Wie Musiker aus zwölf Nationen ein eingespieltes Team werden

Die Sommerphilharmonie und der dazugehörige Chor geben am Mittwoch ihr Konzert. Die Probenzeit ist knapp bemessen. Doch genau das bringt die Teilnehmer zu Bestleistungen, sagt der Dirigent.

Schloßchemnitz.

Im gestreiften T-Shirt steht Michael Käppler vor den Streichern. Die Fenster der Aula der Schloßschule, in der geprobt wird, stehen offen. Die Hitze der letzten Tage steckt noch im Raum. Draußen macht der Regen gerade eine Pause, der Blick fällt auf sattes Grün. Eigentlich sollte das Ensemble jetzt da draußen sitzen. Doch das Wetter hat den Plan zunichte gemacht. Statt öffentlich draußen - für Dienstag war eine Probe auf dem Marktplatz angekündigt - fanden die Musiker Zuflucht in der Schule.

"Ich glaube, ihr könnt das noch viel besser", sagt Käppler zu den Musikern vor ihm, nachdem sie einige Takte von Mozarts Ouvertüre zu "La finta giardiniera" KV 196 gespielt haben. Konzertmeisterin Adéla Drechsel hat Verbesserungsvorschläge. Sie nimmt ihre Violine zur Hand und sagt, "spielt nicht das" und macht es vor, "sondern spielt das" und zeigt der Gruppe, wie das Stück klingen soll. Die Geigen sollen auf einen bestimmten Ton achten - "das ist eine Viertelnote!" - und auf das Crescendo am Ende - "spielt es auch wirklich!". In ihren Erklärungen greift sie auf drei, eigentlich vier Sprachen zurück: Tschechisch, Deutsch und Englisch spricht sie. Doch die Musik müsste man als vierte Sprache dazu rechnen.

Sommerphilharmonie und der Chor sind ein Projekt der Sächsischen Mozartgesellschaft. Laien-Musiker treffen sich, um unter der Anleitung von Profis - pro Stimmgruppe gibt es mindestens einen Mentor oder eine Mentorin - ein Konzert einzustudieren. Dabei sind die Altersgruppen so verschieden wie die gesprochenen Sprachen. Die Jüngsten gehen noch zur Schule. "Wir haben in diesem Jahr mit 148Sängern und Musikern so viele Teilnehmer wie noch nie", sagt eine Sprecherin der Mozartgesellschaft. Sie kommen aus zwölf Nationen, darunter viele aus Tschechien, da es sich um ein deutsch-tschechisches Projekt handelt. Es gibt aber auch Teilnehmer aus beispielsweise Chile, Argentinien, Japan und Honduras. Seit Samstag proben sie zusammen. Das Konzert findet am heutigen Mittwoch um 18 Uhr auf der Küchwaldbühne statt und am Donnerstag noch einmal in Chomutov.

Käppler hat zum ersten Mal die Gesamtleitung des Projekts inne. Der 31-Jährige stammt aus Lengefeld im Erzgebirge und studierte in Dresden zunächst Kirchenmusik, dann Dirigieren. Dass er für die Sommerphilharmonie geeignet ist, macht sich dem Außenstehenden schnell verständlich. Denn Käppler spricht nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch Tschechisch. Er habe in einer Kirchgemeinde in Dresden gearbeitet, die einen Partnerchor in Tschechien hatte. Das habe ihn motiviert, die Sprache zu lernen.

Heute ist er zu 50 Prozent angestellt als künstlerischer Mitarbeiter für Chor- und Ensembleleitung an der Universität Erfurt. Die anderen 50 Prozent seiner Zeit ist er freischaffend. Da organisiert er zum Beispiel ein ähnliches Projekt wie die Sommerphilharmonie, nämlich die Konzertwerkstatt Dresden. Im vergangenen Jahr gestaltete er das als deutsch-tschechisches Projekt und lernte Luboš Hána aus Ústí nad Labem kennen. Dieser leitet seit Jahren den Chor der Sommerphilharmonie. Adéla Drechsel war auch dort Konzertmeisterin. "Und so kam irgendwann die Anfrage, ob ich bei der Sommerphilharmonie mitmache", sagt Käppler.

Das Programm in diesem Jahr trägt den Titel "Ein Sommernachtstraum - Märchen und Mythen". Es werden bekannte Stücke wie der Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Bartholdy dabei sein, aber auch Stücke, die selbst Käppler bisher nicht kannte. Dazu zähle eine witzige und vielfältige Vertonung des Märchens "Die goldene Gans" von Gustav Holst und die Aladdin-Suite von Carl Nielsen.

Die Probenzeit ist knapp, jeder Teilnehmer muss gut vorbereitet erscheinen. "Wir proben intensiv den ganzen Tag. Das geht an die Grenze der Belastbarkeit", so der Dirigent. Doch bei dieser besonderen Atmosphäre "funktionieren Dinge, die sonst nicht klappen". Auch der Konzerttermin im Nacken sei hilfreich. "Angesichts der Begeisterung wachsen die Leute über sich hinaus", hat Käppler bemerkt. Zur besonderen Atmosphäre gehört auch die Internationalität, ist sich Käppler sicher: "Ich komme mit der Zeit ganz durcheinander, wer woher kommt. Aber genau darum geht es ja".

Das Konzert "Ein Sommernachtstraum - Märchen und Mythen" findet am Mittwoch um 18 Uhr auf der Küchwaldbühne statt. Karten gibt es in den Shops der "Freien Presse" für 16, ermäßigt 10 Euro.

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