Wie Bio-Eier aus Automaten bei der Kundschaft ankommen

Die Maschinen dienen nicht nur als künstliche Verlängerung der Ladenöffnungszeiten. Sie sollen regionale Produkte auch weit verbreiten.

Chemnitz/Lichtenstein.

Fünf Jahre sind vergangen, seit Sarah Kretzschmar ihren Eierautomaten an der Straße des Friedens in Lichtenstein aufstellen ließ. "Es war der erste in ganz Sachsen - und ein Riesenerfolg", bilanziert die 33-Jährige. Etwas später folgten weitere sogenannte "Regiomaten" in Chemnitz und am Stausee Oberwald.

Ihre Automaten haben der Biobäuerin einen gewissen Ruhm eingebracht. Eine Agrarzeitschrift bat um ein Interview, und auch in der Frauenzeitschrift "Mini" erschien ein Beitrag über Sarah Kretzschmar. Ihr Eierautomat in der Sparkasse im Chemnitzer Moritzhof sorgte für Medienrummel. Warum jedoch dieses Interesse?

"Gerade kleine Biobauernhöfe suchen nach neuen Wegen, ihre Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen", sagt Kretzschmar. In Lichtenstein scheint das zu funktionieren. 550 Eier passen in den Automaten. Viermal die Woche muss die Selbstbedienungsmaschine nachgefüllt werden - bei einem Preis von 3,50 Euro pro Zehnerpackung. Natürlich kosten Eier aus Bodenhaltung im Discounter weniger. Doch die Kunden seien zunehmend bereit, mehr für Qualität zu zahlen.

"Über die Jahre sind es immer mehr Käufer geworden", berichtet Kretzschmar. In dem Lichtensteiner Wohngebiet suchen viele ältere Menschen den Automaten auf. "Die freuen sich, wenn sie sich gegenseitig die Bedienung erklären können." Und auf die Maschine werde aufgepasst. "Schäden durch Vandalismus hatten wir bislang noch keine."

Die Vorteile der Automaten liegen für Sarah Kretzschmar auf der Hand. In ihrem Gersdorfer Biohof werden die Eier gelegt. Doch der Hofladen kann nicht 24 Stunden am Tag offen sein. "Und zu den Zeiten, wo man auf dem Markt stehen kann, sind die meisten auf Arbeit." Hinzu kämen gestiegene Kosten für Personal und Abzüge von bis zu zwei Dritteln der Einnahmen, wenn der Verkauf über Dritte erfolgt.

Die Idee, regionale Lebensmittel in Automaten zu verkaufen, hat sich längst weiter verbreitet. Der Geflügelhof Weber in Schönberg etwa verkauft seit einem halben Jahr Steaks, Roster und Geflügelfleisch aus zwei Automaten im Ort. "Wir wollten, dass die Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten an unsere Waren kommen", sagt Inhaber Jürgen Weber. Besonders sonntags und an Feiertagen würden die Automaten genutzt. Die beiden Maschinen stehen direkt am Hofladen sowie am Simmelmarkt. Sie dienen daher eher als Alternative zum Ladenverkauf. "Das ist wichtig, die Leute wollen heute rund um die Uhr etwas bekommen", sagt Weber.

Sarah Kretzschmar möchte nun expandieren "Die Eier sind schön groß und schmecken noch wie richtige Eier", sagt Jörg Esche. Der Chef des Injoy-Fitnesscenters in Hohenstein-Ernstthal hat die Bioeier bereits im Sortiment. Bald könnte im Eingangsbereich ebenfalls ein Automat stehen. "Eier sind gut für Gesundheit und Fitness." Doch auch Nichtmitglieder kämen natürlich an die begehrten Eiweißspender heran.

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