Wie ein Grünaer Familienbetrieb den Schornstein beleuchten will

Das kleine Unternehmen hat eines der drei Konzepte eingereicht, über die nun abgestimmt wird. Dass sich die Firma überhaupt dem Votum stellen muss, kam für den Inhaber überraschend.

Grüna.

Der 21. August ist für Lothar Göckeritz ein besonderes Datum. Am kommenden Montag will der Energieversorger Eins das Ergebnis der Abstimmung zu den drei Optionen der Schornstein-Beleuchtung bekanntgeben. Das Votum hat für Göckeritz unmittelbare Auswirkungen: Seine Firma aus Grüna hat eines der drei vorgeführten Konzepte entwickelt. Bekommt das Lichtspiel die meisten Stimmen der Chemnitzer, wird es umgesetzt.

Für den 61-Jährigen und seine Mitarbeiter von Göckeritz Leuchten wäre es das auffälligste Projekt - aber nicht das umfangreichste in der 25-jährigen Firmengeschichte. Göckeritz ist gelernter Elektriker und arbeitete zu DDR-Zeiten in der Produktion. Nach dem Fall der Mauer machte er sich selbstständig und begann mit der Herstellung von Außenleuchten für Wohnhäuser, später kamen Straßenlaternen dazu. Ende der 1990er-Jahre erwarb der Unternehmer einen alten Dreiseithof in Grüna, den er schrittweise sanierte und in dem sich Wohnhaus, Werkstatt und Lager befinden.

Dort entwickeln und montieren die fünf Mitarbeiter - darunter sein Sohn und seine Frau - Leuchten. Sie konstruieren die Formen für die Lampenkörper, die eine Fremdfirma gießt, erklärt der Geschäftsführer. Auch die Leuchtmittel, in der Regel LEDs, würden angeliefert. Die Mitarbeiter setzen alles zusammen und liefern aus, die Montage vor Ort übernehme ein anderes Unternehmen, schildert Göckeritz.

Auftrageber seien vor allem Kommunen. So habe sein Betrieb unter anderem die Außenbeleuchtung am Weinhold-Bau auf dem TU-Campus und die am Industriemuseum entwickelt, berichtet der Chemnitzer. Bislang am aufwendigsten sei aber die Produktion von 120 Lampen für den Rostocker Uni-Campus gewesen, die sich über mehrere Jahre erstreckt habe, sagt Göckeritz. Hauptstandbein des Betriebs sei im Moment die Umrüstung von Straßenlaternen auf LED-Beleuchtung. Die Grünaer setzen dafür einen LED-Träger zusammen, der in die mitunter historischen Laternen eingeklickt wird.

Nun also die Esse. Der Energieversorger Eins, der das 302 Meter hohe Bauwerk sanieren und mit einem Farbkonzept gestalten ließ, sei Ende 2016 auf ihn zugekommen und habe gefragt, ob seine Firma ein Lichtkonzept für den Schornstein entwerfen wolle, sagt Göckeritz. "Ich war überrascht, dass wir dafür angefragt werden", erinnert sich der 61-Jährige. Er habe aber nicht lange überlegt und zugestimmt.

Für einen ersten Test habe sein Betrieb fünf Strahler entworfen, die Eins gekauft habe, berichtet Göckeritz. Weil deren Intensität zu schwach gewesen sei, habe er an den Leuchten weiter getüftelt. Als "Freie Presse" im März ein Foto von einem Lichttest an der Esse zeigte, sei er überrascht gewesen. "Plötzlich gab es noch ein anderes Beleuchtungskonzept", sagt der Chemnitzer. Das habe er nicht gewusst. Eins habe ihm dann mitgeteilt, dass es mehrere Bewerber gebe und eine Abstimmung geplant sei. Ob diese erst nachträglich beschlossen wurde oder von Anfang an vorgesehen war, konnte ein Sprecher des Energieversorgers gestern nicht beantworten.

