Wie Limbach-Oberfrohna alle Oberschulen sichern will

Eine Klasse pro Jahrgang reicht künftig aus - Stadtrat reagiert mit Beschluss auf Anmeldezahlen

Limbach-Oberfrohna.

Der Limbach-Oberfrohnaer Stadtrat hat einen Beschluss gefasst, mit dem das Ziel verfolgt wird, alle drei Oberschulen in der Stadt langfristig zu erhalten. Die "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen dazu.

Was hat der Stadtrat beschlossen?

Christoph Ulrich

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Der Beschluss sieht vor, dass die drei Oberschulen in Limbach-Oberfrohna ab dem nächsten Schuljahr auch einzügig bestehen können, also mit nur einer Klasse pro Jahrgang, falls die Schülerzahlen dies nötig machen sollten.

Ist eine Einzügigkeit normalerweise erlaubt?

Nein. Laut Sächsischem Schulgesetz müssen Oberschulen mindestens zweizügig sein. Hintergrund ist, dass das Personal besonders für Wahlfächer und Arbeitsgemeinschaften effizienter eingesetzt werden kann, je größer die Schule ist. Für die Regelung werden allerdings mehrere Ausnahmen zugelassen. Eine davon sieht vor, dass bereits bestehende Oberschulen außerhalb von sogenannten Oberzentren, wie Chemnitz eines darstellt, auch einzügig weitergeführt werden können. Limbach-Oberfrohna ist als Mittelzentrum eingestuft und kann jene Ausnahme damit in Anspruch nehmen.

Welches Ziel verfolgen Rathaus und Stadtrat mit dem Beschluss?

"Der Kernpunkt ist, die Schulen zu erhalten", sagt Oberbürgermeister Jesko Vogel. Das Landesamt für Schule und Bildung habe der Stadtverwaltung empfohlen, die Möglichkeiten des Schulgesetzes voll auszuschöpfen - auch vorbeugend für alle drei Oberschulen, damit nicht jedes Mal, wenn Handlungsbedarf besteht, erneut ein entsprechender Beschluss gefasst werden muss. Auch mehrere Stadträte sprachen sich dafür aus, alle Oberschulen zu erhalten.

War deren Bestand denn bislang gefährdet?

Nein. In den vergangenen Jahren gab es in Limbach-Oberfrohna genug Oberschüler. Meist konnten insgesamt sechs oder sieben Klassen gebildet werden, also insgesamt mindestens zwei pro Schule. Eine Ausnahme bildete das Schuljahr 2017/18, als an der Gerhart-Hauptmann-Oberschule nur eine 5. Klasse zustande kam. Wegen dieses Ausreißers stand aber nicht gleich die Existenz der Schule zur Debatte.

Warum wurde dann der Ratsbeschluss überhaupt gefasst?

Dafür gibt es drei Gründe. Erstens steigen die Schülerzahlen laut Prognosen noch wenige Jahre an, um dann über einen längeren Zeitraum zu sinken. Mitte der 2020er-Jahre droht demnach mindestens einer Schule die Einzügigkeit. Zweitens will im August das neue Evangelische Schulzentrum seinen Betrieb aufnehmen, das damit in Konkurrenz zu den bestehenden staatlichen Oberschulen tritt. Und drittens hat sich in den vergangenen Jahren ein Ungleichgewicht bei den Anmeldezahlen herausgebildet. Während die Pestalozzischule Rekordzahlen vermeldete, bildete die Gerhart-Hauptmann-Schule stets das Schlusslicht (siehe Grafik). Um dort dennoch zwei Klassen bilden zu können, mussten viele Fünftklässler umgeleitet werden - was bei den Betroffenen und ihren Eltern nicht für Begeisterung sorgte.

Wie ist das Ungleichgewicht zu erklären?

Da die Eltern nicht zu den Gründen für ihren Entschluss gefragt werden, kann man nur mutmaßen. Andreas Böhm, Leiter der Geschwister-Scholl-Schule, nennt die gute Busanbindung und die zentrale Lage der Pestalozzischule als Gründe für deren Beliebtheit. Nach Angaben von OB Vogel ist die Gerhart-Hauptmann-Schule mit Blick auf die pädagogischen Angebote und die Berufsorientierung nicht schlechter aufgestellt als die anderen Schulen.

Welche praktischen Folgen hat der Ratsbeschluss?

Die Stadt gewinnt an Flexibilität. Künftig können beispielsweise an einer Schule drei Klassen gebildet werden und an einer anderen nur eine, falls dies je nach Anmeldezahl für sinnvoll erachtet wird. jop

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