Wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt

Die Erwerbslosenquote in Chemnitz ist so niedrig wie noch nie - und zählt doch zu den höchsten in Sachsen. Dabei blieb selbst die sonst übliche Winterflaute diesmal aus.

Die Lage: Mit einer offiziellen Arbeitslosenquote von 6,6Prozent im vergangenen Monat zeigt sich der Chemnitzer Arbeitsmarkt aktuell in so guter Verfassung wie noch nie seit Beginn der statistischen Erhebungen 1991. Rund 8250Frauen und Männer waren nach Angaben der Agentur für Arbeit zum Jahreswechsel arbeitslos gemeldet - gut 500 weniger als vor einem Jahr. Selbst der sonst zum Ende eines Jahres übliche saisonale Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist - anders als im gesamten Freistaat - diesmal ausgeblieben. "Der Arbeitsmarkt in Chemnitz profitiert von einer guten Auftragslage im Baugewerbe und dem vergleichsweise milden Winter", sagt Angelika Hugel, die Chefin der Arbeitsagentur. Saisonbedingte Entlassungen bewegten sich momentan auf einem niedrigen Niveau.

Unterbeschäftigung: In den Arbeitslosenzahlen üblicherweise nicht mit erfasst sind Menschen ohne Job, die aktuell an einer Schulungs- und Trainingsmaßnahme teilnehmen. Zuletzt betraf dies fast 3400Chemnitzer. Damit absolvierte im Schnitt eine von vier Personen ohne Arbeit eine solche Fördermaßnahme. Vor drei Jahren noch lag dieser Anteil weit niedriger, bei etwa einem Sechstel. Doch selbst wenn auch diese Gruppe bei der Bewertung der Lage am Arbeitsmarkt mit einbezogen wird (was Kritiker ohnehin für ehrlicher halten), liegt die Erwerbslosigkeit in Chemnitz mittlerweile im einstelligen Bereich - zuletzt bei 9,1Prozent.

Langzeitarbeitslose: Auch Personengruppen, die es oft besonders schwer haben, einen neuen Job zu finden, profitierten nach Einschätzung der Arbeitsagentur vom guten Arbeitsmarkt. So ging die Anzahl der Langzeitarbeitslosen binnen Jahresfrist um 9,3 Prozent zurück. Damit sind nun erstmals weniger als 3000 Arbeitslose länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. Die Anzahl der Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften verringerte sich seit Januar 2018 um reichlich 700 auf nunmehr weniger als 12.400.

In Sachsen nur Vorletzter: So gut diese Zahlen auf den ersten Blick aussehen: Verglichen mit der Arbeitsmarktsituation in anderen sächsischen Städten und Landkreisen ist Chemnitz in den zurückliegenden Monaten weiter abgerutscht. Mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent (2017: 7,6Prozent) belegte die Stadt im vergangenen Jahr nur den vorletzten Platz in Sachsen. Einzig entlang der Grenze zu Polen lag die Arbeitslosenquote 2018 mit im Jahresschnitt 8,5 Prozent noch höher.

Der Abstand zum Landesdurchschnitt hat sich weiter vergrößert. Er beträgt nun bereits 1,2 Prozentpunkte. Ähnlich fällt der Vergleich mit benachbarten Landkreisen aus. Zum Erzgebirgskreis etwa, der mit im Jahresschnitt 4,7Prozent erneut die niedrigste Arbeitslosigkeit in Sachsen aufweist, beträgt der Unterschied mittlerweile 2,5 Prozentpunkte; zum Landkreis Zwickau 2,4. Analysten führen dies unter anderem auf die hohe Anzahl von Beschäftigten zurück, die in Chemnitz arbeiten, aber im Umland wohnen.

Freie Stellen: Licht und Schatten liegen auch bei den Chancen auf neue Jobs dicht beieinander. Einerseits wurde 2018 mit laut Arbeitsagentur durchschnittlich mehr als 2400 freien Stellen ein Zuwachs von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Seit Mitte des Jahres geht ihre Anzahl allerdings ungewöhnlich deutlich zurück - für das vergangene Halbjahr steht ein Minus von gut 20 Prozent zu Buche. Auch im Vergleich zum Jahreswechsel 2017/18 fällt die Bilanz mit minus 300 freien Arbeitsplätzen negativ aus. Inwieweit in dieser Entwicklung eine wachsende Zurückhaltung der Wirtschaft bei Einstellungen zum Ausdruck kommt, ist unklar, da die Unternehmen in der Regel keineswegs alle ihre neu zu besetzenden Stellen der Arbeitsagentur melden.

Ausländer: Ob aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland zugezogen oder vor Krieg und Elend geflüchtet - Ausländer spielen bei Arbeitsagentur und Jobcenter auch in Chemnitz eine wachsende Rolle. Seit Anfang des Jahres 2017 stieg ihr Anteil unter den registrierten Arbeitslosen von knapp 15 auf mittlerweile rund 20 Prozent. Auffällig, aber kaum überraschend: Während die Arbeitslosigkeit bei Deutschen im Verlauf des vergangenen Jahres deutlich zurückgegangen ist (minus 8,5Prozent), nahm sie bei Arbeitslosen mit ausländischem Pass um mehr als sechseinhalb Prozent zu.

