Wie der Breitbandausbau ablaufen soll

Am Montag begonnene Arbeiten dauern laut Planung bis Dezember 2020 - Trotzdem wird es wohl auch weiterhin unterversorgte Gebiete geben

Chemnitz.

Bis Ende kommenden Jahres sollen etwa 10.000 Haushalte in Stadtteilen an den Rändern von Chemnitz Glasfaseranschlüsse für schnelles Internet erhalten. Am gestrigen Montag war an mehreren Orten offizieller Baustart für das Vorhaben. Am morgigen Mittwoch liegt der dazugehörige Baubeschluss den Stadträten zur Abstimmung vor. "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen dazu.

In welchen Stadtteilen sollen neue Glasfasernetze aufgebaut werden?

Sascha Aurich

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Vorgesehen sind insgesamt zehn Ausbaugebiete, die sich im Norden, Nordwesten, Westen, Osten und Südosten der Stadt befinden. Dazu gehören Bereiche der Stadtteile Adelsberg, Altendorf, Bernsdorf, Borna-Heinersdorf, Einsiedel, Erfenschlag, Euba, Gablenz, Glösa-Draisdorf, Furth, Harthau, Hilbersdorf, Klaffenbach, Kleinolbersdorf-Altenhain, Markersdorf, Rabenstein, Reichenhain, Rottluff, Schloßchemnitz, Schönau, Stelzendorf, Wittgensdorf und Yorckgebiet (siehe nebenstehende Grafik).

Warum wurden gerade diese Gebiete ausgewählt?

Nach Angaben der Stadtverwaltung wurde innerhalb eines sogenannten Markterkundungsverfahrens geprüft, in welchen Gebieten von Chemnitz bisher noch kein Internet mit einer Bandbreite von mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verfügbar und auch für die nächsten drei Jahre keine Erschließung mit dieser Bandbreite geplant ist. Diese Gebiete - das Rathaus spricht von "weißen Flecken" - bilden die jetzt geplanten Ausbaugebiete.

Wer wird die Glasfaserkabel verlegen?

Bauherr ist die Stadtverwaltung, die damit mehrere Bauunternehmen beauftragt hat. In jedem Ausbaugebiet sind neue Tiefbautrassen zu errichten, die zwischen 14 und 42 Kilometer lang sind. Insgesamt werden nach Rathaus-Angaben mehr als 260 Kilometer neuer Tiefbautrassen gebaut. Zum Großteil sollen die Glasfaserkabel, deren Gesamtlänge laut dem Versorger Eins rund 2000 Kilometer umfasst, aber durch bereits verlegte Leerrohre gezogen werden.

Wieviel kostet die Breitbanderschließung?

Die Stadtverwaltung rechnet mit Gesamtkosten von reichlich 64 Millionen Euro, die im Haushalt eingeplant sind. Das Geld soll fast komplett aus einem Milliarden-Förderprogramm des Bundes und vom Freistaat zur Verfügung gestellt werden. Rund 1,5 Millionen Euro davon sind für die Anbindung von 65 Schulen im gesamten Stadtgebiet an das Glasfasernetz bestimmt.

Wer wird das neue Glasfasernetz betreiben?

Im Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung hat die Stadtverwaltung den Zuschlag dafür dem Chemnitzer Versorger Eins erteilt. Eins wird das Netz zunächst für sieben Jahre pachten und hat anschließend ein Vorkaufsrecht dafür.

Welche Bandbreite soll das neue Netz ermöglichen?

Eins verspricht Kunden in den Ausbaugebieten garantierte Bandbreiten von bis zu 500 Mbit/s. Bei Bedarf, so für Gewerbetreibende, soll bis zu 1 Gigabit pro Sekunde möglich sein.

Was kostet das den Kunden?

Derzeit wirbt Eins mit Einstiegspreisen von 19,99 Euro in den ersten sechs Monaten für Verträge mit Datenübertragungsrate von 500 Mbit/s im Download, Internet- und Telefonflatrate. Das Angebot gilt allerdings nur für Neukunden. Nach einem halben Jahr erhöht sich der Preis auf knapp 65 Euro im Monat.

Bekommt jede Wohnung im Ausbaugebiet einen Glasfaseranschluss?

Das haben die Hauseigentümer zu entscheiden. Generell sollen die Glasfaserkabel bis zu jedem Gebäude im jeweiligen Ausbaugebiet verlegt werden. Der Versorger Eins will zusätzlich selbst 2,5 Millionen Euro investieren, um an Stelle des Standards FTTB (Fibre to the Building - deutsch: Glasfaser bis zum Gebäude) auf Wunsch Hausverkabelungen nach dem Standard FTTH (Fibre to the Home - Glasfaser bis in die Wohnung) vorzunehmen. Den Eigentümern sollen dadurch keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Ist der Wohnungsanschluss mit der Verpflichtung verbunden, einen Vertrag mit Eins abzuschließen?

Nein. Das mit Fördergeld finanzierte Glasfasernetz wird von Eins als Netzbetreiber allen Kommunikationsdienstleistern zur Verfügung gestellt. Wählen Kunden einen anderen Anbieter, so muss dieser ein Netzentgelt an Eins zahlen. Dem Kunden entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Wann werden die neuen Glasfaseranschlüsse in Betrieb genommen?

Die letzten Bauarbeiten zum Ausbau des Netzes sollen bis zum 15. Dezember 2020 abgeschlossen werden (siehe Grafik oben). Offizieller Abschlusstermin für das Gesamtbauvorhaben ist der 31. Dezember kommenden Jahres. Der Versorger Eins als künftiger Betreiber hat allerdings angekündigt, dass er bereits fertiggestellte Teile des Glasfasernetzes schon eher in Betrieb nehmen will.

Wird nach Abschluss des Ausbaus überall in Chemnitz Breitband-Internet verfügbar sein?

Aller Voraussicht nach wird es auch weiterhin sogenannte weiße Flecken geben. So müssen Haushalte am Goethering in der Gartenstadt-Siedlung in Kleinolbersdorf nach eigenen Angaben noch immer mit Internet-Übertragungsgeschwindigkeiten von etwa 1 Mbit/s auskommen. "Das Senden von Fotos dauert ewig", berichtet Anwohner Sigfried Bilz. Trotzdem gehört die Gartenstadt nicht zum von der Stadtverwaltung geplanten Ausbaugebiet. Der Grund aus Sicht der Betroffenen: Seit die Telekom vor einigen Jahren Glasfaserkabel in der Ferdinandstraße verlegt hat, gilt Kleinolbersdorf als erschlossen. Doch zum Goethering führt kein Glasfaserkabel. mib/lumm/micm

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