Wie eine 18-jährige Schülerin ihre berufliche Zukunft sucht

Rund 8000 Gäste haben am Wochenende die Ausbildungsmesse "Mach was" besucht. Eine davon war Gymnasiastin Annelie Demmrich. "Freie Presse" hat sie bei ihrem Rundgang begleitet.

Eigentlich will Annelie Demmrich studieren. "Am liebsten Mediendesign", sagt sie. Zurzeit stehe dieser Studienwunsch ganz oben auf ihrer Liste. "Meine Mutter hat mir aber geraten, mich trotzdem mal nach einem Ausbildungsberuf umzusehen", so die 18-Jährige. Deshalb ging es für sie am Samstag zur Ausbildungsmesse "Mach was" in die Messehalle. Im Ausstellerkatalog heißt es, bei der Veranstaltung gebe es "für jedes Talent und jede Fähigkeit ein Ass im Ärmel" - jeder könne dort also eine passende Ausbildung finden.

In der Hoffnung darauf versammelten sich kurz nach der Eröffnung gegen 10 Uhr hunderte Jugendliche in der Messe. Auf knapp 7500 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentierten annähernd 140 Unternehmen, Bildungsstätten, Behörden und andere Einrichtungen Möglichkeiten für Ausbildung oder Studium.

Was ein Job braucht, um sie zu überzeugen, beschreibt Annelie Demmrich so: "Eigentlich wäre es schön, wenn ich etwas Kreatives machen könnte", so die Gymnasiastin, die in diesem Jahr ihr Abitur machen will. Zunächst steuerte sie den Stand der Deutschen Privaten Finanzakademie (DPFA) an. Der Bildungsträger war mit seinem Angebot der Regenbogenschulen auf der Messe vertreten. Gesucht wurden dort Sozialassistenten und Erzieher. "Ich habe mal ein Praktikum in einem Kindergarten gemacht", erinnert sich die 18-Jährige. Die Arbeit mit Kindern habe ihr zwar gefallen, sie wolle jedoch im Job auch Karriere machen - die Aufstiegsmöglichkeiten als Erzieherin seien aber begrenzt, findet die Schülerin.

Im Prinzip interessiere sie Arbeit mit Menschen durchaus. Am Stand des Freiberger Kreiskrankenhauses kam sie mit Cornelia Metge ins Gespräch. Metge ist in der Klinikgesellschaft zuständig für die Betreuung von Lehrlingen. Sie erklärte der 18-Jährigen, dass das Kreiskrankenhaus Jugendliche zum Beispiel zu Pflegekräften ausbilde. Annelie Demmrich wurde neugierig. "Hat man als Pfleger nicht manchmal auch Angst, etwas falsch zu machen?" wollte sie von der Ausbildungsbetreuerin wissen. Das komme vor, entgegnete Metge. Schließlich trage man in dem Beruf eine große Verantwortung.

Mit dieser Verantwortung muss auch Laura Molnar täglich umgehen. Sie ist ebenfalls 18 Jahre alt und absolviert derzeit eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Der gleichaltrigen Messebesucherin erzählte sie von ihrem Arbeitsalltag. "Man muss mit den Launen der Patienten klarkommen, am Abend ist man oft erschöpft", berichtete die Auszubildende. Am Ende des Tages sei sie dennoch davon überzeugt: "Das ist der richtige Job für mich", so die 18-Jährige. Als Annelie Demmrich den Stand des Krankenhauses verließ, stellte sie fest: "Als Pflegerin will ich nicht arbeiten." Den Grund lieferte sie gleich mit: Wahrscheinlich käme sie mit den unregelmäßigen Arbeitszeiten und vor allem mit dem Schichtsystem nicht so gut klar, so Demmrich.

Mit dem Pflegeberuf wurde sie trotzdem nur ein paar Meter weiter erneut konfrontiert - am Stand des Krankenhaus- und Pflegeheimbetreibers Agaplesion. Dort bot man der Gymnasiastin Flugblätter an. Sie winkte zunächst ab, kam dann aber dennoch mit den Mitarbeitern ins Gespräch. "Mir wurde erklärt, wie man Betriebe findet, bei denen man ein duales Studium machen kann", sagte Annelie Demmrich. "Das hat mir geholfen", fügte sie hinzu. Auch am Stand der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Audit wurden ihr Möglichkeiten eines dualen Studiums erläutert, zum Beispiel wenn man Steuerfachangestellte oder Kauffrau für Büromanagement werden will. Schließlich besuchte die 18-Jährige noch den Stand der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur. Dort könnte sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvieren - das sei als Studienfach ihr Zweitwunsch, sagte Annelie Demmrich.

Ihr Favorit bleibt aber Mediendesign. Am Stand der Chemnitzer Verlag und Druck-Gesellschaft informierte sie sich daher zu Ausbildungsmöglichkeiten in dem Verlagshaus. "Das hat mir echt geholfen. Jetzt bin ich mir sicher, dass ich etwas mit Medien machen will", so die 18-Jährige abschließend.


Vierte Auflage der Messe mit Vorträgen und Workshops

Die Ausbildungsmesse "Mach Was" fand am Wochenende zum vierten Mal in der Messe Chemnitz statt. Am Samstag kamen 3700 Besucher, insgesamt waren es 8000 Menschen. Veranstalter der Messe ist die CVD-Mediengruppe, in der auch die "Freie Presse" erscheint.

Auf einer Bühne gab es Vorträge und Diskussionen. Es wurden Workshops und die Teilnahme an Gewinnspielen angeboten. Im Foyer konnte man gratis Bewerbungsfotos machen.

Vier Aussteller haben ihre Teilnahme mit Mitarbeitern an der Messe abgesagt. Volkswagen Sachsen und die Envia Mitteldeutsche Energie stellten zwar einen Stand auf, der musste jedoch ohne persönliche Betreuung auskommen. Die Unternehmen Chemieanlagenbau Chemnitz und Actech Freiberg fehlten auf der Messe ganz. Als Grund gaben die Firmen innerbetriebliche Richtlinien für Großveranstaltungen an. Diese ergeben sich wohl auch aus der Situation um das Coronavirus. (schol)



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