Wie Chemnitzer Kliniken um Pflegekräfte werben

Auch in Chemnitz sind viele Stellen unbesetzt, die Klinik-Verantwortlichen suchen händeringend nach Personal für die Betreuung von Patienten. Eine Einrichtung geht dabei jetzt einen neuen Weg.

Die Situation sei angespannt, sagt Michael Veihelmann. Wie der Geschäftsführer der Zeisigwaldkliniken berichtet, gebe es bei den Pflegekräften seiner Einrichtung derzeit mehr als zehn offene Stellen - bei 400 Arbeitsplätzen in dem Bereich insgesamt. Noch habe man deswegen keine Abteilungen schließen müssen; die Lücken versuche man über externe Personaldienstleister zu schließen, was auch gelinge, wie Veihelmann betont.

Und dennoch werde die Suche nach Pflegefachkräften immer schwieriger. Aufgrund des großen Mangels führe die Situation für ambulante Pflegedienste, Seniorenpflegeheime und Krankenhäuser mittlerweile zu einem erheblichen Verdrängungswettbewerb.


Und auch die eigenen Möglichkeiten der Berufsausbildung seien begrenzt, berichtet er. Zwar verfügten die Zeisigwaldkliniken über eine eigene Berufsfachschule, die Anzahl der Ausbildungsplätze dort sei aber auf 25 pro Jahrgang limitiert. "Wir müssten aber 30 Pflegekräfte pro Jahr einstellen, um zum Beispiel altersbedingte Abgänge auszugleichen", sagt Pflegedirektorin Cornelia Thies. Im vergangenen Jahr beendeten zudem nur zwei Drittel der Lehrlinge ihre Ausbildung, der Rest hatte zwischenzeitlich abgebrochen oder schaffte die Prüfungen nicht. Mehr Bewerber ausbilden dürfe man aber nicht, die Anzahl sei vom Sozialministerium festgelegt und dürfe nicht überschritten werden, so Thies.

Um die Situation im Pflegebereich dennoch zu verbessern, geht man im Krankenhaus am Zeisigwald daher jetzt einen neuen, ungewöhnlichen Weg. Die Verantwortlichen versuchen, ehemalige Pflegerinnen und Pfleger zurückzugewinnen, die womöglich schon vor Jahren ihren Beruf gewechselt haben. In Betracht kämen dabei vor allem jene Fachkräfte, sagt Personalleiterin Sandy Liebold, die einst den Dienst im Krankenhaus aus familiären Gründen verlassen haben. "Zum Beispiel weil sie ein Kind bekommen haben und nicht mehr im Schichtdienst arbeiten konnten", so Liebold. Mittlerweile gebe es bei vielen von ihnen den Wunsch, wieder in ein Krankenhaus zurückzukehren, hat sie beobachtet. "Sie arbeiten heute vielleicht in Arztpraxen oder bei Pflegediensten", sagt die Personalchefin und zählt mögliche Vorteile auf, die für eine Rückkehr sprächen: höherer Verdienst, Schichtzulagen, mehr Urlaub, bessere Qualifikationsmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven.

Die Zeisigwaldkliniken böten den Rückkehrern ein individuell zugeschnittenes Mentorenprogramm - je nach Qualifikation und Defiziten des Bewerbers, so der Geschäftsführer. Die normale Einarbeitungszeit in der Einrichtung betrage vier Wochen, die Rückkehrer indes brauchten mehr Zuwendung. Das Potenzial auf dem Arbeitsmarkt sei zwar schwer abschätzbar, gleichwohl erhoffe man sich von der neuen Strategie, dass offene Stellen besetzt werden könnten.

Auch die anderen Chemnitzer Kliniken müssen auf die Personalsituation im Pflegebereich reagieren. Im DRK-Krankenhaus in Rabenstein versuche man, über das Programm "Mitarbeiter werben Mitarbeiter" Pflegefachkräfte mit einer dreijährigen Ausbildung zu gewinnen. Die Frage, wie viele Stellen in der Einrichtung derzeit unbesetzt sind, beantwortet die Geschäftsführung allerdings nicht.

Im Klinikum Chemnitz als Maximalversorger seien derzeit 20 Stellen im Pflegebereich unbesetzt, sagt Sprecher Arndt Hellmann. Es sei zu spüren, dass der Wettbewerb um Pflegekräfte zwischen den Kliniken deutschlandweit zunehme, fügte er hinzu. Die Ausbildungsstätten wie die Medizinische Berufsfachschule des Klinikums könnten nicht so schnell neue Absolventen ausbilden, "wie wir sie bräuchten", so Hellmann. 200 Absolventen pro Jahr gebe es, alle werden vom Klinikum übernommen. "Das läuft daher zwangsweise", sagt der Konzernsprecher, "auf ein zunehmendes Gerangel um berufserfahrene Kräfte hinaus."

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