Wo Vereine Traditionen und Gemeinschaftssinn pflegen

Wie entwickeln sich die einzelnen Chemnitzer Gebiete? Welche Projekte sind geplant? Wo gibt es Sorgen? "Freie Presse" nimmt die Stadtteile unter die Lupe. Heute: Klaffenbach

Einmal Klaffenbach - immer Klaffenbach. Das könnte ein Lebensmotto von Hansjürgen Grun sein. Als Vierjähriger kam der gebürtige Schlesier 1948 mit seinen Eltern in den Ort zwischen Chemnitz, Burkhardtsdorf, Neukirchen und Einsiedel. Hier besuchte er die Schule, fuhr von hier aus zur Ausbildung und anschließend zur Arbeit als Universalfräser und Schweißer in den Barkaswerken in die Großstadt, wechselte ins örtliche Mineralölwerk und machte sich schließlich als Schmiedemeister selbstständig. Seit 1990 gehörte er mit Mandat der CDU insgesamt 20 Jahre dem Gemeinderat und nach der Eingemeindung 1997 dem Ortschaftsrat an. Seit dessen Gründung in Vorbereitung des Heimatfestes zur 800-Jahr-Feier 2009 arbeitet er als Zweiter Vorsitzender im Geschichtsverein mit.

"In Klaffenbach kennt, zumindest von den Alteingesessenen, jeder jeden. Die Menschen vertragen sich gut und die Vereine halten alles zusammen", sagt der 75-Jährige. Mehrmals im Jahr kommt fast der ganze Ort zusammen: zum Pyramidenanschieben gegenüber vom Rathaus vor dem ersten Advent und zum Vereinsweihnachtsmarkt im Hof des Wasserschlosses am zweiten Advent. Außerdem gibt es alle fünf Jahre ein Vereinsfest im Wasserschloß. Immer tatkräftig mit dabei sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, des Würschnitztaler Carnevalsclubs und der Kirchgemeinde, die Fußballer von Grün-Weiß und die Radballer. Kinder aus dem Kindergarten und der Grundschule beteiligen sich am Kulturprogramm.


Die Vereine und die Grundschule liegen Hansjürgen Grun besonders am Herzen. "Die Grundschule ist wichtig, damit die Kinder im Ort und den Vereinen als Nachwuchs erhalten bleiben", sagt der frühere Gemeinderat und hat unter anderem die Jugendfeuerwehr im Blick. Doch die Grundschule ist ein Sorgenkind für viele Klaffenbacher, Ortsvorsteher Andreas Stoppke spricht sogar von einem "Reizwort". Denn eine grundlegende Sanierung des 1889 eröffneten Gebäudes lässt seit Jahren auf sich warten. Zuletzt hatte der Stadtrat lediglich Geld für die Ertüchtigung des Brandschutzes und für eine Notsanierung beschädigter Deckenbalken bereitgestellt. "Immer wieder gibt es nur Teilsanierungen", kritisiert Grun.

Auch für die Vereinsarbeit im Ortsteil wünscht er sich mehr Unterstützung von der Stadt. "Es wäre schön, wenn wir in Klaffenbach auch so eine Begegnungsstätte mit Räumen für Vereine und andere Bürger hätten wie die Grünaer mit ihrem Kulturhaus", sagt der Schmiedemeister. Das Gebäude des Krystallpalastes, in dem derzeit ein griechisches Restaurant privat betrieben wird, bietet sich seiner Meinung nach dafür an.

Bei einem anderen Projekt hofft Grun, dass es die Klaffenbacher aus eigener Kraft bewältigen. "Unsere Ortspyramide ist jetzt 22 Jahre alt. Nach dieser Zeit sind die Holzfiguren sanierungsbedürftig geworden", erläutert er und schätzt, dass das Ausbessern und Erneuern der Bemalung aller Figuren etwa 5000 Euro kosten wird. "Dafür sind wir auf Spenden angewiesen", erklärt er.

Was dank Spenden möglich ist, hat der Geschichtsverein gerade bewiesen. Die vor einigen Jahren wiedergefundene Traditionsfahne des 1855 gegründeten Männergesangsvereins Klaffenbach ist für reichlich 4000 Euro restauriert worden - einschließlich des mit Blattgold belegten Kranzes und den daran befestigten Medaillen vom ersten Sächsischen Sängerbundesfest 1925 in Dresden und den Deutschen Sängerbundesfesten 1924 in Hannover, 1928 in Wien und 1932 in Frankfurt am Main. Sie soll bei einem der nächsten Heimat- und Geschichtsstammtische des Geschichtsvereins präsentiert werden.


Das ist Klaffenbach

Mit knapp 2300 Einwohnern auf rund 8,6 Quadratkilometern Fläche zählt das am südlichsten gelegene Klaffenbach zu den bevölkerungsärmsten Stadtteilen von Chemnitz. Es wurde um 1200 erstmals urkundlich erwähnt und ist damit einer der ältesten Orte der Region. Klaffenbach wurde zum 1. Januar 1997 nach Chemnitz eingemeindet. Arbeitslosigkeit und Ausländeranteil gehören zu den niedrigsten der Stadt. Wichtigste Sehenswürdigkeit ist das Wasserschloß. (mib)

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2Kommentare
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  • 2
    0
    vomdorf
    31.07.2019

    Und kein Wort darüber im Artikel, dass die Grundschule nun doch saniert werden soll und alle Klassen während dieser Zeit in die Schule nach Einsiedel sollen....

  • 7
    3
    WolfgangPetry
    31.07.2019

    Ein gut integrierter früherer Geflüchteter. Wie mein Vater und viele andere auch.



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