Wo Abriss auf Neubau trifft

Jahrelang waren alte Gebäude in der Innenstadt von Burgstädt Schandflecke. Jetzt sind zwei verschwunden. Hausbesitzer von nebenan zeigen, dass es auch anders geht.

Burgstädt.

Heidi Hänel erinnert sich noch an den Tag im Herbst 2015, als sie das 100 Jahre alte Wohnhaus an der August-Bebel-Straße in Burgstädt sah: "Oh Gott, das ist so verfallen - da wäre ein Abriss die beste Entscheidung." Der Hausschwamm hatte dem 100 Jahre alten Gebäude zugesetzt. Bäume wuchsen aus dem Dach. Zu DDR-Zeiten befand sich ein Schmuckladen dort. Nach der Wende wechselten die Besitzer. Einige versuchten sich an der Renovierung - vergebens. Seit zwölf Jahren war das Haus leer. Jetzt stand es zur Versteigerung, weil der Vorbesitzer pleite war.

Gemeinsam mit ihrem Partner André Heinze plante Heidi Hänel einen Neuanfang. Das Paar suchte bewusst in der Innenstadt nach einem Wohnhaus, "weil ich da aufgewachsen bin", sagt sie und er ergänzt: "Weil wir auch ans Alter denken." Sie arbeitet im Außendienst und wolle im Rentenalter nicht mehr Autofahren müssen, sagt sie. Von der August-Bebel-Straße könne sie fußläufig Geschäfte, Supermärkte, Behörden und kulturelle Einrichtungen erreichen. Ein weiterer Vorteil: Das Grundstück an der Geschäftsstraße hat nach innen einen Garten. Der habe schließlich den Ausschlag für den Kauf gegeben.


Über Geld will das Paar nicht sprechen. Nur so viel: Im Oktober 2015 ersteigerte es das Haus. Gemeinsam mit Architekten und Baufirmen begutachteten die neuen Eigentümer das Haus und sprachen Modalitäten mit der Stadtverwaltung ab. Denn das Grundstück liegt in einem von zwei Städtebaufördergebieten. Ein Programm für das Stadtzentrum und eins für das Stadtumbaugebiet südlich der Innenstadt bis zum Ortsrand ermöglichen es, dass private und kommunale Gebäude mit staatlichen Zuschüssen modernisiert und instandgesetzt oder abgerissen werden, erläutert Bauamtsleiterin Annette Horn. Laut Dominique Dörfler von der Westsächsischen Gesellschaft für Stadterneuerung können die Eigentümer bei der Sanierung von Dach und Fassade Fördermittel in Höhe von bis zu 20 Prozent der Baukosten von der Stadt erhalten.

Eigentlich sollte im Januar 2015 die Sanierung beginnen, doch der schlechte Zustand der Bausubstanz machte die Pläne zunichte. Ein Abriss des Hauses bis auf die Grundmauern wurde notwendig. "Vieles, was unsere Vorgänger angefangen hatten, war nicht zu erhalten", sagt Heidi Hänel. Im Mai 2016 kam die Baugenehmigung. Von Juli 2016 bis März 2017 lief der Um- und Ausbau. Auf einer Etage von 100 Quadratmetern entsteht der Wohnbereich. Im Erdgeschoss werden Nebenräume mit Garage, Büro und Gästezimmer eingebaut. "Nicht allen gefiel es, dass wir den ehemaligen Laden als Garage umbauten", sagt Hänel. Aber es sei besser, den Raum als Garage zu nutzen als ein leeres Schaufenster zu erhalten, erläutert sie. In der Stadtverwaltung und dem Bauamt habe das Paar dabei gute Partner gehabt. "Der Stadtrat stimmte dem Bau einer Doppelgarage im Erdgeschoss zu", sagt Bauamtschefin Horn. Damit sollte der Verkauf des Gebäudes und die Neubelebung ermöglicht werden, fügt sie hinzu. Während der Wintermonate stand der Bau still. "Es gab Zeiten, wo wir den Kauf bereut hatten", sagt André Heinze. Aber ein Zurück habe es nicht mehr gegeben. Zurzeit laufen Klempner- und Elektrikerarbeiten. Ende Juli will das Paar einziehen.

Fördergeld erhielt die Stadt Burgstädt auch selbst an anderer Stelle. Doch das hat einen anderen Grund, sagt Horn. Alte, verfallene Häuser wurden gekauft oder ersteigert, um sie später mit Fördergeld abzureißen. Bis zu 50 Euro pro Quadratmeter Fläche können gefördert werden, ergänzt Städtebau-Expertin Dörfler. So erwarb die Stadt wenige Meter entfernt zwei Häuser. Der Kauf und der Abriss des Gebäudes an der Friedrichstraße 8 wird laut Dörfler zu zwei Dritteln aus Städtebaufördermitteln vom Freistaat und dem Bund finanziert. Den Rest bezahlt die Stadt. Insgesamt kostet der Abriss rund 100.000 Euro. Da das Haus an der August-Bebel-Straße 9 ein Kulturdenkmal ist, gab es kein Fördergeld, so Dörfler. Aber ein Abriss sei aus denkmalschutzrechtlichen Gründen trotzdem genehmigt worden. Auf dem Gelände will die Stadt einen Parkplatz mit 13 Stellflächen bauen. Mitte Juni sollen die Arbeiten vergeben werden. Horn sieht einen Baubeginn Mitte Juli.

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