Wie es bei Röhrsdorf mit der neuen Stromautobahn weitergeht

Über Gebäude hinweg oder südlich am Ort vorbei? Das ist die Frage beim Ausbau einer großen Trasse nach Thüringen. Nun gab es einen Erörterungstermin.

Wohl kaum einer der ländlichen Ortsteile am Stadtrand von Chemnitz ist überregional von solcher Bedeutung wie Röhrsdorf. Nicht nur wegen der noch immer wachsenden Gewerbegebiete samt eines der größten Einkaufszentren Ostdeutschlands. Auch auf der Landkarte der wichtigsten Stromversorgungsleitungen Deutschlands und Mitteleuropas hat Röhrsdorf einen festen Platz - dank des dort unweit der Autobahn nach Leipzig angesiedelten Umspannwerkes.

Mit 27 Hektar Fläche zählt es zu den größten, die der für Ostdeutschland und Hamburg zuständige Netzbetreiber "50 Hertz" unterhält. Das Unternehmen ist einer von deutschlandweit nur vier Betreibern sogenannter Höchstspannungsübertragungsnetze in Deutschland. Das sind jene "Stromautobahnen", die das Rückgrat der Energieversorgung bilden.

Umspannwerke wie das in Röhrsdorf bilden gewissermaßen die Kreuzungen in diesem System. In Röhrsdorf etwa beginnt ein wichtiger Abzweig nach Tschechien. Zudem führen von dort - kleineren Landstraßen ähnlich - mehrere Trassen des sogenannten Verteilnetzes des regionalen Netzbetreibers Mitnetz in die Region und ins Stadtgebiet Chemnitz.

Ob Höchst-, Hoch- oder Mittelspannung: Der Ausbau der erneuerbaren Energien stellt die Netzbetreiber seit Jahren vor allerlei neue Herausforderungen. Nach Angaben von "50Hertz" wird mittlerweile etwa die Hälfte des Verbrauchs in Ostdeutschland und Hamburg aus erneuerbaren Energien gedeckt. Von Gegend zu Gegend fallen die Anteile allerdings recht unterschiedlich aus. In Brandenburg etwa wird laut Mitnetz dreimal so viel erneuerbare Energie erzeugt wie an Endverbraucher insgesamt abgegeben wird. In Sachsen liege dieser Anteil hingegen bei 43 Prozent - einem vergleichsweise niedrigen Wert.

Das Problem: Die Stromerzeugung aus Windkraft und Sonnenenergie unterliegt wetterbedingten Schwankungen, die innerhalb des Netzes ausgeglichen werden müssen. Im vergangenen Jahr waren laut Andreas Franke, dem für Südsachsen zuständigen Leiter Genehmigungen/Liegenschaften bei Mitnetz Strom, beinahe an jedem Tag Eingriffe des Betreibers nötig, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden.

Um die steigenden Strommengen aus erneuerbaren Energien beherrschen zu können, soll ab Röhrsdorf eine der bestehenden Höchstspannungs-Freileitungen auf einer Länge von rund 100 Kilometern durch eine neue ersetzt werden - mit höheren Masten und einer um 40 Prozent höheren Übertragungskapazität. Ob diese nach Thüringen führende Trasse entlang der bestehenden Leitung an der A 72 in Richtung Norden gebaut wird oder in weitem Bogen südlich in der Nähe der A 4 in Richtung Pleißa, Langenberg und von dort vorbei nach Uhlsdorf, an dieser Frage schieden sich zuletzt die Geister.

Die Röhrsdorfer sind sich laut Ortsvorsteher Hans-Joachim Siegel relativ einig. Sie würden der Süd-Variante den Vorzug geben, da die andere Trasse über etliche Gebäude hinwegführt. "Im Ort wären mehrere Mehrfamilienhäuser, eine Kindertagesstätte, eine Autoreparaturwerkstatt sowie eine Kleingartenanlage betroffen", heißt es in einer Stellungnahme des Ortschaftsrates an die Bundesnetzagentur. Eine Entscheidung für die Südvariante hingegen würde "zu einer entscheidenden Verbesserung der Lebensbedürfnisse der Einwohner von Röhrsdorf führen".

Ob sich die Röhrsdorfer mit ihren Argumenten durchsetzen, ist offen. Ortsvorsteher Siegel zeigt sich nach einem Erörterungstermin Ende vergangenen Monats in Limbach-Oberfrohna guter Dinge. Denn nach anfänglichen planungsrechtlichen Bedenken kann sich mittlerweile auch Netzbetreiber "50 Hertz" mit dieser Variante anfreunden, bestätigt Dirk Manthey, zuständig für die Öffentlichkeitsbeteiligung. Gegenwind indes kommt aus der Nachbargemeinde Callenberg.

Das letzte Wort zur Trassenführung liegt bei der Bundesnetzagentur, die alle Argumente gegeneinander abzuwägen hat. Läuft alles nach Plan, können Masten und Kabel ab 2022 montiert werden. Die Fertigstellung ist für 2025 vorgesehen.

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