Womit die Feuerwehr immer mehr Kinder begeistert

Die Chemnitzer Retter freuen sich über so viel Nachwuchs wie seit Jahren nicht. Dahinter stecken Traditionen, auf die nicht nur die Eltern Wert legen.

Stelzendorf.

Die Freiwillige Feuerwehr in Stelzendorf hat eine neue Einheit gegründet. Die "Löschfrösche" schlüpfen in die Uniform, um die Zukunft der Wache an der Neukirchener Straße zu sichern. Einige der Nachwuchskräfte sind gerade einmal fünf Jahre alt. Sie stehen beispielhaft für einen Trend: Immer mehr Kinder und Jugendliche wollen offenbar zur Feuerwehr.

Das bestätigt André Horvath, Referent in der Chemnitzer Stadtkämmerei, die auch zuständig für das Feuerwehrwesen ist. Anhand von Statistiken kann Horvath herleiten: "Im Jahr 2012 erledigten 175 Kinder und Jugendliche ihren Freizeit-Dienst bei den Freiwilligen Feuerwehren der Stadt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind es schon 314." An der Entwicklung ist auch Sven Reuter beteiligt. Er ist der Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Stelzendorf und hatte vor einigen Jahren erkannt: "Unsere Wehr wird immer älter." Der aktuelle Altersdurchschnitt der mehr als 30 Stelzendorfer Kameraden liegt derzeit bei 40,25 Jahren. Der Jüngste sei 16 Jahre alt, der Älteste hingegen schon 67. Man habe also dringend Nachwuchs akquirieren müssen, so Reuter. Deshalb wurde im Juni dieses Jahres die Kinder-Einsatzgruppe der "Löschfrösche" gegründet.

Und hier mischt nun seit einigen Wochen auch der fünfjährige Hagen Grund mit. "Ich habe schon meine Uniform anziehen können", verkündet er stolz. "Außerdem konnte ich an meinem Plüschtier erlernen, wie man einen Verletzten verarztet." Zur Feuerwehr kam er durch seine Oma. Die Frau kennt ihren Enkel nämlich genau und vor allem kennt sie seine Vorliebe für die Abenteuer um Zeichentrickfigur "Feuerwehrmann Sam". Nahezu jeden Werbeartikel rund um den Mann mit Knollennase, blauer Uniform und gelbem Helm habe der kleine Hagen in seinem Spielzeugsortiment, bestätigt auch seine Mutter Jannie Grund. "Deshalb freuen wir uns nun, dass unser Sohn einmal im Monat dem Hobby seiner Lieblingsfigur nacheifert", so die Physiotherapeutin. Vor allem würden sie und ihr Mann aber Wert darauf legen, dass ihr Sohn gute Freundschaften pflegen könne, Hilfsbereitschaft und Vertrauen erfahren könne. Genau diese Traditionen seien es auch, die andere Eltern überzeugen würde, ihre Kinder zur Feuerwehr zu schicken, so Wehrleiter Sven Reuter. Er selbst hat seinen Sohn davon begeistern können, in der Wehr mitzuarbeiten. Der 13-Jährige ist inzwischen seit fünf Jahren dabei. "Wir können schon richtig mitarbeiten", erklärt er. "Wir untersuchen die Technik in den Fahrzeugen und üben schon den Löschangriff. Manchmal suchen wir auch Standorte von wichtigen Hydranten heraus." Auch er schätzt die Werte um Freundschaften und Verlässlichkeit. "Das erlebe ich auch, wenn wir gemeinsam ins Jugendcamp fahren. Inzwischen hat sich da ein richtig gutes Zusammensein entwickelt."

Insgesamt 14 Mädchen und Jungen gehören derzeit zur Einsatztruppe der "Löschfrösche". Der Name sei entstanden, weil das Tier Symbolfigur des einst sumpfreichen Stadtteils Stelzendorf sei. "Zunächst hatten wir damit gerechnet, bis zu zehn Kinder begeistern zu können", schaut Sven Reuter zurück. Doch dann habe die Zusammenarbeit mit Kindergärten und Grundschulen im gesamten Stadtgebiet Früchte getragen. Ein Glücksfall, so Reuter. "Denn unsere Erfahrungen zeigen: Je eher die Kinder mit der Arbeit bei der Feuerwehr in Berührung kommen, desto länger bleiben sie dieser wichtigen Aufgabe treu." Er selbst ist als Kind im Jahr 1986 schon zur Feuerwehr gekommen.


Die Feuerwehr und die Betreuung von Kindern

Im Einsatz: Im Chemnitzer Stadtgebiet gibt es 15 Freiwillige Feuerwehren mit einer Teamstärke von jeweils 15 bis 30 Ehrenamtlichen sowie drei Wachen der Berufsfeuerwehr mit 225Einsatzkräften und Verwaltungsmitarbeitern.

Ohne Kosten: Kinder, die in der Gruppe "Löschfrösche" mitmachen wollen, werden kostenfrei betreut. Dafür freuen sich die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr in Stelzendorf über Spendenbereitschaft.

Mit Absicherung: Nach einem Entscheid des sächsischen Innenministeriums können Kinder seit 2015 über die Freiwilligen Feuerwehren versichert werden. Bis dahin lief die Nachwuchsarbeit nur als Kooperation mit Schulen und Kitas. (pefr)

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