Wildunfälle sorgen für Millionenschaden

Schutzmaßnahmen ändern nichts daran, dass die Anzahl der Kollisionen mit Rehen oder Wildschweinen ungefähr konstant bleibt. Ein Jäger kennt mehrere neuralgische Straßen.

Limbach-O./Waldenburg.

Im November werden Autofahrer regelmäßig zur Vorsicht gemahnt. Bodenfrost kann ebenso zu rutschigen Straßen führen wie Laub, das auf die Fahrbahn gefallen ist. Hinzu kommen die Sichtverhältnisse. Besonders im Herbst erhöht sich deshalb das Risiko, mit Wild zu kollidieren. "Es wird früher dunkel, viele Autofahrer sind in der Dämmerung unterwegs und treffen auf Wildtiere, die ihren Rhythmus auch nach der Zeitumstellung beibehalten", sagt der Zwickauer Polizeisprecher Christian Schümann. Wildtiere seien am aktivsten, wenn sie sich auf Futtersuche begeben.

Jens Kühnert kennt die neuralgischen Punkte, an denen es immer wieder zu Wildunfällen kommt. Der Niederfrohnaer ist Vorsitzender des Jagdverbandes Hohenstein-Ernstthal und Glauchau, der auch für Limbach-Oberfrohna und Niederfrohna zuständig ist. Als gefährliche Stellen nennt Kühnert den Ostring in Kändler sowie die Chemnitzer Straße in Kändler zwischen Ortsausgang und A 4. Auch auf der B 175 zwischen Wolkenburg und Kertzsch sei vorsichtiges Fahren angebracht. "Das ist landwirtschaftliches und wenig besiedeltes Gebiet", erklärt der Jäger. Viele Landwirte hätten jetzt Zwischenfrüchte angebaut, die nicht selten etwa 80 Zentimeter hoch seien. "Wenn sich auf einem solchen Feld ein Wildschwein befindet, hat man kaum eine Chance, es zu sehen."

Einen Rückgang der Wildunfälle hat Kühnert hingegen auf der Niederfrohnaer Ortsumgehung beobachtet. Das liegt seiner Meinung nach kurioserweise am Abbau eines Wildschutzzaunes. "Weil es den nur auf einer Seite gab, haben sich Tiere, die von der anderen Seite kamen, manchmal in ihm verfangen und sind zurückgelaufen. So gerieten sie gleich zweimal in Gefahr, überfahren zu werden." Der Niederfrohnaer bedauert, dass Maßnahmen, mit denen Tiere eigentlich geschützt werden sollen, nach seinen Angaben nicht immer mit der Jägerschaft abgesprochen werden.

Insgesamt 574 Unfälle mit Wild registrierte die Polizei bislang dieses Jahr im Landkreis Zwickau (Stand: 22. Oktober). Laut Pressesprecher Christian Schümann entstand dabei Sachschaden in Höhe von einer knappen Million Euro. Im Durchschnitt sind das gut 1700 Euro pro Unfall. Im vergangenen Jahr wurden 612 Kollisionen erfasst, 2017 waren es noch 691. Nimmt man einen längeren Zeitraum in den Blick, ist laut Polizeisprecher Schünemann die Anzahl der Wildunfälle in etwa konstant - trotz Schutzmaßnahmen wie dem Anbringen von Reflektoren, die Wildtiere abschrecken sollen. Jäger Kühnert weist zudem auf eine Dunkelziffer hin: Nicht jeder betroffene Autofahrer melde einen Unfall an die Polizei. Zum Teil würden verunglückte Tiere wie Rehe oder Wildschweine einfach liegen gelassen.

Wie viele angefahrene Wildtiere Franz von Feilitzsch in den letzten Jahren von der Straße aufgelesen hat, kann der Forstverwalter von Waldenburg und Remse mittlerweile nicht mehr zählen. "Allein dieses Jahr habe ich fünf Rehe, zwei Rehböcke, dreimal Dammwild, drei Wildschweine und einen Dachs tot oder schwer verletzt von der Straße oder aus dem Graben ziehen müssen. Alle Tiere wurden angefahren", so der Forstverwalter.

Für von Feilitzsch haben die Unfälle mehrere Ursachen. "Der Verkehr hat im Laufe der Zeit stark zugenommen." Zudem seien viele Autos schneller unterwegs. Ein nicht zu vernachlässigender Umstand sei auch, dass die Tiere einem wesentlich höheren Druck als früher ausgesetzt seien. "Spaziergänger und Sportbegeisterte tummeln sich zahlreich im Wald, und das nicht immer auf den vorgeschriebenen Wegen. Dadurch werden die Tiere aufgescheucht und fühlen sich gestresst", erläutert von Feilitzsch. Er appelliert an Verkehrsteilnehmer, Warnschilder vor Wildwechsel ernst zu nehmen und an den entsprechenden Stellen besonders vorsichtig zu fahren.

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