Wie die Stadt Gefahrenstelle für Radfahrer entschärfen will

Chemnitz diskutiert: Für eine bislang in den fließenden Verkehr mündende Radfahrspur auf der Zwickauer Straße gibt es möglicherweise eine Lösung. Die aber strapaziert das ökologische Gewissen.

Kaßberg/Kapellenberg.

Radfahren, so heißt es, ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch gut für die Umwelt. Seit Jahren bemüht sich die Stadt, den Anteil der Radfahrer am städtischen Verkehr zu steigern. Der Erfolg, so sagen Radfahrenthusiasten, könnte ein größerer sein, wenn jene, die mit dem Rad unterwegs sind, sich im Verkehrsgeschehen sicherer fühlen würden.

Als ein Beispiel, wie es nicht sein sollte, wird seit Jahren eine Radfahrspur entlang der mehrspurigen Zwickauer Straße genannt. In landwärtiger Richtung zwischen Reichs- und Barbarossastraße am rechten Straßenrand verlaufend, endet sie nahe der Marianne-Brandt-Straße plötzlich im Nichts. Genauer gesagt, sie mündet in eine der Spuren, die bis dahin Autofahrern vorbehalten sind. "Da sind so viele Leute mit dem Rad unterwegs, und trotzdem gibt es dort jeden Tag Probleme", schildert Ina Potts. Die Schönauerin ist nahezu täglich mit dem Rad unterwegs. "Da wird gedrängelt und gehupt, dass es echt gefährlich ist", so die 51-Jährige. Sie selbst habe, wenn auch nur widerwillig, schon allerlei Alternativrouten ausprobiert, doch keine sei wirklich akzeptabel. Mal seien die Kurven zu steil, mal fehlten abgesenkte Bordsteine, verdeutlicht sie. "Und es kann ja auch nicht sein, dass wir Radfahrer wegen der Autos immer den Kürzeren ziehen."

Der Grund für das plötzliche Ende der Radfahrspur: Vor der Kreuzung Barbarossastraße kommt zu den beiden Geradeausspuren für Autos eine dritte hinzu - für Linksabbieger, die in Richtung Goetheplatz weiterfahren wollen. Für eine separate Spur für Radfahrer ist daher unter den gegebenen Verhältnissen schlicht kein Platz mehr.

Nachdem im Frühjahr bei einem von der "Freien Presse" organisierten Workshop "Chemnitz diskutiert" das Thema erneut zur Sprache kam, versprach der dort anwesende Vertreter des Tiefbauamtes, die Situation nochmals unter die Lupe zu nehmen. Bis Herbst, so hieß es wenig später, soll ein Vorschlag auf dem Tisch liegen - falls eine andere Regelung als die derzeitige tatsächlich umsetzbar ist.

Das Ergebnis der Überprüfung liegt nun in Form einer sogenannten Entwurfsplanung vor. Sie sieht nach Angaben einer Rathaussprecherin vor, den Radfahrstreifen am rechten Rand der landwärtigen Fahrbahn bis über die Kreuzung Barbarossastraße hinaus zu verlängern, mit einer Breite von 1,85 Meter. Dafür soll am linken Rand zusätzlicher Platz geschaffen werden, indem der dortige Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Straßenbahngleisen reduziert wird.

Sollte die jetzt diskutierte Lösung tatsächlich kommen, wird sich die Freude bei manchem Radfahrer allerdings am Ende vielleicht dennoch in Grenzen halten. Nicht nur, weil die Radfahrspur zum Preis einer weiteren Flächenversiegelung erkauft wird. Sondern auch, weil auf dem Grünstreifen aktuell noch mehrere große Bäume stehen. "Derzeit wird noch geprüft, wie mit ihnen umgegangen werden kann", sagte eine Rathaussprecherin.

"Klar, es wäre besser, es fände sich eine Lösung, die nicht auf Kosten der Natur geht", sagt Thomas Lörinczy vom Radfahrerclub ADFC. "Vielleicht würden zwei Spuren für den Autoverkehr ja ausreichen, zumal es auch trotz der separaten Linksabbiegerspur dort immer wieder zu Rückstaus kommt." Grundsätzlich aber begrüße der Verein, dass die brenzlige Situation nunmehr entschärft werden soll.

Ina Potts fände es nach eigener Aussage "super", sollte es künftig eine durchgehende Radfahrspur auf der Zwickauer Straße geben. "Funktionierende Angebote für Menschen, die mit dem Rad unterwegs sind, gehören heutzutage nun einmal zu einer lebenswerten Stadt", argumentiert sie.


"Chemnitz diskutiert"

Mit dem Debattenformat will die "Freie Presse" eine Plattform bieten, sachlich Probleme zu benennen und Lösungsansätze zu finden. Bislang fanden zwei Dialog-Foren statt: "Wie kann die Stadt sicherer werden?" und "Wie soll die Stadt mobil bleiben?". Zudem gab es ein Leserforum mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Für "Chemnitz diskutiert" wurde die "Freie Presse" mit den Deutschen Lokaljournalistenpreis ausgezeichnet.

 

freiepresse.de/chemnitzdiskutiert

 

Bewertung des Artikels: Ø 2.3 Sterne bei 3 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...