Ein Ausstieg aus dem Rennen um den Auftrag sei für ihn indes nicht infrage gekommen, sagt Göckeritz. "Das ist eine Riesenchance für unsere kleine Firma", sagt der Unternehmer. Sein finales Konzept sieht nun vor, dass insgesamt 69 Leuchten auf den Balkonen zwischen den Farbringen angebracht werden und die Esse von unten nach oben anstrahlen. Inklusive Halterung wiege eine Leuchte rund 8,5 Kilogramm, erklärt der Fachmann. Sie bestehe aus einem Edelstahl-Kasten, in den eine Platte mit weißen LEDs und eine farbige Glasscheibe eingesetzt würden. Jeder Strahler könne einzeln vom Computer aus geregelt werden, erläutert Göckeritz.

Die Lichtspiele der Konkurrenz, die am vorigen Freitag gezeigt wurden, habe er fotografieren lassen, um sie zu analysieren, berichtet der Grünaer. Wie schätzt er nach der Betrachtung der Bilder seine Chancen ein? "Gut. Ich finde, dass unser Konzept die Farben der Esse am natürlichsten zur Geltung kommen lässt", meint der Unternehmer.


Abstimmung bis Sonntag

Mehr als 7000 Mal wurde über die künftige Beleuchtung der Esse bislang abgestimmt. Diese Zahl nannte ein Sprecher des Energieversorgers Eins gestern. Eins betreibt das Heizwerk an der Esse. Eine Tendenz wollte der Sprecher nicht nennen. Die Variante mit den meisten Stimmen wird umgesetzt - auf nahezu voller Höhe und nicht nur auf 150 Metern wie bei der Vorführung vergangene Woche. Die Abstimmung läuft bis Sonntag unter: www.eins.de/Schornstein. (lumm)

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3Kommentare
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  • 4
    3
    Hinterfragt
    16.08.2017

    Die roten Daumen sollten sich dringend mal mit Verhältnisrechnung befassen.

    Bei unter 8000 Abstimmungen zu 248.878 Einwohnern kann man nicht unbedingt von Interesse sprechen und zum Zweiten kann dort jeder abstimmen der einen Internetzugang herstellen kann und auch gleich mehrmals.

    Und wie ?@fnor: schon schrieb; ehrlicherweise hätte man die 4. Option mit anbieten sollen.

  • 4
    5
    fnor
    16.08.2017

    Dresden hat eine Semperoper, Chemnitz beleuchtet eine Esse. Jeder zeigt eben seine besten Bauwerke. Dass Lichtverschmutzung ein Problem ist, sollte mittlerweile angekommen sein. An einigen Orten wird diese reduziert und das erfolgreich vermarktet, in Chemnitz baut man sie weiter aus. Einerseits diskutiert man, wie viel Straßenbeleuchtung man benötigt, diese wird immer weiter eingespart, andererseits beleuchtet man etwas, das keiner braucht.

    Ggf. hätte die Abstimmung noch eine 4. Variante haben sollen: "Keine Beleuchtung anbringen."

  • 4
    11
    Hinterfragt
    16.08.2017

    "...Mehr als 7000 Mal wurde über die künftige Beleuchtung der Esse bislang abgestimmt..."

    Wow!

    248.878 Einwohner zum Jahresende 2016 (http://chemnitz.de/chemnitz/de/die-stadt-chemnitz/stadt-der-moderne/widgets-botschafter/aktuelle-botschaften/2016/111022.html).

    Keine 8000 Stimmen, da sollte man doch merken, dass es den Chemnitzern reichlich egal ist, ob dort überhaupt angestrahlt werden soll!


    Überall redet man vom Stromsparen, den EU-Bürgern wurde per Beschluss der EU u.A. die Glühlampe entzogen, Kaffeemaschinen müssen sich nach einer Zeit selber abschalten, Staubsauger dürfen nur noch eine kleinere Leistung haben, ... und dann solch eine Lichtbefeuerung!



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