"Wir sitzen schon am Veranstaltungskalender für 2020"

Matthias Lehmann zur Zukunft seines Lokals in Lunzenau, des dortigen Museums und der von ihm gegründeten Satire-Stadt Groß-Mützenau

Lunzenau.

Die Gaststätte "Zum Prellbock" ist jetzt nur noch eingeschränkt, zum Beispiel zu Ostern, geöffnet. Veranstaltungen sollen aber weiterhin stattfinden. Im Gespräch blickt Matthias Lehmann, der zusammen mit seiner Frau Maritta das Lokal seit 1998 betreibt, zurück und nach vorn.

Freie Presse: Ab 1. April wird die Gaststätte nur noch auf Anfrage geöffnet sein. Das kommt doch einer Schließung gleich. Oder?

Matthias Lehmann: Ganz so ist es nicht, da wir auch an ausgewählten Tagen geöffnet haben. So werden wir etwa Ostersamstag und Ostersonntag für die Gäste da sein. Und auch an den Veranstaltungswochenenden planen wir mit den gewohnten Öffnungszeiten. Dann steht halt das Schild "geöffnet ab 11.30 Uhr" vorm Lokal und Ausflügler können einkehren. Außerdem gibt es eine ungebrochene Nachfrage und Buchungen von Wandergruppen und für kleine Familienfeiern.

In der Gaststätte fanden bislang regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Wie geht es damit weiter?

Solange die Nachfrage da ist und wir es stemmen können, bleibt alles so wie gehabt. Wir sitzen schon am Veranstaltungskalender für 2020.

Seit 1998 betreiben Sie mit ihrer Frau die Gaststätte. Tut es weh, jetzt fast auf Null zu gehen?

Es ist eine Umstellung, ja, aber weh? Zur Zeit jedenfalls noch nicht. Und auf Null zurück fahren, trifft es auch nicht. Es gibt ja auch noch viel andere Abwechslung in unseren Leben. Über Langeweile werden wir nicht klagen. Wir wollen auch nicht vergessen, dass wir viele Jahre unter Volllast gefahren sind.

Warum fiel überhaupt die Entscheidung, die Öffnungszeiten drastisch zurückzufahren?

Wir sind nun beide über 60 und die Chefin hat das vorgezogene Rentenalter erreicht. Da sollte man doch etwas kürzer treten. Zudem ist es fast unmöglich, geeignetes Personal zu finden. Das, was wir schon viele Jahre machen, also unter anderem arbeiten an Wochenenden und Feiertagen, schreckt viele ab.

An welches Ereignis in den mehr als 20 Jahren des Bestehens der Gaststätte denken sie am liebsten zurück, bei welchem sträuben sich Ihnen die Haare?

Zum letzten Teil der Frage komme ich zuerst: die Hochwasser von 2002 und 2013. Wobei sich da nicht nur die Haare sträuben. Und damit hängt auch die Antwort auf den ersten Teil der Frage zusammen: die unglaubliche Hilfe und Unterstützung danach durch unsere Gäste, Freunde, Familie und die Künstler, die uns verbunden sind. Aber unabhängig von diesen einschneidenden Ereignissen hatten wir eine Vielzahl toller Erlebnisse. Seien es Ausstellungseröffnungen, Fernsehdrehs, die Gründung unserer Spaß-Stadt Groß-Mützenau und, und, und ...

Was ist mit den Kofferhotels, die Sie weltweit bekannt gemacht haben, und der Pension im Haus?

Warum sollte sich daran etwas ändern? Das alles bleibt wie die Gaststätte und das Museum den Besuchern erhalten. Wir sind ja nicht zur Pacht hier. Und die Nachfrage besteht weiter. Es gibt schon heute viele Buchungen, auch im Wissen um die Veränderungen.

Aber dann wollen doch die Gäste mindestens Frühstück, gern bestimmt auch Abendessen?

Das bekommen sie, auch die Küche bleibt drin.

Was wird aus Deutschlands wohl frühestem Weihnachtsmarkt und der Satire-Stadt Groß-Mützenau?

Die Weihnachtsmänner haben sich 2018 mit Ansage ins Nirgendwo "verzogen". Es war ein irrer Weihnachtsmarkt mit geschätzten 2000 Besuchern, bei besten Wetter. Das wollen und können wir nicht toppen. Und beweisen müssen wir uns auch nichts mehr. Groß-Mützenau ist nicht das Römische Reich oder das der Azteken, es bleibt alles bestehen. Schließlich gibt es die vielen Hanseln, die ihre Steuern bezahlen und sehnsüchtig (will ich mal hoffen!) auf meine Verlautbarungen im "Lokpfogel" warten. Alles andere bringt die Zeit.

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