Wie es beim CFC weitergehen könnte

Bei der Mitgliederversammlung scheiterte die Wahl eines Aufsichtsrates. Am Zug ist nun wohl wieder das Gericht. Die Gesellschafter sagen trotz der verfahrenen Lage weitere Unterstützung zu.

Warum ist die Aufsichtsratswahl gescheitert?

Weil mit Annette Neuerburg, Norman Löster, Tino Kermer und Knut Müller nur vier Kandidaten gewählt wurden. Der Rat muss laut Satzung aber aus mindestens fünf Personen bestehen. Die Vereinsmitglieder verweigerten Katrin Johst und Doreen Pfeifer die Zustimmung. Der siebte Kandidat, Unternehmer Olaf Pönisch, zog seine Kandidatur kurzfristig zurück, nachdem eine Wahl aller Kandidaten im Block keine Mehrheit gefunden hatte und einzeln abgestimmt wurde. Er begründete dies damit, dass er nur gemeinsam mit den anderen Kandidaten gewählt werden wollte.


Warum haben die Mitglieder zwei Kandidatinnen durchfallen lassen?

Darüber lässt sich nur mutmaßen. Im Vorfeld hatte es Streit zwischen dem gerichtlich bestellten Notvorstand und Insolvenzverwalter Klaus Siemon gegeben. Siemon hatte mehr Gesellschafter der GmbH im Aufsichtsrat gefordert und mit dem Ende des Vereins gedroht, sollte dem nicht nachgekommen werden. Einige Mitglieder und Fans sprachen deswegen von Erpressung. In einem vor der Versammlung verteilten Info-Blatt aus der Fanszene wurde dazu aufgerufen, einen Teil der Kandidaten, die sich der CFC-Kapitalgesellschaft zuordnen lassen, nicht zu wählen, darunter beispielsweise Katrin Johst, die als "Marionette" bezeichnet wurde. Die Mitglieder äußerten zudem die Sorge, die sogenannte 50+1-Regel des Deutschen Fußballbundes könne unterwandert werden. Die Regel besagt, dass Investoren nicht die Stimmenmehrheit an einer aus einem Sportverein ausgegründeten Kapitalgesellschaft übernehmen dürfen.

Was bedeutet die gescheiterte Wahl für den Verein?

Der Verein hat damit keinen neuen Aufsichtsrat. Dieses Gremium ist laut Vereinssatzung dafür zuständig, einen neuen Vorstand zu bestellen, der wiederum die Geschäfte führt. Die Mitglieder haben am Montagabend aber einen neuen Ehrenrat gewählt. Dieses Gremium muss nun eine neue Namensliste erarbeiten mit Personen, die bei einer neuen Mitgliederversammlung für den Aufsichtsrat kandidieren wollen.

Kann nicht der Notvorstand weiter agieren?

Der noch existente Notvorstand ist von drei auf zwei Mitglieder geschrumpft, nachdem Andreas Georgi während der Mitgliederversammlung seinen Rücktritt erklärt hat. Der Notvorstand ist damit nicht mehr beschlussfähig, aber er bleibt weiterhin handlungsfähig. Die verbliebenen Mitglieder des Vorstandes, Annette Neuerburg und Frank Sorge, können zum Beispiel beim Amtsgericht die Satzungsänderung anzeigen. Die Amtszeit der Notvorstände endet allerdings Ende August. Dann muss das Gericht einen neuen Notvorstand bestellen.

Wird der Verein nun abgewickelt?

Damit hatte Insolvenzverwalter Klaus Siemon im Vorfeld für den Fall gedroht, dass die Aufsichtsratswahl scheitert. Siemon, der der Versammlung am Montag trotz Einladung fernblieb, äußerte sich am Dienstag auf Anfragen der "Freien Presse" nicht zu den Vorgängen. Notvorstandsmitglied Annette Neuerburg sagte der "Freien Presse": "Dass Siemon jetzt den Verein abwickelt, halte ich für genauso wahrscheinlich wie vor der Mitgliederversammlung am Montag." Der Insolvenzverwalter brauche ja die Gläubiger- und Mitgliederversammlung, so die Auffassung der Juristin.

Kann der Insolvenzverwalter den Vereinsbetrieb stilllegen?

