Wie sich das Geschäft mit Mode in der Innenstadt entwickelt

Während ein Herrenausstatter schließt, freut sich ein anderer Anbieter nach schwierigen Monaten über die Wiederbelebung des Zentrums. Und ein Handelsexperte gibt einen überraschenden Tipp.

Sechs Tage die Woche steht Helga Döke in ihrem Geschäft. Seit 15 Jahren. Angestellte hat sie keine. "So was macht heute keiner mehr, aber mir hat das immer Spaß gemacht", sagt sie. Dennoch - ihren Laden "Herrenmode Kauer" in den Marktplatzarkaden, direkt am Durchgang zur Alten Post, wird sie Ende September schließen.

Eigentlich hatte sie das noch nicht vor, sagt die 71-Jährige. Aber der Schuhladen, der viele Jahre direkt gegenüber lag, hat vor ein paar Wochen ebenfalls geschlossen. Das habe den Ausschlag gegeben. Zudem wechselte 2018 der Eigentümer des Gebäudes. Mit ihrem alten Vermieter habe sie einen Vertrag gehabt, den sie jederzeit hätte kündigen können. Jetzt standen Mieterhöhung und Kündigungsfrist ins Haus. Das sei keine Option für sie.

Seit 22 Jahren bestehe das Herrenmodegeschäft. 2004 habe sie es vom Vorbesitzer übernommen, bei dem sie als Verkäuferin gearbeitet hatte. Seit rund vier Jahren gehe das Geschäft nicht mehr gut. In manchen Monaten habe sie sich gar kein Gehalt abzweigen können. "Ab 16.30 Uhr können Sie hier den Bordstein hochklappen, da herrscht gähnende Leere", so Döke und fügt hinzu: "Bei einer so großen Stadt kann ich das nicht nachvollziehen". Der Verwalter der Marktplatzarkaden sagt, dass beide Läden neu vermietet werden sollen. Gespräche liefen.

Keine 400 Meter entfernt betreibt Sebastian Seipelt ebenfalls einen Herrenausstatter. Anfang 2016 eröffnete er nach Gera und Jena in Chemnitz seine dritte Filiale. Im März 2018 zog S&S-Herrenausstatter von der Klosterstraße - um dort Platz für die Gastromeile zu machen - in die Webergasse. Er setzt auf den Innenstadt-Standort und sagt, die Geschäfte liefen seit einigen Wochen wieder besser. Vor allem die Demonstrationen 2018, verbunden mit Sperrungen und Polizeiaufgebot, hätten die Kunden verunsichert. Deshalb waren aus Seipelts Sicht die vielen Innenstadt-Feste in diesem Jahr wichtig, um den Handel anzukurbeln.

In guter Lage an der Straße der Nationen hingegen sind zwei überregional agierende Mode-Unternehmen gescheitert. Die spanische Kette Zara schloss vor drei Jahren. In deren Räume war das Xquisit-Modehaus gezogen, das sich nach zweieinhalb Jahren wieder zurückzog. Auch die Modekette Esprit machte ihren Laden an der Rathausstraße vor drei Jahren dicht, zog stattdessen in die Galerie Roten Turm. Dort war Ende Juli dieses Jahres Schluss.

Leergeblieben ist die Fläche aber nicht. Vor einigen Tagen hat dort der dänische Anbieter Vero Moda geöffnet. Gleichzeitig siedelte sich in der Galerie die Bekleidungskette Schneider-Moden an. Inhaber Hagen Schneider ist mit dem Start zufrieden. Allein in den ersten drei Tagen seien 5000 Kunden im Geschäft gezählt worden. Im Oktober will Lascana, ein Anbieter von Damenwäsche und Bademode, in der Galerie eine provisorische Filiale auf Zeit öffnen, um den Standort zu testen.

Was empfiehlt ein Experte einem Modeverkäufer, der sich im Chemnitzer Zentrum etablieren will - vor dem Hintergrund des wachsenden Online-Handels? Die überraschende Antwort von Bert Rothe von der Industrie- und Handelskammer: online präsent sein. In sozialen Medien sollte das Geschäft mit Standort, Öffnungszeiten, Kundenbewertungen sofort zu finden sein, so Rothe. Dort könne der Inhaber potenzielle Kunden zum Beispiel über neue Kollektionen und Verkaufsaktionen informieren. Ein Zettel am Laden reiche längst nicht mehr. Noch einen Tipp hat Rothe: Es gebe Marken, die in großen Einkaufszentren am Stadtrand verkauft werden, jedoch nicht in der Innenstadt. Darauf sollte bei Neueröffnungen geachtet werden.

