Wie der CFC die Lücke im Saisonetat schließen will

Die Gefahr, dass dem Verein vor Ablauf des Spieljahres das Geld ausgeht, ist laut Insolvenzverwalter Siemon noch nicht vom Tisch. Ob die Mitglieder mit Beitragszahlungen zur Sanierung des Clubs beitragen müssen, ist indes umstritten.

Ein ostdeutscher Traditionsverein ist dem Tod vorerst von der Schippe gesprungen: Mithilfe von Sponsoren kann der FC Rot-Weiß Erfurt den Spielbetrieb in der Fußball-Regionalliga bis Weihnachten fortsetzen. Eine böse Bescherung könnte unterdessen dem insolventen Chemnitzer FC drohen, in dessen aktuellem Saisonetat eine Lücke von nahezu 500.000 Euro klafft.

Wie groß ist die Gefahr, dass dem Club noch vor Ende des laufenden Spieljahres das Geld ausgeht? "Ich erachte die Gefahr nicht als groß, aber sie ist nicht vom Tisch", erklärte CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon auf Anfrage der "Freien Presse". Man werde alle sich bietenden Optionen nutzen, um die Lücke im Budget zu schließen. Dazu gehöre die Austragung eines Benefizspiels. "Im Frühjahr werden wir ein oder vielleicht sogar zwei Sonderspiele gegen attraktive Gegner austragen", sagte Thomas Sobotzik, Vorstand für Finanzen und Sport. Mit welchen Clubs verhandelt wird, wollte er nicht verraten.

Seitens der Sponsoren gibt es erste Zeichen, den CFC zu unterstützen. Wie Sobotzik am Donnerstag betonte, kann Trainer David Bergner mit seiner Mannschaft im Januar wie erhofft in die Türkei fliegen. "Wir sind in der Lage, das Trainingslager extern zu finanzieren. Möglich wurde dies durch Sponsoren, die bereits für den CFC engagiert waren, sowie durch eine Privatperson", erklärte der Vorstandsvertreter. Die Kosten für den Türkei-Trip bezifferte Sobotzik mit knapp 30.000 Euro.

Strittig ist die Frage, ob die gegenwärtig gut 2500 CFC-Mitglieder mit ihren Beitragszahlungen zur Sanierung des Clubs beitragen müssen. In einer öffentlichen Mitteilung hatte Insolvenzverwalter Siemon vor kurzem erklärt, dass er die Vereinsmitglieder in der Pflicht sehe. Wer seine Beiträge nicht zahle, schade dem CFC. "Es entscheiden letztendlich die Mitglieder, das Umfeld und alle Chemnitzer, ob in Zukunft in der Stadt Profifußball gespielt wird", stellte Siemon fest. Nach Informationen der "Freien Presse" haben in diesem Kalenderjahr etwa 2000 CFC-Mitglieder ihren Beitrag nicht gezahlt, was einer Gesamtsumme von 192.000 Euro entspricht. Nach Auffassung des Leipziger Rechts- anwaltes Dr. Albrecht Tintelnot, zu dessen Spezialgebieten das Insolvenzrecht zählt, sind die Mitglieder eines insolventen Vereins nicht zur Beitragszahlung verpflichtet. "Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens erlischt diese Pflicht, wenn in der Satzung nichts Gegenteiliges festgelegt ist", so Tintelnot. Und dies sei beim CFC der Fall. Der Leipziger Anwalt verwies auf eine entsprechende Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) aus dem Jahr 2007.

Aus Sicht von Insolvenzverwalter Siemon findet die BGH-Entscheidung "auf unsere Fallkonstellation keine Anwendung, weil die Gläubiger zurzeit sämtliche Vereinsleistungen finanzieren und zur Verfügung stellen und die Mitglieder sich ihrer Verantwortung stellen müssen". Die Gläubiger hätten zur Sanierung des CFC beschlossen, eine Verpflichtung von einer Million Euro einzugehen. "Da kann man wohl erwarten, dass die Mitglieder den Beitrag von maximal 96 Euro jährlich erbringen." Albrecht Tintelnot kann Siemons Argumentation nachvollziehen. "Ich habe Verständnis für diese Position, die auch in der Kommentarliteratur zur Insolvenzverordnung zu finden ist", so Tintelnot. Allerdings sei sie nach der Entscheidung des BGH nur schwer aufrechtzuerhalten. Die Beitragspflicht setze die Fortsetzung des, mit Insolvenzeröffnung aufgelösten, Vereins voraus. "Das könnte eine Mitgliederversammlung, etwa mit dem Verwalter bezüglich eines Insolvenzplanes abgestimmt, beschließen", sagt der Leipziger Anwalt.

Ob eine Mitgliederversammlung noch 2018 stattfindet, ist laut Vorstandsmitglied Sobotzik offen. Ein Problem sei, dass die Veranstaltung Kosten von 15.000 bis 20.000 Euro verursache. "Die Gelder muss der Insolvenzverwalter genehmigen. Ohne ihn wird es keine Mitgliederversammlung geben", betont Sobotzik.

