Wie aus einem Schulgebäude ein Campus wurde

Das Evangelische Schulzentrum hat einen sechs Millionen Euro teuren Neubau bezogen und damit sein Platzproblem gelöst. Schwierigkeiten gibt es aber an anderer Stelle.

Hilbersdorf.

Das nennt man wohl eine Punktlandung: Am Freitag vergangener Woche, dem letzten Tag der Sommerferien, erreichte eine E-Mail das Evangelische Schulzentrum. Inhalt: die baurechtliche Nutzungsberechtigung für das neue Gebäude am Standort in Hilbersdorf. Damit war klar: Pünktlich zum Start des neuen Schuljahres können Schüler und Lehrer tatsächlich den Neubau nutzen. Am Dienstmorgen bezogen sie die Räume und hielten eine kleine Feier in der Aula ab.

Der Anbau wurde gebraucht, weil der Platz im alten, 2012 bezogenen Schulhaus nicht mehr ausreichte. Das liege am gestiegenen Interesse an der Bildungseinrichtung, sagt Geschäftsführer Stefan Meyer. Für dieses Schuljahr hätten rund 150 Anmeldungen vorgelegen; nur 100 Mädchen und Jungen hätten einen Platz bekommen. An der Grundschule auf dem Sonnenberg sowie am Oberschul- und Gymnasium-Standort in Hilbersdorf lernen seit Montag insgesamt 752 Schüler - 72 mehr als im Vorjahr. Schon zuletzt konnte der Unterricht nur abgesichert werden, weil in Hilbersdorf drei Container im Schulhof aufgestellt wurden, sagt Meyer. "Ohne den Anbau hätten wir für dieses Schuljahr drei weitere Container bestellen müssen."

Soweit kam es nicht - auch, weil der Schulträger aufs Tempo drückte und in Kauf nahm, wegen langer Antragsfristen auf Fördermittel zu verzichten. "Wir konnten schlicht nicht warten", sagt Meyer. Finanziert wurde der 6,2 Millionen Euro teure Neubau aus Eigenmitteln. Das Schulgeld - derzeit maximal 105 Euro pro Monat - steige deswegen aber nicht, verspricht Meyer, der in Bezug auf die Bauphase von "einer anspruchsvollen Zeit" und "einer Herausforderung" spricht. Und von einem Glücksfall: In Zeiten, in denen Kommunen Vorhaben mangels verfügbarer Baufirmen verschieben, verlief das Projekt des Schulzentrums nach Plan. "Wir hatten auf jede Ausschreibung Bewerber und die Baufirma war super schnell." Knapp 17 Monate brauchten die Arbeiter für den Komplex.

Zu dem gehört auch eine Aula, die 365 Personen fasst, und eine neue, rund 450 Quadratmeter große Sporthalle. Sie ergänzt die alte Turnhalle, die weiter genutzt wird, aber allein zu klein ist. "Wir hatten zuletzt eine Sporthalle in der Nachbarschaft angemietet", berichtet der Geschäftsführer. Ganz neu ist auch der Umkleide- und Sanitärtrakt inklusive eines Raums für Kinder- und Jugendliche mit Behinderungen. "Dort können Pflegeleistungen vorgenommen werden", sagt Meyer. Altes und neues Gebäude sind über eine 35 Meter lange gläserne Brücke miteinander verbunden. Der Schulstandort wächst damit zu einem Campus zu beider Seiten der Straße.

Schülersprecher Richard Auerbach sah die neuen Räume am Dienstag zum ersten Mal. Angetan zeigte er sich von den hellen Zimmern und der Gestaltung der Fassaden, über die die Schüler mitbestimmen durften. Besonders freue er sich aber darüber, dass die Zeiten des Lernens Containern vorbei ist. "Dort war es im Winter zu kalt und im Sommer zu warm", sagt Auerbach.

Vereins-Geschäftsführer Meyer und seine Kollegen atmen nun erst einmal durch. Ein neues Projekt liegt allerdings schon in der Schublade. An der Grundschule auf dem Sonnenberg soll 2019 ein Außenlift angebracht werden. Ist das geschafft, sind beide Standorte barrierefrei.

Indes bleibt das Schulzentrum nicht von einem Problem verschont, das staatliche Schulen haben: Lehrermangel. Rund 70 Pädagogen sind an der Bildungseinrichtung tätig. Sie erhielten ein an den Tarif im öffentlichen Dienst angelehntes Gehalt, sagt Meyer. Acht frei werdende Stellen habe man wieder besetzen können. "Aber es war ein großer Kampf." Eine Herausforderung: Die Lehrer sollten nicht nur fachlich passen, sondern auch Christen sein. "Wir werben deswegen deutschlandweit", so Meyer.

Offenbar mit Erfolg. Eine der neuen Lehrerinnen ist Uta Dehnert. Die 32-Jährige hat zuletzt ihr Referendariat an einer Schule bei Ulm abgelegt und im Süden Baden-Württembergs gewohnt. "Nach 14 Jahren tausche ich den Bodensee gegen Chemnitz", sagt die Lehrerin für Deutsch und Geschichte und lacht. Nach Sachsen kehrt die gebürtige Dresdnerin zurück, weil sie näher bei Familie und Freunden leben wolle. Und das Evangelische Schulzentrum habe sie unter allen möglichen Schulen wegen seines Konzeptes überzeugt. "Beim Bewerbungsgespräch hat bei mir der Blitz eingeschlagen", so Dehnert. Sie übernimmt eine fünfte Klasse - und durfte gleich einen der Räume im Neubau beziehen.

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