Wie Initialen an die Fassade der Galerie gelangten

Ehepaar erinnert sich an Bau des Einkaufszentrums in der Innenstadt

Manch einem werden sie auch nach 20 Jahren noch gar nicht aufgefallen sein: die 35 kleinen Namenstafeln, die an der Nordseite des innerstädtischen Einkaufszentrums Galerie Roter Turm, direkt neben dem Restaurant Alex, ins Mauerwerk eingelassen sind. Am 5. März 2000, zum 55. Jahrestag der Bombardierung der Stadt Chemnitz im Zweiten Weltkrieg, hatte der Bauherr des Gebäudes, Dieter Füsslein, ein Teilstück der Centerfassade enthüllen lassen und 35 der insgesamt 120.000 Terrakottaziegel des Bauwerks zur Verewigung mit Namen, Initialen oder sonstigen Zeichen zur Verfügung gestellt.

Der Andrang derer, die etwas Persönliches in den Ton gravieren wollten, sei riesig gewesen, erinnert sich Simone Reich. Die heute 54-Jährige war am 5. März 2000 gemeinsam mit ihrem Mann Mario und dem damals 16-jährigen Sohn David bei dem Spektakel dabei. Das Trio prägte ihre jeweiligen Initialen in einen Ziegel. Außerdem die Abkürzung EK 88. "Das steht für Entlassungskandidat 1988 und erinnert mich an meine Armeezeit in Tautenhain. Die hat mich geprägt", erzählt Mario Reich, der bei der Aktion 37 Jahre alt war.

Dass Familie Reich sich auf den Ziegeln verewigt hat, sei purer Zufall gewesen, berichteten sie am Samstag. "Wir wussten vorher überhaupt nichts von der Aktion, denn eigentlich wollten wir ganz woanders hin", erzählt Mario Reich. Das Ziel der Familie sei das Puhdys-Baugrubenkonzert gewesen, das am 5. März 2000 hinter jener Galerie-Fassade stattfand. Auf dem Weg dorthin sei den Reichs dann eine Menschenmenge vor der neuen Fassade aufgefallen. Männer und Frauen knieten vor Holzpaletten, auf denen die Ziegel zum Beschriften lagen. "Da wollten wir dann auch mitmachen", erinnert sich Simone Reich. In den 20 Jahren, seit es die Ziegel nun an der Fassade des Einkaufszentrums gibt, schaue das Ehepaar regelmäßig bei Stadtbummeln an der Wand vorbei und erinnere sich an den 5. März 2000. "Es war grau und kalt - so wie heute", weiß Mario Reich noch genau.

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