Die Durchführung der Mitgliederversammlung vollziehe sich im insolvenzfreien Vermögen. Deshalb könne der Insolvenzverwalter grundsätzlich die Kosten nicht aufbringen, erklärt Siemon dazu. Eine Übernahme der Kosten durch die Insolvenzmasse erscheine möglich, wenn die Mitgliederversammlung den Gläubigern Vorteile bringen würde. "Dies wäre dann der Fall, wenn die Mitgliederversammlung zur Unterstützung der Sanierung beitragen würde", ergänzt Siemon. Ein solcher Fall läge zum Beispiel vor, wenn die Versammlung ein starkes Zeichen der Einheit des CFC setzen würde. "Wichtig wäre es, dass die Öffentlichkeit sieht, dass wir jetzt alle an einem Strang ziehen und jeder sich dort einbringt, wo er seine Stärken hat", so Siemon.

Einen Beitrag zur sportlichen Situation des CFC vor der Heimpartie gegen Viktoria Berlin lesen Sie hier.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
10Kommentare
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  • 1
    2
    Zeitungss
    vor 12 Stunden

    @HHCL: Ich teile auch heute Ihren Beitrag. Der Verbrenner ist nun nicht gerade das beste Beispiel, so defizitär wie der CFC war und ist er zu keiner Zeit gewesen, war bisher ein Segen für die Menschheit, was vom CFC nun nicht gerade behaupten kann, was allerdings Ansichtssache ist und auch bleibt.

  • 1
    2
    HHCL
    vor 14 Stunden

    @Zeitungss Den CFC (in seiner jetzigen Form) habe ich auch nicht gemeint. In Ihrem vorhergehenden Kommentar klang mir das allerdings zu allgemein (finanziert eure Hobbys allein). Diese Selbstverständlichkeit, mit dem der CFC die Hand seit einiger Zeit aufgehalten hat, ist auch aus meiner Sicht nicht förderungswürdig.

    "Ich gehe davon aus, dass die Stadt keinerlei Finanzierungslücken hat und einen riesigen Haufen an Geldreserven sein eigen nennt, denn nur so wäre die bisherige Gangart verständlich."
    Ich glaube gar nicht, dass der Geldhaufen so groß ist. Ich glaube es ist eher die Angst des Deutschen sich von alten überkommenen Dingen zu verabschieden und man daher versucht liebgewordene Dinge koste es was es wolle zu erhalten, auch wenn sie sich absolut negativ entwickelt haben. Ein schönes Beispiel sind auch Fahrzeuge mit Verbrennermotor, die auf Teufel komm raus gehätschelt werden. Man baut dann auch gern irgendwelche Schreckgespenster auf und malt in den buntesten Farben Untergangsszenarien, die eintreffen, wenn man nicht rettet.

  • 2
    2
    Zeitungss
    10.11.2018

    @HHCL: Ich teile grundsätzlich Ihre Meinung, den CFC möchte ich allerdings nicht einschließen. Jeder sollte an Kultur teilhaben können und dafür ist auch jeder Euro ein Gewinn, von Kultur kann hier allerdings keine Rede sein. Die Fangemeinde hat sich nun einmal auf den Steuerzahler eingeschossen, was ertragreicher ist, als ein Tor zu schießen. Wenn sich der gegenwärtige Zustand nicht breit macht und der Chemnitzer damit leben kann, habe ich keine Probleme damit. Ich gehe davon aus, dass die Stadt keinerlei Finanzierungslücken hat und einen riesigen Haufen an Geldreserven sein eigen nennt, denn nur so wäre die bisherige Gangart verständlich. Könnte allerdings sein, dass so mancher Chemnitzer meine Gedanken nachvollziehen kann, aber natürlich nicht muß.

  • 2
    1
    HHCL
    10.11.2018

    @Zeitungss: Ganz würde ich Ihnen da doch nicht zustimmen. Es gibt viele Hobbys, die der einzige Bürger einfach nicht stemmen kann und dafür ist dann schon die Allgemeinheit zuständig. Der eine finanziert auf diese Art Konzerte und Orchester, die er nie spielen hören will, und Museen, in die er sich höchstens bei Pflichtterminen verirrt und bekommt dafür dann eben die Schwimmhalle oder eine Skaterbahn, die er oft und gerne nutzt. Da kann man nicht sagen: Singen Sie selbst und hängen Sie sich ein paar Bilder in die Wohnung, wenn Sie welche ansehen wollen. Gleiches gilt für Schwimmbäder oder andere Sportstätten. Man kann das natürlich anders regeln, wie in den USA, aber das hat in Deutschland keine Tradition und es ist auch nicht problematisch, wenn die Unterstützten den Steuerzahler nicht mit einem Esel verechseln, der bei Bedarf den nächsten Haufen Gold sch....

