Wo das Licht nie ausgegangen ist

Vor einem Jahr griffen Unbekannte das persische Restaurant "Safran" an. Jetzt hatte der Wirt Menschen eingeladen, die ihn damals unterstützten.

Wer in das Restaurant am Schloßteich eintritt, wird nicht nur vom Duft vielfältiger Gewürze, von Wärme und Musik begrüßt, nein, auch von einem "Herzlich Willkommen". Wirt Masoud Hashemi, ein 53-Jähriger Mann mit freundlichen Augen, bringt es jedem Gast entgegen. So auch am gestrigen Sonntag, als zahlreiche Freunde des Hauses das Lokal besuchten, um gemeinsam mit der Familie Hashemi zu feiern. Der Anlass dafür war allerdings ein trauriger. Am 7. Oktober vergangenen Jahres wurde das Restaurant "Safran" von drei Unbekannten angegriffen.

Wie Masoud Hashemi erzählt, habe er sich noch gewundert, warum die Männer dunkle Motorradhelme trugen. Er begrüßte sie trotzdem mit einem "Herzlich Willkommen", schließlich wollte er niemanden aufgrund seines Äußeren vor die Tür weisen. Was folgte, beschrieb die Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz im Nachgang mit nüchternen Worten: "Nach bisherigen Erkenntnissen hatten drei Unbekannte die Lokalität betreten und den 52-Jährigen offenbar unvermittelt mit dem Inventar beworfen. Er wurde schließlich leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht."

Was der Polizeibericht laut Ha- shemi ausspart: Bevor die Unbekannten mit ihrem Angriff begannen, habe einer von ihnen "Heil Hitler" gerufen. Nach Angaben der Polizei übernahm das Dezernat Staatsschutz der Kriminalpolizei die Ermittlungen. Auch nach einem Jahr sei Masoud Hashemi nicht über die Ergebnisse der Ermittlungen informiert worden, wie er berichtet.

Ebenfalls im Herbst vergangenen Jahres waren das jüdische Restaurant "Schalom" und das persische Restaurant "Schmetterling" angegriffen worden, das türkische Restaurant "Mangal" brannte vollständig aus. Für Masoud Hashemi sind die Angriffe jedoch kein Grund zum Aufgeben. "Ich musste stark bleiben", sagt er. Als 17-Jähriger habe er in seinem Heimatland Minen räumen müssen, Überreste des Iranisch-Irakischen Krieges. Dabei habe er gelernt, mit Angst umzugehen.

Nach dem Angriff auf sein Lokal habe er gleich am nächsten Tag wieder geöffnet. "Denn wenn das ,Safran' nur einen Tag lang geschlossen worden wäre, hätten die Leute gedacht, dass ich Angst habe", sagt er. Hashemi selbst lag damals noch verletzt im Krankenhaus, seine Frau und das Personal hielten aber die Stellung. "Und wenn wir nur eine Suppe ausgegeben hätten - Hauptsache das Licht bleibt an", sagt er. Und er behielt das Licht an - und viele Chemnitzer zeigten sich solidarisch. "Die Nachbarn sind alle ein Schutz für mich", sagt der Gastronom - auch die Bewohner des Hauses hätten ein Auge auf ihn und sein Lokal. Einige Unterstützer kamen am Sonntag ins Restaurant zur Dankesfeier. Ein Ehepaar beispielsweise kannte das Restaurant vorher nicht, hatte aber den Iran bereist und als sie zurückkehrten, erfuhren sie von dem Angriff auf das "Safran". Wie viele andere kamen sie vorbei, zeigten sich solidarisch.

Auch vonseiten der Politik kam Unterstützung. Wie Masoud Hashemi erzählt, staunte er nicht schlecht, als Anfang März dieses Jahres plötzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig vor der Tür stand, um das Lokal zu besuchen. Als Zeugnis dieses für Hashemi denkwürdigen Tages hängt heute ein Bild von dem unerwarteten Besuch an einer der türkis gestrichenen Wände des Gastraumes.

Auch wenn ihnen der Angriff noch immer in den Knochen stecke, will die Familie Hashemi weitermachen, präsent sein und persisches Essen für die Chemnitzer kochen. "Wir dürfen nicht aufgeben. Es war nicht das erste Mal und wird auch nicht das letzte Mal sein. Doch wenn wir aufgeben, dann ist das nicht nur schlecht für die Stadt, sondern für ganz Deutschland", sagt der Wirt. Ihm sei bewusst, dass 90 Prozent der Stadt freundlich und offen seien, "die restlichen zehn Prozent aber sind Wölfe", sagt er. Denen solle die Mehrheit aber nicht das Feld überlassen.

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