Wie sich Ikea verändern will

Das Möbelhaus im Neefepark findet an seinem Standort keinen Platz zur Expansion. Doch ein Trend kommt der Filiale nun entgegen.

Stelzendorf.

Weder in der Breite noch in der Höhe wird es in absehbarer Zeit eine Vergrößerung des Ikea-Möbelhauses im Neefepark geben. Stattdessen wolle man auf der bestehenden Fläche die Einkaufsmöglichkeiten weiter verbessern, sagte der Geschäftsführer der Chemnitzer Filiale, Leopold Steber am Freitag. Somit werde auch kein Auslieferungslager am Ikea-Gebäude an der A 72 entstehen. Die Stadtverwaltung bestätigt das. Es gebe weder eine Bauvoranfrage noch einen Bauantrag von Ikea.

Bereits zu Jahresbeginn hatte der Möbelriese Abstand von einem anderen Standort genommen, der eine Zeit lang im Gespräch war. Pläne, ein Grundstück an der Neefestraße/ Ecke Südring zu bebauen, seien vom Tisch, erklärte damals eine Unternehmenssprecherin. Doch am jetzigen Standort gebe derzeit keine Möglichkeit, in der Fläche zu wachsen, erklärte Leopold Steber. Auch nach oben sei der Weg versperrt. Gegen den Aufbau von weiteren Etagen spreche zum einen die Hochspannungsleitung, die direkt neben dem Möbelhaus verläuft. Zum anderen sei beim Bau vor 25 Jahren nicht an eine mögliche Aufstockung gedacht worden, sagte Steber. "Das Haus ist statisch dafür nicht ausgelegt." Eine Vergrößerung der Ausstellungsfläche sieht Steber auch skeptisch. "Dann müssten die Kunden mehr laufen, die Wege würden länger", sagt er. Es sei wichtiger, die Ausstellung immer auf dem aktuellsten Stand zu halten, betont der Geschäftsführer. So habe man zwei große LED-Wände einbauen lassen, auf denen das Sortiment präsentiert wird. Die Beleuchtung sei modernisiert worden, W-Lan stünde zur Verfügung. In neue Einbauten wurde außerdem mehr als eine Million Euro investiert, so der Geschäftsführer.


Das Problem, nicht in die Fläche wachsen zu können, werde man nicht lösen können, sagte Steber. Doch ihm und seiner 240-köpfigen Mannschaft kommt ein neuer Trend zugute: Immer häufiger lassen sich Ikea-Kunden ihre Möbel nach Hause liefern anstatt sie gleich mitzunehmen. "Der Kunde will seinen Kofferraum oft nicht mehr zustopfen, sondern die Möbel bequem zu Hause in Empfang nehmen", erklärt Steber. Man müsse auch nicht mehr jede Küche vorrätig haben. Stattdessen nutze man Auslieferungslager wie das in Erfurt oder das Zentrallager in Dortmund. Den in Chemnitz zur Verfügung stehenden Raum wolle man optimieren. Darunter versteht Steber, die Fläche noch effizienter zu nutzen, um zum einen mehr Parkraum anzubieten, zum anderen die Verkaufsfläche zu vergrößern, auf denen kleinere Einrichtungsgegenstände angeboten werden, die Kunden einfacher mitnehmen können als große Möbel.

Um attraktiv zu bleiben, soll auch das Zertifikat "Generationenfreundliches Einkaufen" helfen, das der Handelsverband Sachsen am Freitag überreichte. Mit der Urkunde werden Geschäfte ausgezeichnet, die sich mit dem demografischen Wandel auseinandersetzen. Der Einkauf soll für Familien ebenso komfortabel und barrierearm sein wie für behinderte Menschen und Ältere, so Hauptgeschäftsführer René Glaser. Ikea wurde im Juli anhand von 63 Kriterien überprüft und schaffte mit einer Quote von 100 Prozent alle Anforderungen. Das sei sehr selten, so Glaser. Wichtig seien etwa ein ebenerdiger Zugang und rutschfeste Böden, breite Gänge für Kinderwagen und Rollstühle sowie Fahrstühle. Zudem habe man Ikea inkognito besucht, um das Serviceverhalten des Personals zu testen.

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