Wo Schüler über sich hinaus wachsen

Mit einem theatralen Spaziergang über das Gelände der Schule für Blinde und Sehbehinderte reflektierten Jugendliche ihre Zukunftsgedanken.

Altendorf.

"Was ist Zukunft?" Diese und weitere Fragen stellten sich Jugendliche der Klasse 10a der Blinden- und Sehbehindertenschule an der Flemmingstraße in einer Performance auf dem Schulgelände. Von der Aula ins Mathezimmer, vom Kunstraum in die Turnhalle - in jedem Raum der Schule, mit dem die Schüler positive oder negative Erfahrungen verbinden, gaben sie mit schauspielerischen Einlagen Einblicke in ihre Gedankenwelt.

"Wie bei allen Jugendlichen gibt es auch hier Zukunftsängste und die Frage, ob ich das, was ich machen will, auch machen kann", erzählt Choreografin Claudia Garbe. Ein halbes Jahr arbeitete die Künstlerin im Rahmen des Kunstunterrichts mit den Schülern im Alter zwischen 15 und 18 Jahren an diesem interaktiven Projekt. "Es ist eine sehr moderne Art der Darstellung, aber die Schüler sind wirklich über sich hinausgewachsen, haben es gelebt und gefühlt", sagt Kunstlehrerin Heidemarie Schmidt. Und auch Claudia Garbe ist beeindruckt, weil es bis zur letzten Probe noch Unsicherheiten und Zweifel bei den Schülern gab.

Davon war zur Aufführung nichts mehr zu spüren. Selbstbewusst tanzen sie als Teil ihrer Performance durch die kleine Aula. Aber dann ruft Heidemarie Schmidt: "Ab zu Mathe, die Party ist vorbei", und die Performer laufen in den nächsten Raum. Nach ihnen die rund 20Zuschauer, bestehend unter anderem aus zwei jüngeren Klassen. Im Mathezimmer ist die Stimmung nicht mehr so ausgelassen. Die Schüler laufen durch den Raum, und zwischen den Zahlen, die sie ansagen, nennen sie auch immer wieder Gedankenfetzen, die ihnen durch den Kopf gehen: "Was ist Zukunft?" Oder: "Werde ich Bürokauffrau?"

Im Kunstraum hingegen herrscht eine deutlich lockerere Stimmung. Aylin Demmig tanzt zu einem Song ihrer Lieblingssängerin, Stefanie Kloß von der Band Silbermond, ein Solo. Dank ihrer Bühnenerfahrung in der Theatergruppe hält sich ihre Aufregung in Grenzen: "Ich bin das gewohnt", sagt die 18-Jährige nach der Performance locker. Ihre Zukunftspläne stehen auch schon fest: "Erst einmal will ich im Sommer einen guten Abschluss machen und dann am liebsten Pferdewirtin oder Tierpflegerin werden." Ihre Klassenkameradin Nicole Neufeldt hingegen spielte das erste Mal vor Publikum, aber auch sie weiß schon ganz genau, wie es nach der Schulzeit weitergehen soll. "Ich möchte Bürokauffrau werden. Dass wird schon", ist die 17-Jährige zuversichtlich. Denn wie man in der Performance hören konnte: "Hoffnung ist das Gegenteil von Aufgeben."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...