Wofür sich Kubaner in Chemnitz interessieren

Ein neuer Verein will Kunst und Kommerz mit Lateinamerika fördern. Doch die Angst vor den Amerikanern bremst sie bisher noch aus.

Zentrum.

Seit März agiert in Chemnitz eine Gesellschaft zur Bereicherung der Freundschaft zwischen Sachsen und Kuba. Jetzt besuchte eine Delegation aus dem Kulturministerium des lateinamerikanischen Landes die Stadt.

Unterricht in der Musikschule, Atelierbesuch im Kunstzentrum Lokomov, Ausstellungsrundgang in den Kunstsammlungen und eine Plauderstunde mit Bürgern auf dem Rosenhof: Es war ein straffes Programm, welches Guillermo Solenzal Morales, Vizeminister für Kultur in der Republik Kuba, in Chemnitz absolvierte. Sechs Tage lang schaute er sich in Vereinen und Unternehmen um, am Dienstag flog er von Frankfurt aus zurück in seine Heimat.

Die Einladung zum kleinen Staatsbesuch hatte Jürgen Fischer ausgesprochen. Der Chemnitzer ist hauptberuflich Koordinator bei der Berufsförderung "Network". Im Frühjahr gründete er zudem die sächsisch-kubanische Freundschaftsgesellschaft. Sie vereint inzwischen 14 Mitglieder. "Zu DDR-Zeiten war Kuba das Land, welches für uns Bürger besonders ins Bewusstsein rückte", erinnerte er sich. Als Bruderstaat ganz nahe, als Reiseziel meist unerreichbar fern. Als Jürgen Fischer nach der Wende das Land dann bereiste, faszinierte ihn die Lebensart dort. "Die Menschen sind oft bitterarm. Obwohl die Wirtschaft am Boden ist, zeigen sie trotzdem Stolz und Gelassenheit im Umgang mit ihrer Situation", so Fischer weiter. Sie würden ihre Sorgen gefühlt wegtanzen und den Nachwuchs vorbildlich unterstützen - zum Beispiel dürften Kinder an der Musikschule Unterricht nehmen, ohne für Instrumente bezahlen zu müssen, lobte Jürgen Fischer.

Das können sozial benachteiligte Kinder in der Chemnitzer Einrichtung ebenfalls tun. Genau deshalb interessierte sich die Delegation der Kubaner auch für die Abläufe in der Schule auf dem Kaßberg. Zudem besuchten sie die Event- und Kongresshalle "Kraftverkehr". Inhaber Andreas Wöllenstein meinte: "Ich könnte mir in der Halle kubanische Shows gut vorstellen." Andere Unternehmer scheuten sich, offen über eine Kooperation mit den Kubanern zu sprechen. Fischer: "Wir hatten Termine mit der Industrie- und Handelskammer und dem Industrieverein. Viele Firmenchefs fürchten sich jedoch vor einer Zusammenarbeit mit Kubanern, da das derzeit bestehende Embargo die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA, wo viele ihrer Geschäftspartner sitzen, und Kuba einschränkt." Umso mehr hoffe Fischer auf Spenden für seinen Freundesverein.

Der Vizeminister und sein Gefolge besuchten derweil auch das Cigarren-Contor im Hotel "Chemnitzer Hof". Dort gab es eine Überraschung: Nicht einer der Gäste rauchte die Tabakerzeugnisse.

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