Wie Nistkästen Wildbienen helfen sollen

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Ein Imker will Siedlungsorte für die Insekten in der Stadt schaffen. Das Projekt soll nicht nur eine Alternative zum Anlegen von Blühwiesen sein.

Im Wintergarten des Hauses von Dirk Liesch steht ein Nistkasten - für Vögel ist er jedoch nicht gebaut worden. Dafür ist in dem Kasten auch gar kein Platz. Denn der Nistplatz besteht aus zehn flachen Platten, in die Dirk Liesch etwa 15 Zentimeter lange Löcher mit einem Durchmesser von rund acht Millimetern gebohrt hat. In den etwa 100Kanälen sollen Wildbienen ihre Eier legen. Einige der Löcher sind zugeklebt. Dort haben Wildbienen ihre Arbeit schon verrichtet und mit feuchtem Lehm, den Dirk Liesch in der Nähe bereitgestellt hat, die Nistlöcher zum Schutz vor ungebetenen Besucher geschützt. Bis zu 1000neue Wildbienen können dort schlüpfen, wenn die Kästen nicht von Parasiten wie Schwebfliegen und Wespen befallen werden. Zudem sollen die Kästen den Insekten bei der Überwinterung helfen.

"Wildbienen geht es schlecht", sagt Liesch. Hauptsächlich deshalb, weil sie zu wenig Lebensraum haben. Mehr als 600 Wildbienenarten gibt es in Deutschland, sagt der Imker. Davon sind laut Roter Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten jedoch viele Bestände rückläufig, bedroht oder schon ausgestorben. Dabei sind Wildbienen besonders wichtig für den Erhalt der Vielfalt auf Wiesen und Feldern, weil sie eine viel höhere Bestäubungsrate als Honigbienen haben und auch anpassungsfähiger sind, sagt Thomas Scherzberg vom Agenda-Beirat des Umweltzentrums. Zudem seien sie weniger anfällig für Krankheiten als hochgezüchtete Honigbienen.

Um verstärkt Wildbienen anzusiedeln, ruft Dirk Liesch nun Chemnitzer auf, sich Nistkästen auf Balkone und in Gärten zu stellen. Der Imker gibt Onlinekurse zur Bienenzucht. Dabei habe er sich auch mit Wildbienen beschäftigt, sagt er. Mit einem Nistkasten können Mauerbienen, eine Gattung der Wildbienen, unterstützt werden, da sie in Röhren nisten. "Sie brauchen Nistplätze und Futterangebote." Mit der Werkstatt für behinderte Menschen hat sich Liesch einen potenziellen Partner ins Boot geholt. "Wenn sich 100 Abnehmer finden, will die Werkstatt die Nistkästen produzieren", sagt Liesch. 25 Interessenten hat er schon gefunden, auch der Kleingartenverein "Grüner Hang" will sich an der Aktion beteiligen, sagt Liesch. Stadtteilzentren, weitere Vereine, Schulen und Umweltschutz-Initiativen können sich ebenso bei ihm melden. Die Kästen sollten möglichst an einem sonnigen, regengeschützten Platz aufgestellt werden. "Wildbienen mögen es warm", sagt Liesch. Den Bestellungen für einen Nistkasten will er eine Pappschachtel mit je fünf Gehörnten und Rostroten Mauerbienen beilegen. Interessenten sollten sich bei ihm bis Ende August melden, damit die Nistkästen produziert werden können. Aufgestellt werden sollten sie ab Februar. Zumeist im März beginnt nicht nur der Nachwuchs zu schlüpfen, sondern auch schon die Hauptbestäubungszeit, verweist Liesch.

Er hofft, dass die Bevölkerung durch das Projekt nicht nur mehr über Wildbienen erfährt, sondern auch für diese Insekten sensibilisiert wird. Zahlreiche Nistplätze können auch zu einer Vermehrung der Mauerbienen beitragen und somit beispielsweise die Bestäubung von Pflanzen in Kleingartenvereinen sichern, sagt Liesch. So könnten diese unabhängiger von der Bestäubung durch Honigbienen, aber auch vom Wetter und benachbarten Anbaugebieten wie etwa Rapsfeldern gemacht werden, denn Wildbienen bestäubten Flächen nahe ihres Siedlungsortes. Er kann sich vorstellen, dass Kleingartenvereine einen Nistkasten als Modell in den Eingangsbereich der Anlage stellen, um so möglichst viele Pächter über das Vorhaben zu informieren.

Nistkästen seien zudem eine einfachere Möglichkeit, Bienen zu helfen, betont Dirk Liesch. "Sie sind für alle etwas, die Gutes für die Natur tun wollen." Es müsse nicht immer ein Honigbienen-Volk sein, das man sich in den Garten stellt, oder eine Blühfläche, um Insekten zu unterstützen, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Imkervereins Chemnitz 1874. Dabei könnten auch Fehler gemacht werden. So sei es etwa kritisch, nur ein Volk zu halten, weil das unter Umständen eingehen könne. Zudem müssten die Halter Wissen über Bienen-Krankheiten, etwa über die Varoa-Milbe und die Amerikanische Faulbrut haben, die Bienen schwer zusetzten. Zudem rät Liesch davon ab, Bienenvölker im Internet zu kaufen. So könnten beispielsweise Krankheiten verbreitet werden.

Interessenten für Nistkästen für Mauerbienen können sich bei Dirk Liesch unter der E-Mail-Adresseliesch@email.de bis Ende August anmelden.

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