Wie Burgstädt einen Schandfleck in der Innenstadt loswerden will

Stadt will Industriebrache selbst kaufen, Fördergeld für Sanierung beantragen und Investor für Nutzung finden

Burgstädt.

Bis zum Jahr 2028 sollen Missstände in der Innenstadt verschwinden. Dafür gibt es Fördermittel durch ein Brachflächenprogramm. Für die Zukunft des Hauses an der Herrenstraße 20 hat der Stadtrat jetzt einen Grundsatzbeschluss gefasst. "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen.

Warum ist es bisher nicht gelungen, das als Welkersches Gut bekannte Gebäude zu sanieren?

Größtes Sorgenkind ist bei der Städtebausanierung das ehemalige Welkersche Gut an der Herrenstraße 20. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, war es bisher schwierig, einen Investor zu finden. Der private Eigentümer der Immobilie versuchte bisher vergebens, diese zu verkaufen. Das Grundstück ist mit über 4000 Quadratmetern auch sehr groß.

Was ist bisher zu dem Haus bekannt?

Das aus mehreren Gebäuden bestehende Ensemble geht wesentlich auf die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück, als der Tuchproduzent und -händler Johannes Friedrich Wagner 1743 seine erste Manufaktur für halbseidene Tuche errichtete. Durch Wagners weiteres Engagement bei der Entwicklung des Manufakturwesens in Burgstädt - Gründung der ersten Kattundruckerei 1756 und Bau des Wohn- und Kontorhauses am Brühl, des heutigen Rathauses - besitzt das Objekt einen außerordentlichen Zeugniswert für die Burgstädter Stadt- und Wirtschaftsgeschichte. Später befanden sich Wohnungen und ein Blumengeschäft dort.

Jetzt hat der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss gefasst. Was beinhaltet er?

Durch seine Lage und Größe wird dem Grundstück und seiner künftigen Nutzung eine Schlüsselfunktion für die Entwicklung des Stadtzentrums zuerkannt. Seine Geschichte wirkt identitätsstiftend, der bauliche Bestand für den öffentlichen Raum von Herrenstraße und Markt positiv prägend, heißt es in dem Beschluss. Künftige Nutzungen sollen diese positiven Wirkungen bewahren und darüber hinaus langfristig stabilisierend und belebend auf das Umfeld wirken.

Warum wurde der Beschluss nicht schon viel eher gefasst?

Unterschiedliche Versuche zur Nach- und Umnutzung blieben bisher erfolglos. Der städtebauliche Missstand ist durch den baulichen Verfall schon lange gegeben. Aber die seit 1992 geltende Sanierungssatzung wird voraussichtlich bis Angang 2020 aufgehoben. Damit gehen auch die Steuerungsmöglichkeiten des Sanierungsrechts verloren. Deshalb wurde im Mai 2019 eine sogenannte Erhaltungssatzung beschlossen. Durch ein Förderprogramm für Brachflächen (Efre) ist jetzt eine Förderung von 80 Prozent der Kosten möglich. Laut Bürgermeister Lars Naumann gibt es mehrere glückliche Fügungen, die jetzt eine Initiative ermöglichen: Der Eigentümer ist bereit, das Grundstück an die Stadt zu verkaufen. Für den Abriss von Gebäudeteilen werden Fördermittel in Aussicht gestellt. Denkmalschutzauflagen sind gelockert worden. Die Stadt kann einen Eigenanteil zur Finanzierung des Vorhabens aufbringen.

Was war bisher für das Gebäude geplant?

Im Entwicklungskonzeptprogramm Insek steht, dass die Herrenstraße als eine der Hauptgeschäftsbereiche der Innenstadt für Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung gilt und deshalb gestärkt bzw. revitalisiert werden soll. Laut Entwicklungskonzept Seko ist die Herrenstraße 20 als Begegnungszentrum der Generationen (Hauptgebäude) aufzubauen. Dafür müsste die Stadt das Grundstück erwerben. Das Gelände könnte als Informations- und Gesundheitszentrum der Bilz-Region hergerichtet werden.

Was ist aus den Ideen für einen Einkaufsmarkt geworden?

Davon nimmt die Stadt Abstand. Denn es fehlen dort ausreichend Parkflächen.

Welche neuen Ansatzpunkte gibt es für die Sanierung?

Zurzeit laufen Verkaufsverhandlungen mit dem Grundstückseigentümer. Eigentlich war geplant, dass der Stadtrat in der jüngsten Sitzung über einen Kaufvertrag entscheidet. Doch über die Höhe des Verkaufspreises bestand noch keine Einigkeit. Nachdem die Stadt das Grundstück erworben hat, können Förderanträge gestellt werden. Geplant sind laut Efre-Programm ein Teilabbruch von Gebäudeteilen, die Sicherung und Erhaltung des Hauptensembles und die Nutzbarmachung des Areals. Geschätzt werden Kosten in Höhe von knapp 1,6 Millionen Euro. Der städtische Eigenanteil würde knapp 320.000 Euro betragen. Eine Projektentwicklung und der Geschäftsbetrieb sollen aber nicht durch die Stadt erfolgen. Hierfür ist ein wirtschaftlich tätiger Partner zu finden. Als Förderung und um spekulative Absichten unterbinden zu können, soll die Liegenschaft in Erbpacht gegeben werden. bj

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