Wie Bürger ihre Möglichkeit zur Stadtentwicklung nutzen

Seit mehr als zwei Jahren gibt es in Stollberg ein von der EU gefördertes Projekt. Es soll Menschen zusammenbringen und auf ihre Ideen eingehen. Nicht alles läuft optimal.

Stollberg.

Seit Anfang 2017 läuft in Stollberg das Projekt "Nachhaltige soziale Stadtentwicklung" für das Gebiet Innenstadt und Hufeland. Ziel ist, die Menschen besser am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen. "Wir wollen die Menschen abholen", sagt Quartiersmanagerin Uta Felber und vergleicht es mit der Agentur für Arbeit. "Nur, dass wir keine Jobangebote machen, sondern noch niederschwelliger anfangen, Angebote zur Teilhabe, zur Kommunikation, zur Nachbarschaftspflege und als Motivation." Doch noch kommt das bei den Einwohnern nur bedingt an.

Insgesamt erhält die Stadt Stollberg gut 370.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), der Fördermittelanteil liegt bei 95 Prozent. Bis Ende dieses Jahres werden laut Uta Felber etwa 100.000 Euro genutzt sein. So läuft etwa die 3-D-Druckwerkstatt im Kulturbahnhof aus Felbers Sicht recht gut. Als fester Anlaufpunkt für das gesamte Quartier wurde im März 2017 der Hufelandtreff eingerichtet. Drei Tage in der Woche ist er geöffnet, ein Ort zum Quatschen und Ausgangspunkt für Aktionen wie etwa Wanderungen. Zwei Wohnungen im Erdgeschoss eines Blocks wurden dafür umgebaut. Eine Begegnungsstätte, da es hier nichts weiter gibt zum Treffen außer einem Spielplatz. Kein öffentlich zugänglicher Ort, wie es etwa das Dürer-Gebiet mit der alten Schule hat. Auch Uta Felber hat hier ihr Büro, kümmert sich von hier aus nicht nur um das Hufelandgebiet, sondern auch um die Innenstadt, die mit in das Fördergebiet fällt.

Im Hufelandtreff gibt es einen Tisch mit Stühlen für Gespräche und zum ausbrüten von Ideen, eine kleine Küche, in der im Winter auch mal Plätzchen gebacken werden. Manchmal ist eine Handvoll Menschen da, am Mittwoch, dem Haupttag kommen auch mal 10 bis 15 Leute. Nicht die Masse bei einem Wohngebiet mit mehr als 500 Menschen. "Relativ viele wissen vom Hufelandtreff, doch nur wenige nutzen ihn, räumt Uta Felber ein. Auch ihr Chef, Oberbürgermeister Marcel Schmidt, muss eingestehen, "dass es schöner wäre, mehr Menschen zu erreichen." Doch das sei nicht so einfach. Schmidt glaubt, dass viele Menschen, die nicht in berufliche Strukturen eingebunden sind oder über geringe Einkommen verfügen, eher zurückhaltend sind und sich davor scheuen, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Daher gehe es künftig auch darum, Schritt für Schritt, über Bekannte und Nachbarn an diejenigen zu gelangen, die sich selbst nicht zutrauen, Kontakte aufzubauen. "Aber das dauert und erfordert Geduld", so der Oberbürgermeister.

Angesprochen auf die Situation, dass nur wenige die Gemeinschaft suchen, sagt Christine Schulz: "Ich verstehe es nicht." Zur Aktion, bei der Blumenkübel bepflanzt werden sollen, kommen drei Leute. Schulz ist 76 Jahre und vermutet, dass viele in ihrem Alter auch einfach nicht mehr so fit sind.

Sylvia Schraps wohnt seit 1984 im Hufelandgebiet. Sie empfindet, die Resonanz als Ausdruck der heutigen Zeit, da mache halt jeder seins. Vielleicht, so spekuliert sie, haben die jüngeren Leute einfach mehr Stress, längere Arbeitswege. Die Einzelfallhelferin an einer Förderschule kam von Arbeit, zog die Gartenklamotten über und packte mit an.

Bis Ende August 2022 ist noch Zeit für das Projekt. Es gibt Pläne, die Jugendarbeit neu auszurichten und ein Pfadfinderangebot zu unterbreiten. Uta Felber will weitermachen: "Wir müssen wissen, was den Bürgern fehlt und wobei wir sie unterstützen können, und womit die Gemeinschaft gestärkt werden kann."


Fördergebiete in Stollberg

Seit 1993 laufen in Stollberg verschiedene Programme für städtebauliche Erneuerung. Einige sind bereits abgerechnet, sagt Jana Walter, im Rathaus zuständig für die Stadtplanung. Dazu gehören die Altstadtsanierung, in die rund 12,5 Millionen Euro geflossen sind und das Projekt Soziale Stadt für das Dürer-Gebiet/Eichenbuschsiedlung, in das rund 7 Millionen Euro investiert wurden (jeweils mit zwei Dritteln Fördermittelanteil).

Aktuell bestehen neben dem Vorhaben "Nachhaltige Soziale Stadtentwicklung", das die - ursprünglich getrennten - Gebiete Innenstadt und Hufeland umfasst, noch zwei Städtebauförderprogramme: Kernstadt, die zum Beispiel alle Maßnahmen im Areal Stalburc/Hoheneck einschließt, und das Erich-Weinert-Gebiet, wozu etwa auch der Schlachthof gehört.

Während es bei den Städtebauförderprogrammen vor allem um investive Maßnahmen etwa wie die Gebäudesanierung und Infrastruktur geht, ist das ESF-Projekt nicht investiv. Mit diesem Programm soll das Gebiet belebt werden. Deshalb sollen sich die Fördergebiete in der räumlichen Ausdehnung überschneiden. (kan)

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