufirma nach der Wende gegründet? Wenn nicht mal 130 qualifizierte AP erhalten werden können, darf man sich fragen, wie zehntausende Ersatz-Arbeitsplätze für die Braunkohlekumpel und Kraftwerksbeschäftigten geschaffen werden können.

  • 11
    12
    Maresch
    21.06.2019

    Auch die 130 Mitarbeiter werden einen neuen Job finden. Fachkräfte werden ja schließlich überall händeringend gesucht.

  • 27
    2
    cuzco6170
    21.06.2019

    Schlimm, dieses Jahr erwischt es die Region richtig. Ich habe die Kollegen von fischer Hydroforming reden gehört auf einer Konferenz. Die wehren sich richtig . Hut ab vor der Courage.
    Hoffe für die Union Jungs und Mädels das sie sich auch so teuer wie möglich verkaufen.

  • 31
    6
    cn3boj00
    21.06.2019

    Das Plattmachen hat 1989 begonnen und hält bis heute an. Fehlendes Kapital hat den Osten zur verlängerten Werkbank degradiert, und davon hat er sich bis heute nicht erholt. Der "Wirtschaftsaufschwung" in Sachsen ist nur ein scheinbarer, der Niedriglohnpolitik geschuldet, nicht aber wirklicher regionaler Wirtschaftskraft. Aber das haben die regierigen wohl bis heute nicht verstanden.

  • 24
    13
    ArndtBremen
    21.06.2019

    Die roten Daumen scheinen ja die Vernichtung von Arbeitsplätzen geil zu finden.

  • 20
    8
    Einspruch
    21.06.2019

    Ja, der Fachkräftemangel.........

  • 27
    9
    ArndtBremen
    21.06.2019

    Die Kollegen von fischer Hydroforming (Schliessung am 31.10.2019) sind in Gedanken bei den Union Mitarbeitern.



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