Wie eine Schülerlotsin den Berufsverkehr erlebt

Sechs Helfer bringen derzeit in Limbach-Oberfrohna Erstklässler sicher über die Straße. Nicht alle Autofahrer haben Verständnis, wenn sie deswegen warten müssen.

Limbach-Oberfrohna.

Die Ampel vor der Goethe-Grundschule in Limbach-Oberfrohna ist eine der bekanntesten in der ganzen Stadt. Das liegt vor allem an der Dauer der Grünphase für Fußgänger. Diese dauert knapp acht Sekunden. Für einen Erwachsenen reicht diese Zeitspanne, um die Jägerstraße zu überqueren. Doch bei vielen Kindern ist das anders. Deshalb war die Ampel schon Thema im Stadtrat. Ein Lokalpolitiker regte an, die Grünphase zu verlängern. Die Stadtverwaltung prüfte daraufhin, ob das möglich ist. Letztlich lehnte sie eine Änderung ab. Sonst gerate der Verkehrsfluss in und aus Richtung Rathausplatz ins Stocken, weil die Ampeln miteinander gekoppelt seien, hieß es zur Begründung.

Wie aber kommen die Schulkinder trotz der kurzen Grünphase sicher über die Straße? Die Antwort des Rathauses lautet: Schulweghelfer. Seit Beginn des Schuljahres am 13. August postiert sich Heike Leonhardt an jedem Werktag morgens um 7 Uhr an der Kreuzung. "Dann ist noch wenig los. Der Schwung der Schulkinder kommt erst um halb acht", sagt die Limbacherin. Sie kümmert sich besonders um die Erstklässler - von älteren Kindern wird erwartet, dass sie selbstständig sicher im Verkehr agieren. "Ich stelle mich auf die Straße und lasse Kinder auch dann noch rübergehen, wenn die Ampel für sie gerade auf Rot gesprungen ist", erklärt Leonhardt. Denn Erstklässlern fehle noch das rechte Einschätzungsvermögen.

Bei ihrer Tätigkeit bekommt die 47-Jährige hautnah den dichten Verkehr mit, wie er morgens vor vielen Grundschulen herrscht. Nicht allen Autofahrern gefällt es, wenn sie warten müssen, obwohl die Ampel für sie schon Grün zeigt. "Einige lassen das Fenster herunter und rufen, was ich da mache und was das soll. Aber das prallt an mir ab", berichtet die Schülerlotsin. Sie konzentriere sich darauf, die Mädchen und Jungen sicher über die Straße zu bringen. Die Mehrheit der Autofahrer zeige dafür Verständnis.

Auch für Eltern, die ihre Kinder auf dem Weg zur Schule begleiten, gelte: Die meisten sind nett. Einige bedanken sich laut Leonhardt für die Hilfe. Sie erlebe aber auch unüberlegtes Verhalten. "Einige Eltern gehen mit ihren Kindern bei Rot über die Straße. Was sind das denn für Vorbilder?", wundert sich die Limbacherin. Die Schüler selbst seien alle freundlich. Deshalb mache sie den Job auch gerne, sagt Leonhardt. Zudem lohne er sich auch finanziell: Die derzeit arbeitslose gelernte Hauswirtschaftlerin ist noch bis Anfang kommenden Monats geringfügig bei der Stadt beschäftigt und kann sich so ihre Bezüge aufbessern.

Insgesamt sind derzeit sechs Schülerlotsen in der Stadt tätig, die alle im Vorfeld eine Schulung durchlaufen haben. Die weiteren Einsatzorte sind die Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Oberfrohna sowie der Zebrastreifen auf der Albert-Einstein-Straße in Höhe Marktsteig. Zudem begleitet eine Schulweghelferin Flüchtlingskinder im Bus. Die Einsatzorte orientieren sich an den sogenannten Schulwegplänen, die alle Familien von Erstklässlern vor Schulbeginn erhalten. "Der Hauptbestandteil ist ein Stadtplan mit eingezeichneten Schulwegen, die von der Stadt als sicher empfohlen werden", sagt Heiko Schönherr, der zuständige Mitarbeiter im Rathaus. Es lasse sich aber nicht vermeiden, dass die Schulkinder an bestimmten Stellen Straßen überqueren müssen. Dort sei der Einsatz der Schülerlotsen sehr hilfreich, betont Schönherr. Noch zu Schuljahresbeginn war ein weiterer Helfer an der Ecke Anna-Esche-Straße/Anna-Esche-Gässchen postiert. Als sich aber herausstellte, dass fast keine Erstklässler diesen Weg zur Goetheschule wählen, wurde der Schülerlotse dort abgezogen.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    kdchirst
    18.09.2018

    "Schülerlotsin lehrt Erstklässlern, dass man die Straße auch bei roter Ampel überqueren kann."
    Pädagogisch wertvoll?
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf diese Weise die Sicherheit erhöht wird.

    Ob Fußgänger bei einer Grünphase sicher die andere Straßenseite erreichen hängt nicht von der Dauer der Grünphase ab, sondern der Pause zwischen dem Umschalten auf Rot für die Fußgänger und Grün für die Fahrzeuge. Und wer nach dem Umschalten auf Rot losgeht, gefährdet seine Sicherheit.

    Vielleicht besteht ja ein Problem darin, dass für die während der Rotphase ankommenden und wartenden Schüler der Platz auf dem Fußweg nicht ausreicht. Aber dann sollte man das Problem auch so benennen.



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