Zwei Wiesen gegen das Insektensterben

Das Naturkundemuseum eröffnet mit Partnern neue Blühstreifen für Bienen und Falter - und plant schon weiter.

Auf 1000 Quadratmetern summt und brummt es in Zukunft in Hilbersdorf: Anlässlich des 40-jährigen Bestehens seines Insektariums hat das Chemnitzer Naturkundemuseum die Aussaat zweier Blühwiesen initiiert und nun deren Eröffnung gefeiert. "Das Jubiläum war für uns der Anlass, etwas für Insekten zu tun", sagt Thorid Zierold, Kustodin des Museums. "Wir sind schon lange im Zeisigwald aktiv", so Zierold weiter. Nun wolle man erkunden, wie sich Insekten auf Wiesen entwickeln. Geplant sei herauszufinden, wo in Chemnitz welche Pflanzen gut gedeihen - nur so könne man auch wissen, an welchen Orten sich welche Tiere wohlfühlen. Denn: "Jede Insektenart hat eigene Präferenzen."

Daher brachten die Verantwortlichen des Museums die Aussaat von rund 60 verschiedenen Pflanzenarten in Gang. Hilfe bekamen sie dabei vom Naturschutzbund Erzgebirge, dem Grünflächenamt der Stadt und dem ortsansässigen Verein Nachhall, der einen Saatgutgarten für Wildblumensamen betreibt. "Der Bläuling braucht zum Beispiel den Wiesenknopf, das Pfauenauge die Brennnessel", erläutert Gunter Holz vom Verein Nachhall die Vorlieben von Schmetterlingen für bestimmte Pflanzenarten.


Neben dem wissenschaftlichen Interesse verfolgt das Museum auch einen pädagogischen Ansatz. "Wir wollen ein Bewusstsein schaffen für Biodiversität", erklärt Thorid Zierold. Daher war am Tag der Eröffnung auch eine Gruppe der Admedino-Kindertagesstätte geladen.

Doch wozu braucht es überhaupt Blühstreifen, Insekten und pädagogische Aufklärung? "Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch die Natur", ist sich Fred Richter vom Unterstützerkreis des Naturkundemuseums sicher. Lutz Röder vom Naturschutzbund pflichtet bei: "In China wird teils schon mit Pinseln bestäubt. Wenn es so weit kommt, ist es schon zu spät."

In den kommenden Monaten und Jahren werden die Organisatoren ein genaues Auge auf die neu angelegten Blühstreifen werfen. "Wir beobachten, welche Pflanzen sich durchsetzen und welche Insekten sich ansiedeln werden", erklärt Zierold. Interessant sei vor allem der Vergleich mit anderen Blühflächen in der Stadt, wie beispielsweise am Annenplatz, im Konkordiapark oder am Kreisverkehr an der Fraunhofer Straße.

Am Tag der Eröffnung sprossen bereits die ersten Blumentriebe. Die ersten Besucher der Anlage werden daher nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    1
    cn3boj00
    23.05.2019

    Jede dieser Wiesen ist ein wichtiger Baustein gegen das Artensterben. Jedem, der so etwas initiiert gebürt Respekt und Dank. Es ist nur schade, dass es vo allem in und um die Städte herum geschieht, obwohl es heute schon so ist, dass die Artenvielfalt an Insekten und Vögeln in der Stadt größer ist als auf dem sterbenden Lande, wo die Großagrarier, denen 90% der Äcker gehören, kein Interesse daran zeigen.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...