8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    6
    HHCL
    16.09.2019

    Aber natürlich Lesemuffel. In Chemnitz ist alles in Ordnung. Es gibt hier nicht übermäßig viele Rechtsradikale. Nur die Medien, der ÖR und "Volksverräter im Rathaus" behaupten das. Alles klar!

  • 1
    4
    Hinterfragt
    16.09.2019

    OK, ein Taschenrechner verstößt gegen die Regeln ...

  • 1
    5
    Hinterfragt
    16.09.2019

    @516315

    2019 - 4 = 2015

  • 4
    12
    Lesemuffel
    16.09.2019

    Ja, woran wird das wohl liegen? Ich ziehe vor jedem/jeder den Hut, der sich in Chemnitz in das Abenteuer "Privat" begeben hat. In letzter Zeit wurde es besonders schwer, Kundschaft in die Innenstadt zu locken. Nachdem die Medien, der ÖR und selbst eigenen Stadtverantwortlichen diese Stadt als "Nazihochburg" ausgemacht haben, traut man sich ja zum Beispiel in den alten BL nicht zu sagen, dass man aus Chemnitz kommt, wenn man kein "Ach ist dieser
    Rechtsradikalen Stadt...." hören will. Dieser Schaden wird noch lange haften bleiben und nicht nur Geschäfte müssen schließen. Daran erkennt man, wozu Medienmacht in der Lage ist, sie kann den Ruf einer ganzen Stadt und eines Fussballclubs dauerhaft ruinieren.

  • 5
    4
    516315
    16.09.2019

    "Seit rund vier Jahren gehe das Geschäft nicht mehr gut."

    Hier müsste man analysieren, warum es vor 4 Jahren einen Bruch gab.

  • 8
    1
    516315
    16.09.2019

    @ Interessierte.

    "
    Wo kaufen denn die paar Gutverdiener , welche hier arbeiten in den höheren Posten von Behörden wie Beamte und Rechtsanwälte und die in ihren erworbenen Fabriken und selbständigen Unternehmen , kaufen die in der Stadt ?"

    Ja, nur halt in einer Anderen.

  • 16
    5
    HHCL
    16.09.2019

    "vielleicht , weil in der ehemaligen Industriestadt überwiegend grauhaarige Leutchen unterwegs sind , von denen viele kaum Geld haben und zum Vietnamesen gehen"

    Es ist wohl leider eher so, dass zur Zeit noch(!) ziemlich viele Rentner mit ordentlichen Renten unterwegs sind, die durchaus dort kaufen könnten. Die Zahl nimmt aber rasant ab und jetzt kommen die Nachwende-Rentner mit gebrochenen oder gar keinen Erwerbsbiographien und die kaufen dann kaum noch beim Vietnamesen.

    Ansonsten wird es daran liegen, dass es eben Chemnitz ist. Wenn andere Innenstadte bei schönem Wetter überquellen, ist man in der Stadt der Moderne meist unter sich. Das Problem ist meiner Meinung nach nicht das Geld sondern die ausgeprägte Stubenhockermentalität (inkl. Kleingarten) der Karl-Marx-Städter und ihrer Nachkommen.

  • 5
    10
    Interessierte
    16.09.2019

    Seit rund vier Jahren gehe das Geschäft nicht mehr gut. In manchen Monaten habe sie sich gar kein Gehalt abzweigen können …
    ( mich wundert das schon lange , dass der und der Schuhladen ´überhaupt` ging …

    Und mich wundert es auch , dass die Läden in Chemnitz ständig schließen , woran könnte das denn liegen ?
    ( vielleicht , weil das vorwiegend alles Jugendläden sind mit kleinen Größen
    ( vielleicht , weil in der ehemaligen Industriestadt überwiegend grauhaarige Leutchen unterwegs sind , von denen viele kaum Geld haben und zum Vietnamesen gehen
    ( vielleicht , weil viele für wenig Geld und viele in Minijobs arbeiten und kaum Geld zum ´gehobenen` Ausgeben haben ...

    Wo kaufen denn die paar Gutverdiener , welche hier arbeiten in den höheren Posten von Behörden wie Beamte und Rechtsanwälte und die in ihren erworbenen Fabriken und selbständigen Unternehmen , kaufen die in der Stadt ?



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