Wo Hobby-Imker Honig wie die Profis schleudern

In der ehemaligen Schlachterei hat der Imkerverein Stollberg einen Raum eingerichtet, um seine Ernten zu verarbeiten. Das war aber nur ein erster Schritt.

Mitteldorf.

Zufrieden schaut Martina Brandt auf die fast bis oben hin gefüllten Behälter mit Honig. "Meine Bienen haben ihre Arbeit gut gemacht", sagt die Hobby-Imkerin. Es ist die an einem Fruchthof bei Lichtenwalde gesammelte Sommertracht, die die Neuwürschnitzerin, die Mitglied im Vorstand des Imker-Vereines Stollberg ist, ernten konnte. Und dieses aufwendige Prozedere geschieht seit diesem Jahr unter professionellen Bedingungen.

In der ehemaligen Schlachterei der Agrargenossenschaft Lößnitz/Stollberg, im Stollberger Ortsteil Mitteldorf, hat der Imkerverein Stollberg einen öffentlichen Honigschleuderraum eingerichtet. Dieser entspricht den strengen hygienischen Anforderungen und macht es möglich, unter optimalen Arbeitsbedingungen zügig und kräfteschonend qualitativ hochwertigen und einwandfreien Honig zu ernten, zu pflegen und abzufüllen. Mit Fördergeld sollen die Räume laut Verein noch effektiver genutzt werden. So ist die Anschaffung einer modernen Abfüllanlage und einer Geschirrspülmaschine geplant.

Bevor das Projekt Honiggewinnung starten kann, ist allerdings Vorbereitung notwendig. Zum Entnehmen der Waben müssen die Bienen den Honigraum verlassen, und zwar möglichst alle. Dafür legen die Imker zwischen Honig- und Brutraum eine "Bienenflucht". Das Prinzip: Eine Konstruktion, bei der die Bienen nach unten in den Brutraum krabbeln, aber nicht mehr zurück können. Ist das geschafft, geht es ab in den neuen Schleuderraum, in dem professionelle Erntegeräte, Waschgelegenheit sowie Reinigungsutensilien für Gerätschaften vorhanden sind.

"Gegen einen kleinen Obolus können interessierte Imker, egal ob im Verein organisiert oder nicht, den Raum nutzen", sagt Martina Brandt. Kernstück und der ganze Stolz des 46 Mitglieder zählenden Vereines ist eine moderne elektrische Radial-Honigschleuder. Vor dem Einlegen der Rähmchen müssen die Waben allerdings von Wachsdeckeln befreit werden, die von Bienen zur Einlagerung des Honigs aufgetragen wurden.

Für einen reibungslosen Ablauf der Aktion sind deshalb am besten drei bis vier Personen vor Ort. Martina Brandt bekommt Unterstützung bei der Zuarbeit von drei motivierten Neulingen. Vor einem Jahr begann Martin Kolbig mit der Imkerei. "Ich hatte schon länger darüber nachgedacht, da wir Honig im Haushalt öfter als Zuckerersatz benutzen. Eine Bekanntschaft im Urlaub gab den letzten Anstoß, es zu versuchen", erzählt der 27-jährige Stollberger. Am Verein schätzt er die Erfahrung der Mitglieder. "Bis jetzt hat alles geklappt, ich bin mit meinen zwei gut entwickelten Völkern sehr zufrieden."

Eigentlich noch in der "Anfangsphase" der Imkerei sind Joachim Liess und Karl-Heinz Werth. "Im Rentenalter möchte ich noch etwas Vernünftiges anfangen. Meine Motivation ist auch das Interesse für die Umwelt und etwas für die Natur zu tun", so der 66-Jährige.

Inzwischen summt leise die Honigschleuder. Damit die Rähmchen nicht kaputt gehen, lässt es Martina Brandt langsam angehen. Nach jeweils einer Minute in jede Richtung und anschließendem Schnellgang geben die Waben durch die Rotation ihren kostbaren Inhalt frei.

Nach fünf Minuten ist der Honig ausgeschleudert, läuft durch Siebe und wird bis zum Abfüllen in einem Behälter aus Edelstahl aufbewahrt. Die leeren Waben dürfen die Bienen noch einmal ausschlecken und reparieren dabei durch das Schleudern verursachte Schäden. Die trockenen Rahmen kommen dann ins Winterlager.

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