Zeckenbisse: In Chemnitz steigt Anzahl der Borreliose-Fälle

Vergangenes Jahr sind im Stadtgebiet fünf Mal so viele Erkrankungen registriert worden wie 2012. Experten haben eine Vermutung für den Anstieg.

Ein kleiner Stich, eine Rötung auf der Haut, die sich immer weiter ausbreitet, später Fieber und Kopfschmerzen. Das kann unter Umständen auf eine Borreliose-Erkrankung hinweisen. Die wird von Zecken übertragen. Und das passiert in Chemnitz offenbar immer öfter.

Nach Angaben der Stadtverwaltung hat sich die Anzahl der gemeldeten Erkrankungen in den vergangenen fünf Jahren stark erhöht. Wurden 2012 in Chemnitz 30 Fälle registriert, waren es im vergangenen Jahr 154. Besonders auffällig: Während die Anzahl der Erkrankungen im gleichen Zeitraum sachsenweit nur um rund 50 Prozent gestiegen ist (von 920 auf 1355 Fälle), hat sie sich in Chemnitz verfünffacht. In den ersten acht Monaten dieses Jahres diagnostizierten die Ärzte stadtweit 104 Mal Borreliose, teilt die Verwaltung mit.

Borreliose ist eine Krankheit, die durch eine Infektion mit Bakterien hervorgerufen wird. Diese Bakterien werden von Zecken übertragen, wenn diese stechen. Dem Robert-Koch-Institut zufolge tragen bis zu einem Drittel der Spinnentiere die Borrelien genannten Bakterien in sich, wobei die Verbreitung regional stark schwankt. Die Symptome der Krankheit reichen von Fieber und Kopfschmerzen über leichte Lähmungen bis hin zu schmerzhaften, chronischen Entzündungen an Armen und Beinen (siehe Info-Kasten).

Trotz der gestiegenen Fallzahl spricht man im Chemnitzer Gesundheitsamt nicht von einem sprunghaften Anstieg von Borreliose-Erkrankungen. Als Ursache für das vermehrte Auftreten nennt das Amt zum einen klimatische Bedingungen. Niederschlagsreiche, schwülwarme Sommer sowie milde und frostarme Winter wie jene der vergangenen beiden Jahre begünstigten die Verbreitung von Zecken, heißt es. Zum anderen verweisen die Experten auf die Zunahme von Informationskampagnen und gesundheitlicher Aufklärung sowie verbesserte Diagnose-Möglichkeiten. Betroffene und Ärzte seien stärker für eine mögliche Borreliose sensibilisiert als früher. "Das bewirkt, dass mehr Erkrankungen diagnostiziert werden, die vielleicht früher unentdeckt geblieben wären", so die Einschätzung des Gesundheitsamts.

Als Zecken-Risikogebiet wird Chemnitz nicht ausgewiesen. Dafür ist einzig die Häufigkeit des Auftretens der ebenfalls durch Zecken übertragenen, als FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) bekannten Hirnhautentzündung in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren relevant. Vor zwei Jahren hatte das Robert-Koch-Institut das Vogtland als Risikogebiet eingestuft; für dort lebende Menschen übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Schutzimpfung. In Chemnitz hat es dem Gesundheitsamt zufolge in diesem Jahr bislang nur einen FSME-Fall gegeben, der zudem wohl im Ausland erworben wurde.

Um sich vor einem Zeckenbiss zu schützen, sollte vor allem bei Spaziergängen in Wäldern oder auf Wiesen lange, helle Kleidung getragen werden. Auch Insektenschutzspray kann hilfreich sein, heißt es. Hat sich dennoch eine Zecke festgesaugt, empfehlen Ärzte, diese mittels einer Zeckenpinzette oder -karte zu entfernen, ohne dabei Gewalt, Öl oder Alkohol aufzutragen. Tritt das Symptom Wanderröte (siehe Kasten) auf, soll der Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Weil sich Zecken gern in hochstehendem Gras aufhielten, hat die Stadtverwaltung zudem einen Ratschlag dazu, wie die Verbreitung der Spinnentiere bekämpft werden könne: "Das Grünflächenamt empfiehlt, auf privaten Rasenflächen eine intensivere Grünpflege in Form einer regelmäßigen Mahd." Genau die hatte auf städtischen Wiesen in diesem Jahr allerdings stark zu wünschen gelassen.


Chronische Entzündungen nach Jahren möglich

Borreliose wird durch Zecken übertragen, die Bakterien (Borrelien) in sich tragen. Die Krankheit kann verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke.

Nicht jeder, der die Bakterien in seinem Körper trägt, entwickelt Krankheitssymptome. Das können im ersten Stadium Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Müdigkeit sein. Außerdem tritt eine sich ausbreitende Rötung (Wanderröte) auf. Innerhalb von sechs Monaten (Stadium II) nach der Infektion können Taubheitsgefühle, Seh- oder Hörstörungen oder sogar Lähmungen und Herzrhythmusstörungen auftreten. Noch später, das heißt mitunter nach Jahren, kann es zu chronischen Entzündungen an Armen und Beinen kommen. (fp)

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1Kommentare
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  • 6
    1
    Steuerzahler
    13.09.2016

    "Weil sich Zecken gern in hochstehendem Gras aufhielten, hat die Stadtverwaltung zudem einen Ratschlag dazu, wie die Verbreitung der Spinnentiere bekämpft werden könne: "Das Grünflächenamt empfiehlt, auf privaten Rasenflächen eine intensivere Grünpflege in Form einer regelmäßigen Mahd."
    Das ist der Hit! Die gleichen Leute, die die Grünflächen der Stadt nicht ordentlich pflegen und durch hochwachsendes Gras gute Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich Zecken wohlfühlen und die Gesundheit im öffentlichen Raum beeinträchtigen können, geben für die privaten Grundstücksbesitzer gute Hinweise zur Rasenpflege. Schon mal was von Vorbild oder (Daseins-)Fürsorge gehört? Oder unterscheiden Zecken neuerdings zwischen privat und öffentlich?



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