Würschnitz-Anwohner lehnen Pläne für Hochwasserschutz ab

Ihre Grundstücke wurden schon mehrfach überflutet. Trotzdem wollen Klaffenbacher auf vorgeschlagene Vorkehrungen verzichten. Mit einer Mauer hingegen könnten sie leben.

Klaffenbach.

Friedlich plätschert die Würschnitz in diesen Tagen hinter den Grundstücken an der Würschnitztalstraße in Klaffenbach entlang. Doch das ist nicht immer so gewesen. Im August 2002, August 2010 und Anfang Juni 2013 trat der Fluss über die Ufer und überflutete Gärten, Keller und zum Teil die Erdgeschosse der Häuser der Anwohner. Um das künftig zu verhindern, plant die zuständige Landestalsperrenverwaltung (LTV) des Freistaates schon seit Jahren Schutzvorkehrungen. Derzeit läuft das sogenannte Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt vom Wasserschloß bis zum Einkaufszentrum Birkencenter in Klaffenbach. Doch was darin zum Schutz ihrer Grundstücke vorgesehen ist, bringt deren Besitzer auf die Barrikaden.

Im Bereich der Würschnitztalstraße 35 bis 55 plant die LTV einen bis zu zwei Meter hohen und mit Böschungen bis zu 15 Meter breiten Damm auf Privatgrundstücken, von denen die meisten mit Einfamilienhäusern bebaut sind. Auf der Dammkrone ist ein für Lastwagen ausgelegter, 3,50 Meter breiter Kontroll- und Unterhaltungsweg vorgesehen. Alle Bäume und Bauten im Bereich des Damms, darunter Carports, Garagen, Schuppen, Lauben und Kinderspielgeräte, müssen dafür gefällt, umgesetzt oder abgerissen werden. Zudem darf ein fünf Meter breiter Grundstücks-Streifen vor der Damm-Böschung weder bebaut noch bepflanzt werden, wie die LTV auf Anfrage bestätigt. Auf kleineren Grundstücken geht dadurch fast die Hälfte der Fläche verloren. Nur auf die Wohnhäuser haben die Planer der LTV Rücksicht genommen und dort, wo diese zu nahe am Fluss stehen, anstelle der straßenseitigen Böschung eine Mauer vorgesehen.


"Wenn der Damm wenigstens etwas nützen würde ...", kritisiert Daniel Schreiter, einer der betroffenen Grundstücksbesitzer, das Vorhaben. Doch wie in ganz Klaffenbach und Harthau sind die geplanten neuen Dämme und Mauern nur für den Schutz vor kleineren Hochwassern ausgelegt, wie sie laut Statistik im Schnitt alle 25 Jahre vorkommen können. Bei Hochwassern wie 2002, 2010 und 2013 würde die Würschnitz den Damm überfluten. "Und wir sitzen dann wie in einer Badewanne, weil das Wasser nicht wieder zurück ins Flussbett fließen kann", fürchtet Mathias Heydt, einer von Schreiters Nachbarn. Auch die Auswirkungen des Damms auf das Grundwasser seien unklar.

Die Grundstücksbesitzer fühlen sich von der LTV ohnehin allein gelassen. Denn von deren Absichten hätten sie erst erfahren, als im Amtsblatt stand, dass die Pläne öffentlich ausliegen. "Mit uns hat keiner vorher gesprochen", bemängelt Jörg Neumann, ein weiterer Nachbar. Die Laien hätten sich ohne fachkundige Hilfe durch die dicken Aktenordner voller komplizierter Zeichnungen arbeiten müssen. Ihr Fazit lautet: Die aus ihrer Sicht überdimensionierten Dämme, der Aufwand zu deren Errichtung und Instandhaltung sowie die Einbußen an Grundstücksfläche und -wert stehen in keinem Verhältnis zur versprochenen Schutzwirkung. "Dann lieber gar keinen Schutz", sagt Heydt. Gegen die Pläne der LTV haben sie deswegen Widerspruch eingelegt. "Wir sind bereit zu einem langen Rechtsstreit", erklärt Schreiter.

Mehr Schutz würden ihrer Meinung nach ein Hochwasserrückhaltebecken oberhalb von Klaffenbach und eine Aufweitung des Flussbetts auf unbebautem Gebiet flussabwärts bewirken. Wenn überhaupt ein Bauwerk auf ihren Grundstücken, könnten sie sich höchstens eine Mauer vorstellen, wie sie die LTV an der Zwönitz in Einsiedel und Erfenschlag errichtet und anderswo in Klaffenbach und Harthau geplant hat. Damit ginge viel weniger Grundstücksfläche verloren und auch ein Fünf-Meter-Schutzstreifen wäre unnötig, begründen sie.

Die LTV bestätigt auf Anfrage, dass das voraussichtlich 4,5 Millionen Euro teure Bauvorhaben eigentlich für das Jahr 2021 vorgesehen ist. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, hänge davon ab, zu welchen Änderungen die Einwendungen Betroffener im Planfeststellungsverfahren führen werden. Bei der Planung sei versucht worden, allen Belangen, darunter Wasserwirtschaft, Naturschutz, privater Ansprüche und Unterhaltung, gerecht zu werden. So seien verschiedene Deichbauarten geplant, um die in Anspruch genommene Fläche so gering wie möglich zu halten. Nur "dort, wo es keine Bebauung gibt, wurde ein homogener Deich geplant", so die LTV. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens werde nochmals geprüft, "ob die in Anspruch genommene Fläche weiter reduziert werden kann". Zum Vorwurf, die Grundstücksbesitzer allein gelassen zu haben, wird erklärt, über die Pläne sei in drei Ortschaftsratssitzungen öffentlich informiert worden. Betroffene könnten die LTV um fachliche Beratung bitten.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    2
    Steuerzahler
    03.03.2019

    „Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens werde nochmals geprüft, ob die in Anspruch genommene Fläche weiter reduziert werden kann". Das ist ja sehr großzügig! Könnte man nicht davon ausgehen, dass man mit fremden Eigentum so umgeht, dass das vor vorn herein ordentlich geprüft wird und wirklich minimal eingegriffen wird? Bei der Ablehnung des Rückhaltebeckens war man doch auch restriktiv. Oder ging es hier nach dem Motto, was schert mich fremdes Leid? Die Probleme, wenn man ein Gewässer auf seinem Grundstück hat und die damit verbundenen großzügigen Ansprüche der Wasserbehörde kennt jeder, der davon betroffen ist.



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