Ausblick: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet für Chemnitz in diesem Jahr einen Beschäftigungsanstieg von 0,9 Prozent und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 2,2 Prozent. Erwartet wird zudem ein weiter steigender Fachkraftbedarf.

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11Kommentare
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  • 3
    9
    ArndtBremen
    06.01.2019

    @Frau Blackadder. Vielleicht biologisch.

  • 11
    5
    Blackadder
    06.01.2019

    @blacksheep: Bin selbst Ossi, aber das ständige Gejammer vieler meiner Landsleute, man sei Deutscher 2. Klasse geht mir ziemlich auf den Keks.

    @arndtbremem: Jünger als Sie bin ich allemal.

  • 9
    9
    BlackSheep
    06.01.2019

    Wie immer bei Blackadder, bei MIgranten soll man differenzieren, Ossis kann man natürlich pauschal verurteilen.

  • 7
    9
    ChWtr
    06.01.2019

    Da hat mal wieder jemand bewusst den Griff in die Tonne gesucht - lächerlich die Provokation.

    Ich erinnere: die Arbeitslosigkeit in Gelsenkirchen oder Duisburg bzw. allgemein im Ruhrgebiet ist sicher hoch gegenüber dem Rest der Republik. Ich selbst war einige Jahre in Essen tätig. Die Infrastruktur und die Arbeitslöhne dort verbieten einen Vergleich mit der hiesigen Wirtschaft und Arbeitswelt.

    Sachsen ist nicht NRW und umgekehrt. Bedeutet, Äpfel mit Birnen vergleichen ist völlig unsinnig & unangebracht.

    Ich denke jedoch, Blackadder sollte über seine eigene "Opferrolle" nachdenken.

  • 5
    5
    Einspruch
    06.01.2019

    Der Inhalt dieses Beitrages passt irgendwie nicht zu dem kürzlich diskutierten Beitrag, nach dem Ausländer trotz mangelnder Qualifikation und Sprachkenntnisse offenbar schwupp die wupp ihre Wissenslücken aufholen und in Arbeit kommen. Und von der Industrie vom Arbeitsmarkt gesammelt werden.
    20 Prozent Anteil bei rund 5 Prozent Bevölkerungsanteil, Tendenz zunehmend.
    Wie viel sich davon als Chemnitzer bezeichnet in den über 3000 Leuten verstecken, die in den meist ergebnislosen Schulungsmaßnahmen stecken, kann man nur ahnen.
    Welche Chancen werden wohl die dafür oft reichlich zur Welt kommenden Kinder haben? Die Lösung des herbei geredeten Fachkräfte Mangels oder neue Billiglöhner?

  • 13
    11
    ArndtBremen
    06.01.2019

    Ein Wunder, dass Frau Blackadder Pro Chemnitz noch nicht für die hohe Arbeitslosigkeit und die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich gemacht hat. Kommt bestimmt noch. Bei einer älteren Dame sei das vergeben.

  • 12
    8
    Steuerzahler
    06.01.2019

    Es sollte doch darüber nachgedacht werden, warum Chemnitz hier wieder den ziemlich letzten Platz in Sachsen einnimmt und ob dort die Rolle der Verwaltung und des Rates eventuell auch eine Rolle spielen, warum die Ansiedlung von größeren Unternehmen im Vergleich zu DD und L hier nicht so funktioniert.
    @Blackadder: Ihre demagogischen Sprüche tragen weder zur Sache noch zur Aufklärung der Ursachen bei, belegen aber jedoch die Art und Weise Ihrer Diskussion und der Achtung vor anderen Meinungen. Einfach nur zynisch. Sie stellen nämlich alle Ostdeutschen unter Generalverdacht!

  • 11
    16
    Blackadder
    06.01.2019

    @derBuerger: Sie können doch den Leuten hier nicht einfach die Opferrolle wegnehmen. Die ist doch für Ostdeutsche so wichtig.

  • 16
    3
    derBuerger
    06.01.2019

    Im Westen gibt es Städte mit deutich höherer Arbeislosenquote siehe z.B. Duisburg und Dortmund. Über 10% bzw. knapp 10%

  • 7
    13
    Interessierte
    05.01.2019

    Chemnitz - zählt doch zu den höchsten in Sachsen...
    Mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote - belegte ´die Stadt` im vergangenen Jahr nur den ´vorletzten` Platz in Sachsen.
    ( welche Städte in Sa. sind denn da gemeint neben DD+L

    Der Abstand zum Landesdurchschnitt hat sich´ weiter` vergrößert …………
    ( ich lese hier zwar von Zwickau und vom Erzgebirge , aber nichts von DD+L
    ( oder werden wir nun schon auf die Stufe von der 4. größten Stadt gestellt ???

    Erwartet wird zudem ein weiter steigender Fachkraftbedarf....
    ( wir bildeten/bilden doch gute Leute aus , wo sind die denn ???

    Und wie steht denn das Industrieland Sachsen mit seinen 4 Mio Einwohnern überhaupt vergleichsweise zu anderen Ländern da = also EW und Arbeitsmarkt

  • 13
    4
    05.01.2019

    ... aber immer noch höher als in jeder anderen vergleichbaren westdeutschen Großstadt.



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