Wie eine Schülerin mit ihrem Sparschwein Obdachlosen hilft

Eine 15-Jährige aus Chemnitz gibt Obdachlosen die Hälfte ihres Taschengeldes ab und verkauft für sie sogar ihre Habe. Nun sucht sie Mitstreiter für ihr ungewöhnliches Projekt.

Mit einem Kaffee und einem Brötchen kurz vor Weihnachten hatte es angefangen. In der Adventszeit vor drei Jahren lief die damals 13-jährige Janice Schmelzer an einem Obdachlosen in der Chemnitzer Innenstadt vorbei. Er fror, sie hatte Mitleid. Die Schülerin überlegte, was sie tun könnte und ging los, um dem Mann einen heißen Kaffee und ein Brötchen zu kaufen. Ihr Ziel sei es gewesen, sagt die Schülerin heute, ihm sein Los zu erleichtern. Der Mann zeigte sich dankbar. "Dabei wurde mir bewusst, dass ich nicht allen helfen kann wie ihm", erinnert sich die heute 15-Jährige.

Sie kam ins Grübeln, wollte tätig werden, wollte helfen. Sie begann, die Hälfte ihres Taschengeldes, etwa zehn Euro im Monat, in ein rosafarbenes Sparschwein zu stecken, das nannte sie Rosalie. Außerdem verkaufte sie im Internet Spielsachen und Bücher, die sie nicht mehr brauchte - der Erlös sollte Obdachlosen zugute kommen.


Kurz darauf nahm sie Kontakt zum Obdachlosentagestreff Haltestelle im Reitbahnviertel auf, das von der Stadtmission Chemnitz betrieben wird. "Wir bieten Menschen, die auf der Straße leben, an, sich bei uns zu duschen und zu rasieren", erklärt Alfred Mucha, der in dem Treffpunkt arbeitet. Hygieneartikel wie Shampoo und Einwegrasierer seien jedoch im Finanzbudget seiner Einrichtung nicht enthalten - daher sei man in diesem Bereich immer auf Spenden angewiesen.

Als Janice Schmelzer das erfuhr, wurde sie aktiv. "Ich habe Winterpäckchen gepackt mit Handschuhen und Tee und im Sommer habe ich Deos, Waschgel und Mundspülungen gekauft", erzählt sie. Die gab sie dann an die Obdachlosenhilfe weiter. Zwischenzeitlich feierte die Schülerin Jugendweihe und rief ihre Gäste auf, kein Geld für Blumen auszugeben, sondern lieber Geld in das Spendensparschwein Rosalie zu stecken. Überhaupt fragte sie auch bei Freunden und Familienmitgliedern, ob die sich an ihrer Aktion beteiligen wollen - mit gemischtem Erfolg, wie sie sagt. Auch in den sozialen Netzwerken ließen sich vorerst kaum Mitstreiter finden. "Es gab viele Kommentare im Netz, etwa, dass zuerst den Rentnern geholfen werden soll", erzählt die Schülerin. Sie ließ sich davon jedoch nicht beirren. "Es gibt sehr viele Gründe, warum Leute auf der Straße leben müssen, aber keinen, sie nicht wie Menschen zu behandeln", sagt sie nachdrücklich. Also spendet sie weiter vorerst allein ihr Taschengeld.

Und dennoch möchte sie ihr Projekt öffentlich machen - natürlich auch, um weitere Spender und Helfer zu finden. Um die 450 Euro konnte sie insgesamt in den vergangenen Jahren sammeln und spenden. Auch auf dem Kosmos-Festival war sie an einem Stand vertreten, um Geld zu sammeln. Aktuell sucht sie weitere Sparschweine, die aussehen wie Rosalie - das Möbelhaus, das die Spardose einst verkaufte, hat sie nämlich aus dem Programm genommen.

Projekt Rosalie Wer mehr über das Spendensparschwein Rosalie erfahren oder helfen möchte, kann sich per E-Mail an folgende Adresse wenden:

SpendensparschweinRosalie@web.de

 

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