Wo Geflüchtete im Erzgebirge Ausbildung und Arbeit finden

Wie viele Asylbewerber seit dem Winter 2015/2016 einen Job erhalten haben, ist nicht ganz klar. Das Landratsamt erfasst die Daten nicht genau. Was Verantwortliche sagen.

Stollberg.

Der Geschäftsführer der Heros Anlagenbau Gesellschaft aus Niederdorf, Thomas Leis, will dieses Jahr vier Azubis ausbilden: "Normalerweise sind es nur einer oder zwei. Aber wir brauchen Nachwuchs." Das Unternehmen ist auch auf dem Gebiet von Elektromontagen und Schaltanlagenbau tätig.

Unter den Azubis ist auch ein Iraker. "Sein Praktikum lief gut. Im September wird es ernst", erklärt Leis und fügt hinzu, dass er gute Erfahrungen gemacht habe - ein anderer Geflüchteter aus Afghanistan, Aziz Hanifi, beende jetzt die Ausbildung bei Heros. "Der hat zwei goldene Hände, spricht gut Deutsch", so der Geschäftsführer. Ob solche guten Erfahrungen nur die Ausnahme oder die Regel sind, ist unklar. Denn wie viele Asylbewerber seit der Flüchtlingskrise im Erzgebirgskreis einer geregelten Arbeit nachgehen, wird nicht separat erfasst, so Stephanie John von der Pressestelle des Landratsamtes.


"Die Integration in Arbeit nimmt aber Fahrt auf", sagt Simone Heinrich von der Arbeitsagentur. Wie sie weiter erklärt, könne Integration allerdings nur gelingen, wenn sich beide Seiten aufeinander einstellen. Zudem sei es aus Heinrichs Sicht auch Aufgabe der Unternehmen, die Belegschaft dabei mitzunehmen und sie über die Neueinstellung zu informieren. "Einige Integrationen sind bereits an mangelnder Akzeptanz der eigenen Mitarbeiter gescheitert", so Heinrich. Es gebe in dieser Hinsicht einerseits Unternehmen, die gezielt nach Geflüchteten fragen würden, andererseits auch Firmen, die Geflüchtete explizit ablehnen. Die Gründe seien unterschiedlich, jedoch erfolge Ablehnung oft wegen Vorurteilen - oder aber schlechter Erfahrungen. Neben unzureichenden Sprachkenntnissen seien auch die mitunter falschen Vorstellungen der Flüchtlinge vom neuen Job ein Grund. Das bestätigt Gisela Clausnitzer, Sprecherin der Stadt Marienberg: Die Kommune habe überwiegend negative Erfahrungen gemacht. "Denn die Flüchtlinge kamen in einer sehr frühen Phase ihres Aufenthaltes, wo noch völlig falsche Vorstellungen überwogen." Wie sie weiter erklärt, seien sie etwa davon ausgegangen, ohne deutsche oder englische Sprachkenntnisse in ihrem Heimatberuf hier arbeiten und ihren gewohnten Arbeitsrhythmus beibehalten zu können. Ein afghanischer Flüchtling blieb Clausnitzer in positiver Erinnerung. Er habe mehrere Monate sehr gute Arbeit im Bauhof geleistet. Doch nach seiner Asylanerkennung sei die Familie zu Landsleuten nach Leipzig gezogen. Generell sind in Kommunalverwaltungen offenkundig kaum noch Geflüchtete beschäftigt. Eine Umfrage ergab, dass weder Zwönitz noch Stollberg, Schwarzenberg oder Zschopau Flüchtlinge beschäftigen.

Und was wird aus dem jungen Afghanen, der zwei goldene Hände hat und bei Heros in Niederdorf ausgebildet worden ist? Ihn hat eine Pflegefamilie aufgenommen. Und die Firma? "Er bekommt bei uns einen Arbeitsvertrag", sagt Geschäftsführer Leis.


Ausländerstatistik

2018 waren 249 Ausländer aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern (Afghanistan, Syrien, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia) laut Statistik als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gemeldet. Darunter sind aber nicht nur seit 2015 Angekommene, sondern auch Personen, die schon länger in Deutschland leben. Im Sommer 2018 gab es im Kreis 615 anerkannte Asylbewerber - weitere 1800 waren Flüchtlinge, die entweder geduldet waren oder ein laufendes Asylverfahren hatten. (fp)

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