Zoopädagoge: "Ich bin der Erste meiner Art"

Ein studierter Biologie-Lehrer besetzt die neu geschaffene Stelle im Tierpark. Seine Chefin sieht nach dem Personalzuwachs jetzt auch an anderer Stelle Nachholbedarf.

Wie ein Sechser im Lotto habe es sich angefühlt, als er in Chemnitz zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, sagt Jan Klösters. Der 35-Jährige ist der neue Zoopädagoge des Tierparks - eine Stelle, die es so in Chemnitz noch nie gab. Er sei eben der Erste seiner Art, sagt Klösters - und ist als solcher zurzeit dabei, sein Areal abzustecken. Parkführungen, sowohl für Schüler als auch private Gruppen, gehören ebenso zu seinen Aufgaben wie das Gestalten von Infotafeln, die Öffentlichkeitsarbeit des Zoos und die Wiederbelebung der Tierparkschule.

In den vergangenen Jahren war die Tierparkschule quasi verwaist. Bis vor einiger Zeit stellte der Freistaat noch Lehrer für eine gewisse Anzahl an Wochenstunden für pädagogische Dienste an den Zoo ab. Aufgrund des Lehrermangels war das zuletzt aber nicht mehr möglich. Es habe etwas gedauert, bis die neue Stelle von der Stadt genehmigt worden sei, sagt Tierpark-Leiterin Anja Dube. Die vier Säulen, die den Sinn und Zweck von Zoos beschreiben - Artenschutz, Forschung, Naherholung und Bildung - können nun wieder vollständig vom Chemnitzer Tierpark erfüllt werden, so Dube.

In den größeren Tierparks in Dresden und Leipzig gibt es Zoopädagogen bereits seit vielen Jahren, wenn auch mit schmalerem Aufgabengebiet. Die kleineren Tierparks in Limbach -Oberfrohna und Hirsch feld würden sich eine solche Stelle ebenfalls wünschen, dort war aber bislang kein Geld dafür da.

Einen typischen Arbeitsalltag habe er bislang nicht, verrät Klösters. Er fange zwar jeden Morgen um 7 Uhr an, aber sonst sei jeder Tag anders. Dass sein Job in sehr viele Richtungen geht, habe er bei der Bewerbung gerade spannend gefunden. Am wichtigsten sei ihm, dass er in Chemnitz seine Leidenschaft für Tiere und seinen Eifer für den Artenschutz unter einen Hut bringen könne. Schon während seines Lehramt-Studiums mit dem Hauptfach Biologie habe der gebürtig aus Nordrhein-Westfalen stammende Klösters im Dortmunder Zoo erstmals einen Job in dieser Richtung bekommen. "Ab dann war mir klar, dass ich nicht an der Schule unterrichten will, sondern im Zoo", sagt er.

Er sei momentan dabei, ein Programm für Schulklassen und besondere Aktionstage zu entwickeln, so Klösters. Der Kontakt mit den Lehrern sei ihm wichtig. Außerdem habe er es auf die Universität abgesehen. Er wolle unter Lehramts-Studenten das Bewusstsein dafür wecken, wie der Zoo als Unterrichtsort genutzt werden kann. Unterricht im Freien sei ihm am liebsten, im Klassenraum der Tierparkschule werde er sich seltener aufhalten.

Besonders einladend sieht das in die Jahre gekommene Gebäude mit Rissen in den Innenwänden ohnehin nicht mehr aus. Eine Renovierung sei aber nicht geplant, sagt Tierpark-Chefin Dube. Lieber wäre es ihr, wenn das Gebäude langfristig gesehen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden würde.

Dass Klösters selbst einmal in einer neu errichteten Chemnitzer Tierparkschule unterrichten wird, ist nicht unwahrscheinlich. Sein Vertrag ist unbefristet. Gleichzeitig sagt er aber: "Wer im Zoo-Bereich arbeitet, sollte nicht auf einen Ort fixiert sein." Seine Heimat verließ er in Richtung Bodensee, um beim Affenberg Salem zu arbeiten, bevor es ihn nun nach Sachsen verschlug. Umzüge seien Teil des Berufslebens. In Chemnitz habe er sich aber gut eingefunden. Die Mentalität sei der im Ruhrgebiet nicht unähnlich - mit einem Unterschied: "In NRW können die Menschen etwas platt sein. Die Chemnitzer sind netter."

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