Sollte der Insolvenzverwalter zur Erkenntnis kommen, dass es keine Aussicht auf eine Sanierung des Vereins gibt, kann er die Stilllegung des Geschäftsbetriebes veranlassen, sagt der Chemnitzer Fachanwalt Martin Krause von "Wille Insolvenzverwalter Rechtsanwälte". Dazu könne er eine neue Gläubigerversammlung einberufen, die einen ändernden Beschluss zur Betriebsstilllegung fällt. Er könne aber unter Umständen auch den rechtlichen Standpunkt vertreten, dass die Beschlussfassung über die uneingeschränkte Fortführung des Vereins in der ersten Gläubigerversammlung unwirksam war und eine Stilllegung aufgrund des Scheiterns der Sanierungsbemühungen ohne weitere Anhörung der Gläubigerversammlung umsetzen, so Krause.

Welche Auswirkungen hätte das auf die Drittliga-Mannschaft?

Keine unmittelbaren, da die CFC-Kapitalgesellschaft für den Spielbetrieb der Profis verantwortlich ist. Allerdings ist der Verein mit 51 Prozent Hauptanteilseigner an dieser GmbH. Was passiert, wenn der Verein tatsächlich aufgelöst wird, ist offen. Womöglich könnte theoretisch ein anderer oder neuer Verein diese Anteile übernehmen. Ob dann das Spielrecht für die Dritte Liga erhalten bleibt, darüber gibt es in den Statuten des Deutschen Fußballbundes keine Aussagen.

Unabhängig davon: Drohen dem CFC finanzielle Einbußen?

Einige Gesellschafter hatten vergangene Woche angekündigt, ihr Sponsoring-Engagement für den CFC einzustellen, sollte die Aufsichtsratswahl scheitern. Am Dienstagabend gaben sie bekannt, ihre Unterstützung fortsetzen zu wollen. Davon abgesehen dürfte der neuerliche Imageschaden es dem CFC schwer machen, Sponsoren und Investoren zu finden. Das sei schon nach der Trauerbekundung für einen verstorbenen Neonazi im Stadion im März ein Riesenproblem gewesen, sagte Gesellschafter Udo Pfeifer: "Der 9. März war ein wirtschaftlicher Totalschaden." Man habe seitdem keinen einzigen neuen Sponsor für den CFC gewinnen können, so Pfeifer.

Was bedeutet das für die Nachwuchsarbeit des CFC?

Das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ), dessen Teams derzeit so erfolgreich wie noch nie sind, soll laut einem Beschluss der Mitglieder im insolvenzfreien Bereich des Vereins fortgeführt werden. Finanziert werden soll es über Fördergelder und ausstehende Mitgliedsbeiträge. Um diese Beiträge - jährlich insgesamt 200.000 Euro - einzutreiben, beschlossen die Mitglieder eine Satzungsänderung: Demnach ist die Zahlung von Beiträgen in einem Insolvenzverfahren nicht mehr freiwillig, sondern Pflicht. Weil die nicht sofort greift, sollen Mitglieder kurzfristig eine Sonderumlage zahlen. Allerdings setzt der Verein bei Verwaltungsaufgaben im NLZ auch auf die Hilfe der Gesellschafter.

Wie könnte es weitergehen?

Um einen Aufsichtsrat zu wählen, muss eine neue Mitgliederversammlung einberufen werden. Das ist Aufgabe des Vorstands. Weil es den nicht gibt, müsste das Amtsgericht erstmal einen neuen Notvorstand bestellen. Ein Sprecher des Gerichts sagte, man warte nun darauf, dass ein entsprechender Antrag eingereicht werde. "Ich bin in Gesprächen, wer als Kandidat für den Notvorstand infrage kommt", sagte Notvorständin Annette Neuerburg am Dienstag der "Freien Presse" und ergänzte: "Hektik bringt uns aber jetzt auch nicht weiter." Neuerburg kündigte an, selbst als Notvorständin weitermachen zu wollen. "Was wäre denn die Alternative, wenn ich jetzt auch noch hinschmeißen würde?", fragte sie. Ist ein neuer Notvorstand eingesetzt, dürfte die Vorbereitung einer neuerlichen Mitgliederversammlung aber noch einmal Wochen oder Monate dauern. Für die Auswahl der Aufsichtsratskandidaten wäre wie bisher der Ehrenrat zuständig. (mit juerg/su)

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