Wie es mit den Bädern weitergehen soll

Neubauten und Erweiterungen sind schon lange beschlossen, andere Vorhaben wurden vorerst abgelehnt. Wie ist der aktuelle Stand aller Projekte in Chemnitz?

Allwetterbad Bernsdorf: Im Dezember 2016 hatte der Stadtrat per Grundsatzbeschluss entschieden, das Bernsdorfer Freibad durch den Bau einer neuen Schwimmhalle zu einem sogenannten Allwetterbad zu erweitern. Die Halle, deren Kosten damals auf etwa 13 Millionen Euro geschätzt wurden, soll den Plänen nach ein Becken mit sechs 25-Meter-Bahnen, einen Sprungbereich mit Drei-Meter-Plattform, ein Nichtschwimmer- und ein Planschbecken aufweisen.

Nach dem Stadtratsbeschluss wurde 2017 ein Architekturwettbewerb durchgeführt, aus dem im März 2018 zwei Dresdner Büros als Sieger hervorgegangen sind und den Zuschlag für die Planungsleistungen erhalten haben. Die ersten Teile der sogenannten Genehmigungsplanung zum Bauantrag lägen inzwischen vor, teilte der auch für Sportstätten zuständige Sozial- und Kulturbürgermeister Ralph Burghart jetzt auf Anfrage mit. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2020 beginnen, um den Neubau bis Ende 2022 abschließen zu können. Denn bis dahin müssen die dafür bereitstehenden Fördergelder ausgegeben sein.


Schwimmhalle im Sportforum: Auch die wettkampftaugliche Erweiterung der Schwimmhalle im Sportforum unter anderem um Plätze für Zuschauer ist bereits seit Anfang 2017 beschlossene Sache. Mit dem Baubeginn soll allerdings gewartet werden, bis das neue Hallenbad in Bernsdorf fertiggestellt ist und die Schwimmsportler und Wasserballer für Training und Wettkämpfe dorthin ausweichen können. Das heißt: Baustart an dem Vorhaben, für das knapp acht Millionen Euro veranschlagt sind, kann frühestens 2023 sein. Um die Planungen rechtzeitig abschließen zu können, sind 650.000 Euro im Haushalt für 2020 eingestellt.

Hallenbad am Küchwald: Der von Bürgern im Norden der Stadt und von Stadträten von CDU und FDP favorisierte Bau eines neuen Hallenbades am Eissportkomplex am Küchwald war Ende 2016 von der Mehrheit der Stadträte zugunsten des Neubaus in Bernsdorf abgelehnt worden. Die CDU will sich aber weiter für ein Bad an dem Standort im Norden der Stadt einsetzen und hatte das auch vor der Kommunalwahl am 26. Mai als wichtiges Ziel im Bereich Kultur und Sport angegeben. "Wir behalten das Bad auf jeden Fall auf unserer Agenda", sagt auf Anfrage Tino Fritzsche, der Vorsitzende der mit 13 Sitzen künftig stärksten Stadtratsfraktion. Eine reelle Chance, Geld für den Bad-Neubau einzuplanen, bestehe aber erst wieder Ende 2020 in der Diskussion über den Doppelhaushalt für die Jahre 2021/22, so Fritzsche.

Dabei kann die CDU voraussichtlich mit Unterstützung weiterer Fraktionen rechnen. "Für uns steht fest, dass der Chemnitzer Norden ein Bad braucht", so SPD-Fraktionschef Detlef Müller. Er könne sich vorstellen, dass als Standort dafür der Eissportkomplex, dessen Schnelllaufbahn und Eishalle ohnehin modernisiert werden sollen, gut geeignet sei. Endgültige Klarheit darüber erhoffe er sich aus einer Studie, die man dazu Anfang 2017 gemeinsam mit Linken und den Grünen in Auftrag gegeben hatte.

Auch die Grünen erachten ein Hallenbad am Küchwald, das energiesparend mit Abwärme vom Eissportkomplex beheizt werden könnte, für sinnvoll. Allerdings müsse die Verwaltung zunächst den Bedarf nachweisen, sagt Stadtrat Bernhard Herrmann auf Anfrage.

Freibad Erfenschlag: Die CDU-Fraktion hat die Hoffnung auf eine Wiedereröffnung des 2014 geschlossenen Freibades in Erfenschlag noch nicht aufgegeben, sagt Fraktionschef Fritzsche. "Der Stadtratsbeschluss von 2017, das Bad an den Bürgerverein Erfenschlag zu übergeben, ist ja nach wie vor gültig", erinnert er. Allerdings hatte sich während der Haushaltsdiskussion für 2019/20 keine Mehrheit dafür gefunden, dem Bürgerverein auch das für Sanierung und Betrieb des Bades erforderliche Geld zur Verfügung zu stellen.

Die Stadtverwaltung will das Badgelände zu einer Freizeitanlage ohne Schwimmbecken umgestalten und sucht dafür zurzeit Ideen bei einer Online-Abstimmung zur Kulturhauptstadt-Bewerbung. Für die SPD-Fraktion hat sich das Thema Freibad in Erfenschlag erledigt. "Im Chemnitzer Süden gibt es genügend Freibäder. Die Anlage in Erfenschlag wieder zu aktivieren, ist für uns schwer vorstellbar", sagt Fraktionschef Müller. Die Grünen wünschen sich laut Bernhard Herrmann Abstimmungen und Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Bürgerverein über die künftige Nutzung der Freibad-Flächen.

Aus Sicht der Linken sollten zuerst die Beschlüsse für das Bernsdorfer Bad und die Schwimmhalle im Sportforum umgesetzt werden, bevor über weitere Investitionen im Bäderbereich diskutiert wird, erklärt Fraktionschefin Susanne Schaper.

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