Wo die Stars japanischer Trickfilme lebendig werden

Auf der Anime-Messe im Kraftwerk haben sich Fans einer besonderen Kunstform gegenseitig in bunte Parallelwelten entführt. Der Einladung folgten zumeist junge Besucher - aus ganz Deutschland.

Farbenfroh kostümierte Fans von Zeichentrickfilmen und Comics im japanischen Stil, dazu jede Menge passende Utensilien und Kartenspiele - all das konnten Besucher am Wochenende im Kraftwerk am Fuße des Kaßbergs erleben. Zum zweiten Mal hatte das soziokulturelle Zentrum zu einer Anime-Messe geladen. Anime steht für die japanische Trickfilmkultur, die sich seit Jahren weltweit immer mehr Fans erschließt - als Subkultur mit eigenen Szene-Events. Die zweite Messe dieser Art im Kraftwerk lockte rund 450Besucher an. Auf der Bühne zeigten Showgruppen Tänze und präsentierten eigene Kostüme. Zudem wurde das schönste Besucher-Kostüm prämiert - mit Mangas, der japanischen Comic- Version.

Erstmalig dabei waren Maria Gottsmann alias "Allen" und Theresa Köhler alias "Muffi". Sie gehörten zu den rund 45 Händlern, die unter anderem selbstentworfene Kostüme und Schmuck unter die Gäste bringen wollten. "Wir besuchen im Jahr fünf bis zehn solche Anime-Messen", berichten die beiden Berlinerinnen, die mit dem ansässigen Organisatorenteam und auch mit anderen Händlern befreundet sind. "Deshalb haben wir die weite Anreise auf uns genommen." Während es in Berlin nur wenige gute Anime-Messen gebe, gefalle ihnen in Chemnitz, dass viele regionale Händler präsent sind und Händler und Künstler gut in verschiedenen Räumen verteilt. Nur die etwas beengten Gänge gefallen den 21- und 22-Jährigen nicht so gut. Außerdem hätte der Umsatz etwas höher ausfallen können: "Wir haben an unserem Stand Schmuck, Schleifen, Fläschchen und Anstecker verkauft. Allerdings decken die Einnahmen nicht einmal die Reisekosten."

Organisiert wurde die Messe von Uwe Klötzer, Sozialpädagoge des Kraftwerk-Vereins, zusammen mit einem Team von etwa zwölf Jugendlichen. "Die Anime-Szene erlebt momentan einen Hype", meint er. "Anime-Fans können für eine gewisse Zeit dem Alltag entfliehen und in eine andere Rolle schlüpfen. Außerdem ist dieses Hobby größtenteils kostenunabhängig. Man kann sich vieles selbst herstellen und seine Kreativität ausleben."

Klötzer zufolge hat sich die Anzahl der Händler und Showgruppen im Vergleich zur Premiere im vergangenen Jahr verdoppelt, die der Besucher stieg um ein Drittel. Daher steht schon jetzt fest: Am 11. Januar 2020 soll es die nächste Anime-Messe geben. "Ob sie danach fortgeführt wird, hängt davon ab, wie sich die Szene entwickelt", so der aus Aue stammende 50-Jährige. Zuvor soll es im Kraftwerk am 6. Juli einen sogenannten Cosplay-Ball geben - mit japanischer und klassischer Musik.

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