Wie Tagesmütter ihre Situation verbessern wollen

Was tun, wenn die private Pflegeperson, die die Kinder betreuen soll, krank wird? Ein Teil von ihnen, der in Chemnitz arbeitet, hat dazu jetzt eine Idee.

Vom Platzproblem in Chemnitz mal abgesehen, haben Eltern zumindest theoretisch die Wahl: Soll das Kind in einer größeren, vielleicht städtischen Einrichtung betreut werden, in der es mehrere Erzieher und Erzieherinnen gibt, oder in einer kleinen Gruppe von nur einer Tagespflegeperson? Jede Option hat Vor- und Nachteile. Zu den Nachteilen bei einer Tagesmutter gehört die Frage, wer auf die Kinder aufpasst, wenn die Fachkraft krank ist.

Unter anderem aus diesem Grund haben nun einige von ihnen den Verein Kindertagespflege in Chemnitz gegründet. 35 Tagespflegepersonen sind Mitglied geworden. "Das ist ein guter Start", sagt Vorsitzende Janine Haeseler. Ziel sei, dass eines Tages alle 97 Kindertagespflegepersonen der Stadt - vier von ihnen sind Männer - eine Mitgliedschaft eingehen.

Was der Verein leisten soll, lässt sich am Beispiel des Krankheitsfalles beschreiben. "Wir schleppen uns immer zur Arbeit, auch mit Fieber", sagt Haeseler. Grund dafür sei, dass ihnen 30 Tage Urlaub zustehen, inklusive Krankheit. "Termine für Operationen legen wir immer in den Urlaub", beschreibt die 31-Jährige, die in Kappel fünf Kinder betreut. Eine Regelung für den Krankheitsfall gibt es durchaus. Für diejenigen, die in angemieteten Räumen Kinder betreuen - das betrifft 58 Tagespflegepersonen - gibt es sogenannte Springer. Ein Springer sei für acht bis neun Wohnungen zuständig. "Das sind viel zu wenige", sagt Gudrun Lange, zweite Vorsitzende des Vereins. Wer die Kleinen in der eigenen Wohnung betreut, habe eine Kooperation mit einer Kindertagesstätte, wie Jasmin Haeseler. Sie gehe dort einmal im Monat hin, damit sich die Kinder an die Räume und Menschen dort gewöhnen können. "Aber die Kitas sind total überlastet", sagt sie, weshalb sich die Tagesmütter eben auch krank zur Arbeit schleppten, um den Einrichtungen keine Last zu sein.

Da möchte der neue Verein anknüpfen. Eine zentrale Lösung soll gefunden werden, sagt Haeseler. Die Idee: Es müsste einen Raum geben, den die Tagesmütter regelmäßig besuchen können und in dem die von der Stadt angestellten Springer vor Ort sind. Vielleicht, äußert Lange einen Gedanken, könnte auch ein Unternehmen den Raum stellen, im Gegenzug erhalte es Belegplätze für Kinder der Mitarbeiter.

Der neue Verein möchte Eltern auch bei der Suche nach Betreuungsplätzen unterstützen, indem zentral erfasst wird, wer noch freie Plätze hat - zusätzlich zum Kita-Portal der Stadt. Aber auch bei anderen Belangen soll der Verein helfen. So möchten die Mitglieder alle Stadt- räte einladen, einmal in einer Kindertagespflege zu hospitieren, um die Arbeit kennenzulernen. Schließlich seien es die Stadträte, die Entscheidungen über die Rahmenbedingungen für die Kinderbetreuung treffen, so Haeseler.

Auf ein weiteres Anliegen macht Lange aufmerksam: Der Verein wolle daran arbeiten, einen Kollektivvertrag über eine private Kranken- tagegeld-Versicherung für alle Tagespflegepersonen abzuschließen. Bisher trage die Stadt die Hälfte der Anteile für die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung sowie für die private Krankentagegeld-Versicherung. Mit einem Kollektiv-Vertrag soll letztere günstiger werden.

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