Worte zu Gott und Klima

In der Jakobikirche haben Aktivisten eine spezielle Andacht abgehalten - und gleich noch auf Umweltschutzpotenziale der Gemeinden hingewiesen.

Täglich am Mittag findet in der Jakobikirche eine Andacht statt. Dabei spiele das Thema Umweltschutz immer wieder mal eine Rolle, sagt Pfarrerin Dorothee Lücke. So explizit wie am gestrigen Freitag wurden der Klimawandel und die aus ihm resultierenden Probleme aber wohl noch nie angesprochen. Zum ersten Mal wurde dort eine sogenannte Klimaandacht abgehalten. Organisiert wurde der halbstündige Gottesdienst von der Gruppe Parents for Future, einem Zusammenschluss Erwachsener, die die Fridays-for-Future-Bewegung unterstützen, sowie der Initiative Christians for Future.

"Wir wollen ältere Leute, die vielleicht bei einer Demo von Fridays for Future nicht mitlaufen können, hier in der Kirche abholen", erklärte Robert Aßmann von Parents for Future, der die Andacht hielt. Er trug Zitate von jungen Teilnehmern der Freitags-Demos sowie Bibelsprüche vor und sang gemeinsam mit den etwa 20 Zuhörern das Lied "Ich bin ein Gast auf Erden" von Gerhard Schöne. Außerdem verlas er Auszüge aus einer Stellungnahme von Christen zu den Klimaprotesten. Darin heißt es unter anderem: "Wir stellen uns hinter Fridays for Future, denn ohne konsequenten und tiefgreifenden Wandel für die Zukunft unserer Gesellschaft steuern wir auf eine Klimakatastrophe zu." Die Unterzeichner fordern unter anderem einen schnellen Kohleausstieg und eine Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen bis 2035.

Zuhörern gefiel die Schwerpunktsetzung auf das Thema Klimaschutz. "Es ist ja nicht mehr fünf vor zwölf, sondern schon nach zwölf. Die Menschen müssen aufgerüttelt werden", meinte Elke Walther. Gabriela Olescher betonte die Verantwortung eines jeden Einzelnen beim Umweltschutz und die Vorbildwirkung der Kirche: "Wir Christen müssen glaubwürdig werden. Das bedeutet auch, dass man nicht alles haben muss", sagte sie mit Verweis auf das Konsumverhalten.

In vielen Kirchgemeinden gebe es zwar bereits Arbeitskreise, die sich mit Umweltthemen beschäftigten, sagte Robert Aßmann, der selbst Kirchenmitglied ist. "Wir haben aber noch viel Nachholbedarf beim Umweltschutz", merkte er an. So könnten die Gemeinden Ökostrom und Ökopapier nutzen, schlägt er vor. Bei Pfarrerin Lücke trifft er auf offene Ohren. "Klimaschutz ist eines der großen Themen unserer Zeit. Und wir Kirchenmitglieder müssen vorangehen", forderte sie.

Mit einer Kundgebung vor dem Rathaus am Montag um 16.15 Uhr will die Chemnitzer Gruppe von "Parents for Future" die Stadträte dazu aufrufen, bei der Sitzung am 5. Februar den Klimanotstand auszurufen.


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