Zu teuer: Historischer Loktransport zum Jubiläum abgesagt

Die 875-Jahr-Feier muss ohne einen der geplanten Höhepunkte stattfinden. Denn ein Verein kann die Kosten nicht schultern.

Den vorerst letzten Loktransport erlebten zu den Tagen der Industriekultur 2010 etwa 30.000 Schaulustige mit. Dabei wurde der Nachbau einer Hartmann-Lok auf einem Tieflader von Pferden von der Hartmannstraße zum Hauptbahnhof gezogen.

Für Sie berichtet: Michael Brandenburg

Nach dem wegen eines Tötungsverbrechens abgebrochenen Stadtfest erhält die 875-Jahr-Feier von Chemnitz einen weiteren Dämpfer. Die an diesem Wochenende beginnenden Tage der Industriekultur bleiben ohne ihren Höhepunkt, den historischen Loktransport von der Hartmannstraße zum Hauptbahnhof.

Dabei war dieses Spektakel, das am 22. September Zehntausende Schaulustige in die Innenstadt locken sollte, von der städtischen Wirtschaftsfördergesellschaft CWE im Programm der 875-Jahr-Feier als "Alternative zum Festumzug" anlässlich des Stadtjubiläums angekündigt worden. Dass der Loktransport abgesagt ist, wird dagegen bisher nur in einer kleinen Notiz im Internet bekanntgegeben.

Erst auf Nachfrage erhielt "Freie Presse" eine offizielle Bestätigung. "Der Loktransport wird in diesem Jahr nicht stattfinden", teilte eine CWE-Sprecherin mit. Dafür verantwortlich sei aber nicht die städtische Wirtschaftsfördergesellschaft, sondern der Bürgerverein für Chemnitz, der den Loktransport als Projekt zur 875-Jahr-Feier angeboten habe. Die CWE unterstütze lediglich solche Projekte von Trägern.

Der Bürgerverein für Chemnitz räumt auf Anfrage ein, dass bereits am 26. Juni beschlossen werden musste, den Loktransport nicht durchzuführen. Darüber seien alle Beteiligten informiert worden. Eine Ausschreibung und Werbung für die Veranstaltung sei bis dahin nicht erfolgt, erklärt eine Sprecherin.

Begründet wird die Absage mit zu hohen Kosten wegen geforderter Sicherheitsvorkehrungen, die es in diesem Umfang bei den Loktransporten 2009 und 2010 noch nicht gegeben habe. Dadurch wäre der finanzielle Aufwand für den Bürgerverein um etwa 30.000 Euro auf insgesamt rund 55.000 Euro gestiegen. Von der Kulturstiftung des Freistaates und der CWE hätte der Verein aber nur insgesamt 15.000 Euro Fördergeld erhalten. Selbst mit weiteren Sponsoren und Spenden habe der Verein die verbleibenden Kosten nicht schultern können. "Diese Fakten ließen leider keinen anderen Schluss zu, als den Lok-Transport abzusagen", so die Sprecherin.

Den ersten historischen Loktransport hatte im Jahr 2000 das Sächsische Eisenbahnmuseum Hilbersdorf organisiert. Vorbild dafür sind die Hartmannwerke, die neu gebaute Lokomotiven mangels Gleisanschluss bis 1908 mit Pferdegespannen zum Bahnhof transportierten. 2009 und 2010 veranstaltete die städtische Tourismusgesellschaft CMT die Loktransporte mit Unterstützung vom Eisenbahnmuseum. Diese beiden Transporte hat Andrea Kaiser gemeinsam mit ihrer Familie erlebt. "Das hatten wir auch diesmal wieder vor", sagt die "Freie Presse"-Leserin und findet es ärgerlich, dass die Stadt ein solches Event, das ein Alleinstellungsmerkmal sei, nicht zustande bringe.

4Kommentare
👍8👎3 ArndtBremen 12.09.2018 @Blackadder: Hätten Sie mal Ihr Fischfilet in der Tiefkühlung gelassen und die Toten Hosen in der Altkleidersammlung. Dan wär auch bissel Kohle für die Lok übrig geblieben. Aber Sie hängen Ihre Fahne eh ständig nach dem Wind.
👍5👎9 Blackadder 12.09.2018 @V24001: Das Stadtjubiläum darf eben nichts kosten. Das geht doch schon das ganze Jahr so: da werden jede Menge Veranstaltungen, die sowieso stattfinden einfach mit dem Laben "Stadtjubiläum" versehen und schon ist der Veranstaltungsplan zum Jubiläum voll.
👍12👎10 Hinterfragt 12.09.2018 Tja, Chemnitz, wie @V240001schon schreibt - PEINLICH!

Für ein Konzert von Bands mit vornehmlich linksextremen Texten hat man sicherlich mehr für Sicherheit usw. aufgebracht ...
👍16👎2 V240001 12.09.2018 Peinlich, Stadt Chemnitz. Da bekommt man schon keinen Festumzug auf die Reihe (das hat selbst die DDR hinbekommen) und dann fällt auch der Loktransport (als einer der gepriesenen Höhepunkte) aus.
Das ist der Verwaltung nur eine kleine Notiz im Internet wert.
Es ist unverständlich und beschämend, wie die Stadt mit ihrem Stadtjubiläum umgeht.
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