    Es ist auch nichts dagegen zu sagen, dass die Stadt dem CFC etwas Geld zuschießt; aber das ist genau der Punkt: etwas(!) Geld und nicht immer höhere Dauerunterstützung, die auch noch schlecht genutzt wird. Und außerdem kann man auch etwas eigene Initiative erwarten. Das gibt es dann auch beim Theater oder Museen in Form von rührigen Fördervereinen und Spendern; die man auch öffentlich wahrnimmt. Entweder gibt es das beim CFC nicht oder es wird extrem schlecht kommuniziert. Wenn der CFC etwas will, muss er mal aktiv werden und sei es nur indem man dem Nicht-Fußballfan endlich mal zeigt, was beim CFC los ist. Da muss man eben mal mit der Spendenbüchse und guten Argumenten auf den Markt.

  • 6
    7
    Zeitungss
    09.11.2018

    Wie ich sehe, gibt es genug Leute, welche noch immer nicht begriffen haben, dass sie ihr Hobby SELBST finanzieren müssen und nicht der Steuerzahler. Man erkennt sie hier am roten Daumen. Ist schon merkwürdig, was manche Leute so für Vorstellung haben. Jetzt sollte nicht wieder jemand mit dem Bollwerk gegen RECHTS kommen, es wäre lachhaft. Der Dauerrote (wie immer ohne eigene Meinung) darf natürlich auch wieder und zwar oben rechts.

  • 3
    0
    bicicleta
    09.11.2018

    Aus meinem Bekanntenkreis weiß ich, dass es für CFC-Mitglieder in den letzten Jahren nicht immer leicht war, ihre Beiträge überhaupt loszuwerden. Da scheint es an allen Ecken und Enden zu hapern.

  • 3
    9
    Zeitungss
    09.11.2018

    @7740...: Die "Einzugsermächtigung" hat eben auch die Stadt beim Bürger, deshalb sitzt die Kohle für derartige Sachen locker und die Geber haben natürlich kein Problem damit. Nachschlag ist gesichert, was der Steuerzahler großzügig einräumt.

  • 9
    4
    774029
    09.11.2018

    M.E. hat jedes Mitglied eine Einzugsermächtigung zum Einzug seines Beitrags erteilt. Wenn sich Herr Siemon sicher ist, dass weiterhin eine Beitragspflicht besteht, kann er doch diese Beiträge auch einziehen.
    Darüber hinaus würde sein Appell an die Mitglieder sicher auch besser ankommen, wenn er die Mitglieder im Gegenzug ehrlich und offen über seine Schritte und Pläne des Insolvenzverfahrens sowie der Zukunft des CFC auf dem Laufenden halten würde.

  • 14
    6
    HHCL
    09.11.2018

    @mathausmike: Ich wüsste auch gar nicht, warum ich den CFC voranbringen soll, wenn nicht einmal die "Fans" sich bewegen und ihren Teil zur Rettung beitragen.

    Im Übrigen danke ich Ihnen für die Bestätigung meines abschließenden Satzes.

  • 11
    7
    Zeitungss
    09.11.2018

    @math...: Wahrheit klingt eben nicht immer gut. HHCL hat es ganz einfach auf den Punkt gebracht. Ein CFC-Fan versteht das natürlich nicht, ich brachte bei meinen bisherigen Beitragen gelegentlich den Torpfosten ins Spiel, womit der Zustand doch recht gut beschrieben war. Mein damaliger Vorschlag mit der Sammelbüchse kam auch nicht beim Fan an, der Steuerzahler kann das besser. Träumen Sie Weiter, der CFC schreibt jetzt schon Geschichte, in welche Richtung, müsste man am Torpfosten vorbeidenken.

  • 5
    18
    mathausmike
    09.11.2018

    @HHCL,Ihre Schelte bringt im Falle des CFC,nicht einen Millimeter voran!

  • 26
    4
    HHCL
    09.11.2018

    "Nach Informationen der "Freien Presse" haben in diesem Kalenderjahr etwa 2000 CFC-Mitglieder ihren Beitrag nicht gezahlt, was einer Gesamtsumme von 192.000 Euro entspricht."

    Es wird ja immer lächerlicher. Da wird noch vor kurzem (mit unverschämter Argumentation) von allen Steuerzahlern gefordert Geld für einen Verein bezahlen, der von seinen eigenen "Fans" offenbar nicht unterstützt wird. Beim CFC scheint nicht nur in den Führungsetagen ziemlich viel falsch zu laufen. Das erklärt vielleicht auch, warum ich bis jetzt, obwohl die Krise schon ziemlich lange andauert, nicht eine öffentliche Aktion der Fans gesehen habe, in der für den Verein geworben bzw. Geld gesammelt wurde. (Und so ein lahmer Haufen soll dann das Bollwerk gegen Rechts sein?) Wenn man Anhänger eines strauchelnden Fußballclubs ist, muss man mal aktiv werden, wenn man ihm weiter anhängen will. Aber auch hier grassiert wieder einmal die Mentalität, dass es die anderen richten müssen und man selbst nur herum jammert, wenn diese dann plötzlich mal nein sagen. Das konnte man auch hier in den Kommentaren schön beobachten.



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